Stadt sucht Ausweg aus Exhaus-Krise

Stadt sucht Ausweg aus Exhaus-Krise

Die Stadt Trier will das wegen Brandschutzverstößen in wirtschaftliche Gefahr geratene Jugendzentrum Exzellenzhaus massiv unterstützen - auch finanziell. Das haben Bürgermeisterin Angelika Birk und Baudezernent Andreas Ludwig gestern bestätigt.

Trier. Ein Krisenstab soll heute um 15 Uhr zusammentreten und erörtern, wie die Gefahr eines wirtschaftlichen Absturzes in tiefrote Zahlen verhindert werden kann. "Dabei werden alle Aspekte untersucht, auch alternative Veranstaltungsorte", kündigt Baudezernent Andreas Ludwig an. Er ist seit vier Wochen im Amt und hat das Exhaus laut eigener Aussage noch nicht besucht. "Wir werden dieses Problem nur gemeinsam lösen."
Das Problem, von dem Ludwig spricht, bedroht die Zukunft des seit den 1970ern beliebten und erfolgreichen Jugendzentrums. Weil das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude gegen aktuelle Brand- und Sicherheitsbestimmungen verstößt, hat die Stadt die maximale Besucherzahl stark beschränkt (der TV berichtete am 29. Mai). Ins große und kleine Exil im Keller dürfen statt bisher 500 nur noch 250 Fans hinein, in den Balkensaal statt 300 nur noch 100. Der Betreiberverein Exzellenzhaus, der das Jugendzentrum seit den 70ern selbstständig betreut und die Hälfte der Betriebskosten durch Veranstaltungen selbst erwirtschaftet, befürchtet das Schlimmste: Veranstalter springen ab, weil sich ihre Partys mit so wenigen Besuchern nicht mehr lohnen.
Das will die Stadtverwaltung verhindern. "Da wir den Betreiberverein in diese Lage gebracht haben, müssen wir auch zur Unterstützung beitragen", sagt Bürgermeisterin Angelika Birk. Das schließe auch eine direkte finanzielle Hilfe ein, bestätigt sie. "Das muss dann natürlich dem Stadtrat vorgelegt werden."
Die Stadt ist die Besitzerin des alten Gebäudes und muss sich deshalb der Frage stellen, warum eine derart gewaltige Brandschutzproblematik plötzlich auftaucht, nachdem das Thema über Jahre so still ruhte wie der Mattheiser Weiher. Bürgermeisterin Birk erläutert: "Die letzte große Brandschutzbegehung des Hauses fand im Jahr 2004 statt."
Danach dauerte es bis zum 18. März 2015, bis das Jugendkulturzentrum wieder auf dem Begehungsplan auftauchte. "Wir mussten personell Prioritäten setzen und haben vorrangig Schulen und Kitas überprüft", sagt die Bürgermeisterin. "Primär Gebäude, in denen sich Kinder aufhalten." Deshalb habe das Exhaus, in dessen Südflügel sich bereits seit 1989 ein Kinderhort befindet, elf Jahre lang keine große Überprüfung erlebt.
Zum heute zusammentretenden Krisenstab, im Verwaltungsjargon Task Force genannt, werden Baudezernent Ludwig, die Bauaufsicht, das Jugendamt, ein Brandschutzgutachter, Exhausleiter Hilger Hoffmann und der mit einem Konzept beauftragte Architekt Dominik Heinrich gehören. "Wir werden uns jede geplante Veranstaltung ansehen", kündigt Ludwig an. Ausfälle sollen verhindert werden - auch durch die Suche nach alternativen Standorten. Von diesen hat die Stadt allerdings noch keinen im Angebot. Auch die Frage, wie lange im Exhaus gebaut werden muss und was die Sanierung kosten wird, ist noch völlig offen. "Der Betreiberverein hat keine Rücklagen", sagt Hausleiter Hilger Hoffmann. "Unsere Telefone stehen nicht mehr still, aus allen Richtungen melden sich besorgte Veranstalter."

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