Stadt Schweich sucht neuen Schulstandort
Schweich · Auch der Schweicher Stadtrat hat sich nun gänzlich vom Erhalt der Grundschule (GS) im Ortskern verabschiedet. Nach umfassender Debatte am Donnerstag wurde beschlossen, der Trägerin ein geeignetes Grundstück für einen Neubau anzubieten.
Schweich. Wegen des emotional besetzten Schulthemas stieß die Stadtratssitzung am Donnerstag auf hohes Publikumsinteresse. Der Saal des Alten Weinhauses war mit Zuschauern überfüllt, während die gewählten Akteurinnen und Akteure um die Entscheidung rangen. Nach gut 90 Minuten stand fest: Die Stadt Schweich wird ihrer Pflicht nachkommen und sich auf die Grundstückssuche für einen Schulneubau begeben.
Die Verbandsgemeinde (VG) Schweich plant als Schulträgerin einen Neubau in der Schweicher Peripherie, da der alte Schulstandort im Ortskern keine Ausbaumöglichkeiten mehr bietet. Zudem müsste der Kreis zunächst seine unmittelbar benachbarte Meulenwald-Förderschule von Schweich wegverlagern - er hat bisher aber in dieser Richtung noch keine Bewegung gezeigt. Der entsprechende Neubaubeschluss war daher in der jüngsten Sitzung des VG-Rates am 18. Oktober gefallen.
Dazu Bürgermeister Berthold Biwer von der VG Schweich: "Ein modernes neues Schulgebäude ist die sinnvollere Variante. Es bietet die Möglichkeit, eine zukunftsfähige Schulstruktur nach neustem Stand der Pädagogik zu schaffen."
Seitens der Stadt Schweich wurden die seit über einem Jahr angedachten Neubaubestrebungen zunächst zurückhaltend betrachtet. Noch im März 2011 sprachen sich die Stadtratsfraktionen von CDU, SPD und FWG für den Erhalt des bestehenden Schulstandorts am Bodenländchen aus. Diese Lage sei wohnortnah und für Grundschulkinder leicht "fußläufig" zu erreichen.
Nach der Neubauentscheidung des VG-Rats vom 18. Oktober vollzogen die Stadtratsfraktionen von CDU und SPD jedoch eine 180-Grad-Wendung (TV vom Donnerstag), während die FWG weiter für den Standorterhalt am Bodenländchen plädierte.
Die Diskussion in der Stadtratssitzung begann kontrovers. Johannes Heinz (CDU) verwies auf die vollendeten Tatsachen, die von der VG mit der Neubauentscheidung geschaffen worden seien. Der Stadt bleibe nur die Verpflichtung, ein Grundstück kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Applaus für die Entscheidung
Achim Schmitt (SPD) präsentierte einen Beschlussvorschlag seiner Fraktion: Die Stadt besorgt das Grundstück und die VG soll zuvor mitteilen, wo nach fachlicher Bewertung der geeignete Standort liegen könnte und wie groß er sein sollte. Die FWG wiederholte zunächst ihre Argumentation für den alten Standort. Nach einem klaren Votum von Schulleiterin Birgit Feilen für den Neubau - "ein vernünftiges pädagogisches Konzept ist durch die Enge am alten Standort nicht mehr realisierbar" - und nach einem eindringlichen Bekenntnis von Meulenwald-Schulleiter Heinz Wegmann zum Förderschul-Standort Schweich, lenkte auch die FWG ein. FWG-Sprecher Johannes Lehnert: "Wir haben unsere Position überdacht."
Der einstimmige Beschluss, einen Schulneubau durch ein Grundstück zu unterstützen, wurde vom Publikum mit großem Applaus begrüßt.Meinung
Auch der Kreis muss sich bewegen
"Die Birne ist geschält", wie der Volksmund zu sagen pflegt. Die Verbandsgemeinde wird mitteilen, welche Anforderungen sie an einen künftigen Schulstandort stellt, und Schweich wird sich bemühen, baldmöglichst ein entsprechendes Grundstück präsentieren zu können. Dies kann allerdings nicht über Nacht geschehen. Potenzielle Grundstücke müssen begutachtet werden, und mit ihren Eigentümern gilt es zu verhandeln. Auch dürfte sich die ausdauernde Schulgrundstücks-Diskussion der zurückliegenden Monate kaum preismindernd ausgewirkt haben. Zumal Schweich ohnehin schon kein Schnäppchenparadies für Grundstückskäufer ist. Um die Stadt zu entlasten, müsste sich nun der Kreis bewegen und das seit langem offerierte städtische Anwesen der Meulenwaldschule erwerben. Damit würde der Kreis auch ein Zeichen für den Erhalt seiner Förderschule am Standort Schweich setzen. f.knopp@volksfreund.de