St. Paulus und die Frage nach der Zukunft der Kirchen im Bistum Trier

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Turnhalle, Konzertsaal oder Kneipe? Über die zukünftige Nutzung profanierter Kirchengebäude muss im Bistum Trier immer häufiger entschieden werden. Besonders die Pfarreien in Trier sind schon jetzt davon betroffen.

Wer aufmerksam durch Trier geht, findet zahlreiche Hinweise auf ehemalige Kirchengebäude. Gemeint ist damit nicht nur die Porta Nigra, die einst in Erinnerung an den heiligen Simeon zur Doppelkirche umgebaut worden war und auf Weisung von Napoleon Bonaparte 1802 wieder ihr antikes Aussehen zurückerhalten hat. Es gibt Apotheken und Kneipen in ehemaligen Kapellen. Eine Schreinerwerkstatt im Westen und natürlich die multifunktional genutzte ehemalige Klosterkirche St. Maximin, die bei großen Kirchenfesten auch noch für Glaubensdinge genutzt wird.

Mit dem neo-romanischen Kirchengebäude, dem ehemaligen Pfarrhaus St. Paulus, einem Wohnhaus und dem ehemaligen Gemeindehaus steht seit Monaten auch der mächtige Pauluskomplex am westlichen Rand der Innenstadt zum Verkauf. Mindestens 1,95 Millionen Euro soll das profanierte Kirchengebäude mit seinen Nebengebäuden laut Ausschreibung kosten. Angesichts der Grundstücksfläche von 3800 Quadratmetern ein Schnäppchen? Nur auf den ersten Blick. Denn die 1907 von dem Architekten Julius Wirtz errichteten Gebäuden sind ein Kulturdenkmal und Teil der Denkmalzone Paulusplatz. Zudem legt die Ausschreibung der Innenstadtpfarrei Liebfrauen fest, dass für den Käufer lediglich eine Nutzung möglich ist, „die nicht der Würde des Raums als ehemaliges Kirchengebäude zuwiderläuft“.

So hofft die Hochschule Trier, insbesondere der unmittelbar benachbarte Campus Gestaltung, dass sie den derzeit für das Projekt „Dialog im Dunkeln“ genutzte Kirchenraum in absehbarer Zeit für Ausstellungen und Präsentationen nutzen kann. Dafür müsste allerdings ein Mäzen den Zuschlag erhalten, der Gerüchten zufolge mit im Bieter-Rennen ist. Doch die zunächst für Ende 2019 angekündigte Verkaufsentscheidung ist noch nicht gefallen.

„Der Prozess hat sich verzögert“, sagt Liebfrauen-Verwaltungsratsvorsitzender Thomas Schiffler. „Über das laufende Verfahren wurde mit allen Beteiligten Stillschweigen verabredet.“ Er will auch keine Prognose abgeben, wann die Verkaufsverhandlungen abgeschlossen sein werden. „Wir werden uns äußern, sobald die Sache spruchreif ist.“

Deutschlandweit sind in den vergangenen 20 Jahren 500 katholische Kirchengebäude als Gotteshäuser aufgegeben worden. 40 Kirchen und Kapellen waren es seit 2003 im Bistum Trier, die Mehrzahl davon im Saarland. Auf der Liste stehen außerdem St. Pius in Echternacherbrück, St. Marien in Bernkastel-Kues und acht ehemalige Kirchen in Trier.

Weitere Bauwerke werden folgen, glaubt nicht nur der ehemalige Diözesanarchitekt Alois Peitz, der Anfang der 1990er Jahre mit seinen Plänen St. Maximin vor dem Abriss gerettet und den Umbau eines ehemaligen Klosters zum Schulgebäude des Angela-Merici-Gymnasiums geplant hat. Gemeinsam mit anderen Architekten, Denkmalschützern und Investoren aus dem ganzen Land diskutierte er bei der Tagung „Tatort Altbau – Kirchen in Not, ungenutzt, umgenutzt“ über die Chancen und Risiken des erwarteten Kirchensterbens. Veranstalter waren die Handwerkskammer Koblenz, die Architektenkammer Rheinland-Pfalz und die Generaldirektion Kulturelles Erbe, was die Bedeutung des Themas zeigt.

Seit über 50 Jahre habe er Beispiele für gelungene und wenig gelungene Umnutzungen von Kirchenräumen gesammelt, sagt Peitz. „In diesen Gebäudehüllen geht so gut wie alles: Konzertsaal und Wellnesszentrum, Kolumbarium und Tanzsaal, Bibliothek und Künstleratelier, Hotel, Krankenhaus Kaserne und Wohnungen.“ Das sei allerdings nur deshalb möglich, weil Kirchengemeinden mit den Bistümern die Räume immer häufiger aufgäben und dem Immobilienmarkt zur Verfügung stellten.

Beispiele dafür gibt es auch in Trier, wo eine ehemalige Kirche in Quint inzwischen als Wohngebäude dient. In Trier-Ehrang entsteht in der profanierten Kirche Christi Himmelfahrt sozial geförderter Wohnraum. Und auch in dem bis vor kurzem einsturzgefährdeten Kirchenraum Maria Königin in Trier-Pallien plant die Projektentwicklungsgesellschaft Vier Viertel attraktive Mietwohnungen (TV vom 22. November).

Doch mit einer solchen Lösung wollen sich Peitz und eine Reihe anderer Architekten nur dann anfreunden, wenn andernfalls ein Abriss nicht zu verhindern wäre. „Ich plädiere dafür, die Kirchenräume zu behalten und mit Fantasie auch als Räume für soziale Begegnungen, Mischnutzungen, Sinneserfahrungen und Chancen zu erweiterter Gottesbegegnung umzurüsten, statt sie um zu nutzen.“ Dafür müssten Partner für die Mitnutzungen gesucht werden.

In einem ersten Schritt könnten Fördervereine das regeln, wie der Förderverein Alte Kirche Igel, oder der seit kurzem aktive Förderverein Kirche Heiligkreuz. Deren Erhaltung, so befürchten die Mitglieder um die Vorsitzende Elisabeth Ruschel, könnte wegen der zunehmenden Bauschäden in einigen Jahren nicht mehr möglich sein. Entsprechende Signale habe sie vom Bistum erhalten. „Dabei haben wir nach dem Dom den größten Raum in einer katholischen Kirche in Trier“, argumentiert die langjährige Ortsvorsteherin von Heiligkreuz.

So kann die Weiternutzung von ehemaligen Kirchen aussehen: Im Gebäude Christi Himmelfahrt in Trier-Ehrang entstehen 16 geförderte Wohnungen. Foto: Vierviertel GmbH

Das Bistum betont derweil, dass sich die Kirchen im Besitz der Kirchengemeinden befinden. „Die Kirchengemeinde beziehungsweise die Pfarrei ist Rechtsträger und entscheidet auch über ihre Gebäude.“ Die Anfrage auf eine Profanierung müsse also immer von der Kirchengemeinde ausgehen. Im Zweifelsfall passiert das meist, wenn die Kosten für eine Renovierung zu hoch sind, das Bistum den üblichen 60-prozentigen Baukostenzuschuss versagt und eine Alternative für den Gottesdienstbesuch der Gläubigen existiert. So wie in Ehrang, Quint und Pallien.