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Stadt Trier gibt Einblick in Gefahrenkarte bei Starkregen - - Wie man sich gegen Hochwasser schützen kann

Workshops für Trierer Bürger : Starkregen wird es immer öfter geben - Wie man sich gegen Hochwasser schützen kann

Sintflutartige Regenfälle werden immer häufiger. Da ist das öffentliche Kanalnetz schnell überfordert. 150 Heiligkreuzer und Mariahofer wissen nun, was zu tun ist.

Es ist der 11. Juli 2019. Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Die ganz große Hitze mit Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius scheint vorbei zu sein. Da es bereits am Morgen dieses Donnerstags eher bedeckt ist, wirkt die Beschreibung „wie aus heiterem Himmel“ für das, was sich am Nachmittag in Trier abspielt, zwar deplatziert. Doch es wird den sintflutartigen Regenfällen dann doch wieder gerecht, die ohne große Vorwarnzeit über dem Stadtgebiet niedergehen. 55,4 Liter Niederschlag werden auf dem Petrisberg gemessen. In Olewig tritt der Olewiger Bach über die Ufer und es laufen Keller voll, in der Stadt fallen Ampeln aus, der Zugverkehr wird unterbrochen, in Trier-West stürzt ein großer Baum auf ein Wohnhaus.

Das Juli-Unwetter sorgt jedoch auch in Stadtteilen für nasse Füße, die man nicht direkt mit Wassermassen in Verbindung bringt. Beispielsweise in Heiligkreuz, das am Hang liegt und wo die Mosel an Sonnentagen eher in mittelweiter Entfernung glänzt. In den nach dem zweiten Weltkrieg entstandenen Wohnstraßen zwischen Alt-Heiligkreuz und dem Wolfsberg steht so mancher Keller plötzlich unter Wasser.

Damit ist klar geworden, dass Wassermassen nicht nur ein Problem für die Stadtteile an der Mosel sind. Rund 150 Interessierte aus Heiligkreuz und Mariahof haben sich wohl auch aufgrund des Unwetters vor ein paar Monaten am Workshop Hochwasser- und Starkregen-Management teilgenommen. Dabei haben Vertreter von Stadt, Stadtwerken, Berufsfeuerwehr und dem Ingenieurbüro Eepi über Hochwasser, Starkregen, Kanalisation und Eigenschutz informiert. Es ist der vierte von 14 Workshops gewesen.

Gleich mehrere Erkenntnisse nehmen die Heiligkreuzer und Mariahofer an diesem Abend mit nach Hause: Aufgrund des Klimawandels wird es mehr Starkregenereignisse als früher geben. Diese entwickeln sich so schnell, dass anders als bei einem Hochwasser wenig Vorwarnzeit bleibt, ehe der Regen kommt. Und: Das Kanalnetz in Trier und anderswo ist nicht für solch massive Regenfälle ausgelegt. Ein für alle Fälle ausreichendes Netz wäre nicht bezahlbar. Es ist beispielsweise in Heiligkreuz so ausgelegt, dass es ein Niederschlagsereignis fassen kann, dass statistisch gesehen alle zwei Jahre vorkommt. Der Juli-Regen war weitaus ergiebiger. Auf einer Skala von 1 bis 12 rangiert der Niederschlag nach Auskunft von Alexander Geber (Büro Eepi) zwischen 7 und 8. Bereichsleiter Dr. Markus Ott ergänzt im Gespräch mit dem TV, dass künftig Niederschlagsereignisse bis zur Stärke 12 möglich sind. Das bedeutet bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter.

Dann kann die Kanalisation schon längst nicht mehr die Wassermengen bewältigen. Ohne Rückstauklappen dringt dann sowohl Wasser von unten ein als auch von oben. Denn dann läuft auch am Berg das Wasser oberirdisch ab wie in den Flusstälern.

Glücklicherweise regnet es nicht jede Woche so sintflutartig, dass Bewohner ihre Häuser verlassen müssen, weil die braune Brühe im zweiten Stock steht. Die Veranstaltung für die beiden Stadtteile soll auch dafür sensibilisieren, dass jeder Bürger selbst etwas tun kann, damit bei Regen alles trocken bleibt. Sei durch die verschließbaren Klappen für den Hausanschluss, sei es durch einen verbesserten Schutz der Kellereingänge vor eindringendem Wasser.

Mit jener Klappe wird es jedoch nichts, wenn Abwasser und Regenwasser vom Dach gemeinsam in die Kanalisation geleitet werden, da bei Regen immer mehr Wasser ins hauseigene Netz drückt. Das hat Karsten Binder (Stadtwerke Trier) auf die Frage eines Bürgers aus Mariahof geantwortet. Dort gibt es so wie in Heiligkreuz viele Gebäude aus Zeiten, in denen zwischen Abwasser und Regenwasser nicht unterschieden wurde.

 Läuft der Keller nach einem Unwetter voll, hilft nur eine Elementarschadenversicherung. Aber diesen Schutz haben längst nicht alle Eigentümer.
Läuft der Keller nach einem Unwetter voll, hilft nur eine Elementarschadenversicherung. Aber diesen Schutz haben längst nicht alle Eigentümer. Foto: DPA/Peter Kneffel

Der Heiligkreuzer Franz Aubart ist trotz dieser Aussichten nach der Veranstaltung zufrieden. „Das war sehr informativ“, sagt er. Außerdem weiß er nun, dass sein Wohnhaus nicht in einem Bereich liegt, bei dem die Gefahr groß ist, dass oberflächlich ablaufendes Wasser für Schäden sorgt. Die entsprechende Karte mit den mehr und den weniger gefährdeten Flächen in den beiden Stadtteilen ist an diesem Abend zwar zu sehen. Fotografiert werden soll sie jedoch nicht. Und auch im Internet ist sie auch nicht abrufbar. Nach Auskunft der Stadtverwaltung hat das mehrere Gründe. So gibt die Gefahrenkarte zwar Auskunft über gefährdete Gebiete. Das bedeutet nach Auskunft von Stadtsprecher Michael Schmitz  nicht, dass sich alle anderen Grundstücksbesitzer in Sicherheit wiegen können. Zudem solle die Erläuterung der Karte im  Beisein eines Mitarbeiters des Bauamts erfolgen. Damit der direkt darüber informieren kann, wie man sich gegen Regenereignisse wie am 11. Juli 2019 schützen kann.

Der Workshop für die Stadtteile Olewig und Kernscheid beginnt am Dienstag, 4. Februar, 18 Uhr, Europäische Rechtsakademie, Metzer Allee 4. Unter www.trier.de/leben-in-trier/hochwasser-starkregen kann man sich anmelden.