Stadt, Strand, Fluss

Auf der Bühne ist er mal Professor Higgins, mal Kontrabassist, am Trierer "Feuerwehrstrand" ganz Papa: Schauspieler und Regisseur Michael Ophelders. Was es dem gebürtigen Essener leicht machte, sich in Trier heimisch zu fühlen, davon erzählt der 53-Jährige in unserer Serie.

Jeder Schauspieler hat seine Eigenheiten, was das Lernen von Texten angeht. Ich behalte mir meine Passagen am besten beim Fahrradfahren entlang der Mosel. Den Kindersitz habe ich für diesen Zweck zum Drehbuchhalter umfunktioniert. Mosel auf- und abwärts bin ich, die Weltliteratur aufsagend, unterwegs. Und auf der fabelhaften Strecke zwischen Longuich und Detzem meist ganz privat.
Gerne skate ich dort auch mit den Inlinern. Ich genieße dann die Ruhe inmitten der Weinberge, die sich entlang des Flusses aneinanderreihen.
Bei einem Glas Wein auf der Terrasse der Vinothek Longen-Schlöder, mit herrlicher Aussicht auf die Rebstöcke, komme ich in Urlaubsstimmung.
Zweite Heimat geworden


Ein weiterer Lieblingsplatz von mir ist ebenfalls am Fluss: der Feuerwehrstrand, so nennen wir das Ufer gegenüber der Berufsfeuerwehr in Trier-Süd. An einem Steg liegt das Feuerwehrboot einsatzbereit angekettet, der rund 50 Meter lange Strand ist je nach Wasserstand mal breit, mal schmal, mal ganz weg. Bei Sonnenschein grillen einige Leute, andere sonnen sich oder beobachten abends verträumt den Sonnenuntergang.
Und es gibt viele Steine dort. Obwohl sie in den vergangenen Jahren deutlich weniger geworden sind. Denn mein fünfjähriger Sohn Lukas liebt es über alles, sie ins Wasser platschen zu lassen. Das können wir bei schönem Wetter oft tun, denn Trier hat Gottlob viele Sonnentage zu bieten.
Vielleicht ist dies mit ein Grund, weshalb ich schon nach zwei Wochen das Gefühl hatte, Jahre in Trier zu sein. Das hat in anderen Städten wie Dortmund oder Wien, in denen ich unter anderem auch Engagements als Schauspieler hatte, länger gedauert.
Ich stamme aus Essen. Als Sohn eines Bergmanns und einer Verkäuferin bin ich im Zentrum des Ruhrgebiets aufgewachsen. Zum Theaterspielen kam ich wie die Jungfrau zum Kind: Als Musikstudent spielte ich im Theater Oberhausen Saxofon, und ich sang. Dabei weckte ich das Interesse des Intendanten. Er sah schauspielerisches Talent in mir und gab mir prompt einen Kleindarstellervertrag. Danach nahm ich Unterricht in Schauspiel und Sprache.
Obwohl, bei genauerer Überlegung ging ich diesen neuen beruflichen Weg dann doch nicht gänzlich ohne Erfahrung. Denn als Junge war ich Messdiener, und der Pastor studierte mit uns Sketche und kleine Stücke ein, die wir in Altenheimen und Krankenhäusern vorführten.
In Hannover begegnete ich übrigens Intendant Gerhard Weber, der mich anschließend mit nach Trier nahm. Das war vor acht Jahren. Seitdem ist Trier meine zweite Heimat geworden - mein berufliches und privates Zuhause.
Atemberaubende Kulisse


Auch mein 18-jähriger Sohn Jakob, der in Essen lebt, besucht uns regelmäßig und gerne. Anfang des Jahres zogen wir von Trier-Süd in eine Wohnung in Nähe der Paulinskirche. Die Entfernung zu einem besonders schönen Fleck in Trier ist dabei fast gleich geblieben: zum Palastgarten mit dem Kurfürstlichen Palais.
Diese atemberaubende Kulisse würde sich hervorragend als Bühnenbild eignen. Shake speares Komödie "Sommernachtstraum", die wir zurzeit proben, könnte ich mir gut vorstellen, dort aufzuführen. Eigentlich jedes Stück, in dem etwas Königlich-Herrschaftliches vorkommt.
In den acht Jahren habe ich Trier kennen- und schätzen gelernt. Und nach wie vor habe ich Respekt vor dem Trierischen. Anfangs dachte ich "Was heißt das?", wenn etwa unsere Ankleiderin Marion Wagner losplauderte.
Trierisch klingt angenehm, die Menschen, die es sprechen, tragen das Herz auf der Zunge. Aber lernen werde ich es nie. Ungeachtet dessen, dass Helmut Leiendecker mir eine CD zum Trierischlernen geschenkt hatte. Dialekt ist Heimat. Ich spreche den Dialekt des Ruhrgebiets. Aber zu Hause bin ich nun auch hier.

Aufgezeichnet von Katja Bernardy