Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue: Chef des Kreisjugendfeuerwehrverbands hat sich selbst angezeigt

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue: Chef des Kreisjugendfeuerwehrverbands hat sich selbst angezeigt

Beim Kreisjugendfeuerwehrverband Trier-Saarburg ist derzeit Feuer unterm Dach. Der inzwischen zurückgetretene Chef des Verbands hat nach eigener Aussage in die Kasse gegriffen. Die Aufarbeitung dieser Affäre ist wohl Grund dafür, dass es in diesem Jahr kein Zeltlager geben wird, an dem normalerweise mehrere Hundert Jugendliche teilnehmen.

Der Schein täuscht. Noch vor wenigen Tagen präsentierte sich bei der Versammlung des Kreisfeuerwehrverbands Trier-Saarburg ein neues Führungsteam des Kreisjugendfeuerwehrverbands. Der Verband hat es sich zur Aufgabe gemacht, unter anderem die Interessen der Jugendfeuerwehren zu vertreten.

Doch die Nachwuchsorganisation hat offensichtlich ein Problem. Die Mitglieder des Kreisjugendfeuerwehrverbands hatten im Frühjahr vergangenen Jahres eine neue Führung gewählt. Unter anderem wurde der bisherige Kassenwart neuer Vorsitzender. Und in der Folge davon auch Kreisjugendfeuerwehrwart, der als Ehrenbeamter als Bindeglied zwischen den Jugendfeuerwehren und dem Kreis fungiert.

Doch diese Personalie hatte nur wenige Monate Bestand. Inzwischen ist der Verbandsvorsitzende zurückgetreten und hat auf das Amt des Inspekteurs verzichtet. Der Grund für den Rückzug: Der Feuerwehrmann hat sich nach eigenem Bekunden an der Kasse des Verbands bedient und später selbst angezeigt. Gegen ihn wird wegen Untreue ermittelt (siehe Extra).

Der Mann möchte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Rechtsanwalt Marco Liell sagt: "Mit dem von meinem Mandanten erklärten Rücktritt von allen Ämtern beim Kreisjugendfeuerwehrverband hat mein Mandant die Konsequenz aus den von ihm selbst aufgedeckten Unstimmigkeiten in der Kassenführung des Verbands während seiner Zeit als Kassenwart und als erster Vorsitzender gezogen." Die Unstimmigkeiten seien aufgeklärt worden. Ein Buchprüfer habe festgestellt, dass dem Verband kein finanzieller Schaden entstanden sei.

Keine Antwort gibt es auf die Frage, was der frühere Verbandsvorsitzende mit dem Geld gemacht hat. Die Staatsanwaltschaft Trier äußert sich ebenso wie die Vertreter des Verbands zudem nicht zur Höhe der Summe, die aus der Kasse genommen worden ist. Der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen verweist auf das laufende Ermittlungsverfahren wegen Untreue. Diese Ermittlungen seien bisher nicht abgeschlossen. Laut TV-Informationen soll es insgesamt um eine fünfstellige Summe gehen.

Die Aussagen des Rechtsanwalts bezüglich der Kooperationsbereitschaft bestätigt der Kreisjugendfeuerwehrverband, der inzwischen von der Vorsitzenden Claudia Krütten und ihren Vertretern Boris Krebs und Christian Rock geführt wird. Die Aufgaben des Kreisjugendfeuerwehrwarts werden zurzeit von Krütten und Krebs gemeinschaftlich wahrgenommen. Die Verbandsführung teilt mit, dass der frühere Vorsitzende die Unregelmäßigkeiten eingestanden habe.

Nach eigener Darstellung ist der Kreisjugendfeuerwehrverband voll handlungsfähig. So hat er das kreisweite Völkerballturnier des Verbands organisiert. Am 17. April soll in Aach bei einer ordentlichen Mitgliederversammlung ein neuer Kreisjugendfeuerwehrwart gewählt werden.
Zeltlager fällt aus

Angesichts der Turbulenzen um den früheren Vorsitzenden hat es dann offensichtlich doch gehakt. Turnusmäßig sollte in diesem Jahr wieder ein gemeinsames Zeltlager der Jugendfeuerwehren stattfinden. 2013 waren dafür 43 Gruppen aus dem Landkreis, aus Österreich und aus Thüringen mit insgesamt rund 600 Teilnehmern angemeldet.
In diesem Jahr müssen sich die Jungen und Mädchen einen anderen Zeitvertreib suchen. Denn das große Zeltlager fällt aus.

Nach Auskunft des Kreisjugendfeuerwehrverbands habe die Aufarbeitung des Untreue-Vorfalls zu wenig Zeit gelassen, um auch noch das Zeltlager zu organisieren. Erst 2017 wird es wieder eine Zusammenkunft in großem Rahmen geben.
Extra

Untreue: Paragraf 266 des Strafgesetzbuchs beschäftigt sich mit der Untreue. Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer die Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen, missbraucht. harExtra

Der Zusammenschluss der Jugendfeuerwehren zum Kreisjugendfeuerwehrverband wurde 1981 in Schillingen begründet. 2013 gab es insgesamt 82 Jugendfeuerwehren (872 Mitglieder = 194 Mädchen und 678 Jungen). Sie verteilen sich laut Verband auf die VG Hermeskeil (zwölf Jugendfeuerwehren), VG Kell (neun Jugendfeuerwehren), VG Konz (elf Jugendfeuerwehren), VG Ruwer (13 Jugendfeuerwehren), VG Saarburg (elf Jugendfeuerwehren), VG Schweich (zwölf Jugendfeuerwehren), VG Trier-Land (14 Jugendfeuerwehren). har