Spuren der Treverer
Viele Spuren haben die Treverer nicht hinterlassen. Das Quellheiligtum Heidenborn und Reste eines Kulttempels und Theaters in Trier-West sind Relikte aus vorrömischer Zeit, die 15 Teilnehmer auf einer Sonderführung mit Walter Liederschmitt entdeckten.
Trier-West/Pallien. (cofi) In Vergessenheit ist in Trier das Erbe der keltischen Zivilisation geraten. Auf die besondere Zeitreise in die gallo-römische Vergangenheit nahm Walter Liederschmitt Interessierte bei seiner Tour "Trier für Nicht-nur-Trierer". Von der Porta Nigra ging es mit modernen Verkehrsmitteln Richtung Mohrenkopf und von dort aus zu Fuß zu den keltischen Kultstätten, die keiner der Teilnehmer bislang kannte.Erste Station war der Heidenborn mitten im Wald. "Ich bin begeistert von diesem Ort und liebe diese Gegend", sagte Linde Andersen. Mit Thomas Willinger hat sie 2005 das "ziemlich verkommene Fleckchen Erde" im Rahmen eines LOS-Projektes (Lokales Kapital für soziale Zwecke) mit Bürgern herausgeputzt. Das Wasserbecken, 1975 von Heinz Reiland und Anton Bibica angelegt, ist erneuert, Bänke laden zum Verweilen ein. Eine Hinweistafel informiert über die Quelle und die benachbarten Tempel.Nicht nur die Quellgöttin Ancamna wurde am Heidenborn verehrt. Auch die "Heilkraft des Wässerchens, das uns Mutter Natur schenkt", so Liederschmitt, war Pilgerziel. Denn das borhaltige Wasser soll Augenleiden gelindert haben. Liederschmitt stimmte "in lauschiger Atmosphäre" einen Hymnus auf die Göttin und ihre Gespielinnen an und zupfte den Nachbau einer antiken Harfe. Nur wenige Straßennamen in Trier-West erinnern daran, dass sich am Fuß des Berges eine Hauptkultstätte der Treverer befunden hat: Tempelweg und Lenus-Mars-Straße. 1930 wurden die Grundmauern von Tempel und Theater ausgegraben, fristen nun aber ein Schattendasein im Erdreich. Eine römische Grabkammer an der Grundschule Reichertsberg ist noch zugänglich. Überirdische Mauerreste des Tempelbezirks am Irminenwingert sind vom Zerfall bedroht.