1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Stadt Trier/Kreis Trier-Saarburg: Miese Note für Zustand von Schulen

Analyse : Unhaltbare Zustände als Dauerzustand - So miserabel ist der Zustand von Schulgebäuden in Trier und Umgebung

Einige Schulen in Stadt und Kreis sind marode. Das bedeutet jedoch nicht, dass die offensichtlichen Mängel auch zeitnah behoben werden. Manchmal dauert das zehn Jahre und mehr. Warum das so ist.

Wenn es um Schulstandorte geht, geht es offensichtlich wohl vor allem darum, diese zu erhalten. Auf Biegen und Brechen. Ein negativ leuchtendes Beispiel dafür ist die Egbert-Grundschule in Trier-Ost. Das angestammte Domizil auf nahezu halbem Weg zwischen Amphitheater und Kaiserthermen musste geräumt werden, da die Gebäude marode sind. Wohl mit ein Grund: Für den Bauunterhalt der Trierer Schulen ist traditionell kein Geld da. Deshalb wird so lange unterrichtet, bis der Schimmel nicht mehr zu leugnen ist und der Wind durch die uralten Fenster pfeift.

Diese Räumung ist nun fast acht Jahre her. Die Egbert-Grundschule gibt es weiterhin. Und zwar im benachbarten Stadtteil Kürenz in einem anderen Gebäude. An dieser Stelle könnte die Geschichte zu Ende sein. Gäbe es da nicht eine offensichtlich einflussreiche Elternschaft aus dem bürgerlichen Milleu, die mit Vehemenz auf den Neubau der Schule am alten Standort drängt. Und mit ihr vor allem die grüne Fraktion im Trierer Stadtrat - ungeachtet dessen, dass sich an diesem Standort eine moderne Schule mit einem zukunftssicheren Raumprogramm aufgrund der Platzverhältnisse überhaupt nicht realisieren lässt.

Und so sollen nun inzwischen mehr als fünf Millionen Euro investiert werden. Eine Summe, bei der man nur hoffen kann, dass die Struktur- und Dienstleistungsdirektion (SGD) genau prüft. Die hat mehr als einmal den Plänen von Kommunen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und die waren teils um Klassen sinnvoller als der Bau einer Schule, ohne die es eigentlich ganz gut klappt. Und deren Planung und Bau dazu führt, dass an anderen Stellen der Stadt Kinder rund Jugendliche das Nachsehen haben. Denn aufgrund von Förderprogrammen muss die Egbert-Grundschule zeitnah realisiert werden. Andere Vorhaben werden deshalb hintangestellt.

Es bedarf jedoch noch nicht einmal einer meinungsstarken Elternschaft, damit es Jahre dauert, bis bauliche Missstände abgestellt werden. 2019 machten Grundschulkinder aus Osburg in einer Fernsehsendung auf ihre schlechte Lernsituation aufmerksam. Man kann in diesem Zusammenhang durchaus von einer peinlichen Situation für die kommunalpolitisch Verantwortlichen sprechen, dass ihr offensichtliches Versagen bundesweit vorgeführt wurde. Denn bereits 2015 hatte sich der zuständige Verbandsgemeinderat Ruwer für einen Neubau ausgesprochen. Diskutiert, geplant und wieder umgeplant wurde viel. Gebaut wird wohl auch in naher Zukunft erst einmal nichts.

Wo wir gerade bei Missständen sind. Falls Bauarbeiten beginnen, bedeutet das nicht, dass es zügig vorangeht. Gymnasium Konz, Integrierte Gesamtschule Trier und nun wohl auch der Neubau der Trevererschule in Schweich sind Bespiele dafür. Wenn Kreis- oder Stadtverwaltung bauen lassen, wird es oft kompliziert. Es dauert lange. Und selten wird es günstig. So wurden 2016 34 Millionen Euro für die Sanierung des Schulzentrums Konz veranschlagt. Die jüngste Kostenprognose liegt bei 53,3 Millionen Euro.

In Trier sollen in den kommenden Jahren nach jüngsten Schätzungen 60 Millionen Euro in Schulen investiert werden. Denn nicht nur die Beseitigung jahrelanger Missstände verschlingt eine hohe Summe. Auch der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung ist nun beschlossene Sache und rückt immer näher. Und dessen Umsetzung kostet viel Geld.

Es wirkt nicht so, als ob sich alle Kommunalpolitiker in Stadt und Landkreis konkret darüber im Klaren sind, was das für die Grundschulen in Stadt und Landkreis bedeutet. Vermutlich wird deshalb teils wider besseren Wissens an allen aktuellen Schulstandorten gekleckert. Denn – und damit sind wir wieder am Anfang der Geschichte – wenn es um Schulstandorte geht, geht es vor allem darum, diese zu erhalten. Auf Biegen und Brechen. Auch wenn es möglich wäre, zwei Kleinschulen an einem Ort, vernünftig ausgestattet, zusammenzufassen.

Es gibt zwar auch Schulentwicklungspläne. Diese sollen so etwas sein wie ein Fahrplan für die Bildung der Zukunft. Der Trierer Plan stammt aus dem Jahr 2013, der Entwicklungsplan des Landkreises datiert aus dem Jahr 2009 (!). Seitdem ist der Bedarf nach Ganztagesplätzen gestiegen, haben sich die Anforderungen an Schule gewandelt und wurde mit der Digitalisierung der Standorte begonnen. Eine Fortschreibung des städtischen Plans oder dem des Landkreises gibt es bislang nicht. Und somit gilt weiter beispielsweise die Maßgabe nur auf dem Papier, angesichts der städtischen Haushaltslage „eine Konzentration und damit Optimierung von Schulstandorten zu erreichen.“ Doch wie die Egbert-Schule zeigt, geht’s auch ohne Optimierung und Konzentration. Im Landkreis ist es mit Optimierung und Konzentration oft ebenfalls nicht besonders weit her.

Doch halt! Es gibt auch Initiativen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Seit Jahren sollen die Grundschulen Reichertsberg und Pallien im Trierer Westen zusammengelegt werden. Das wurde 2015 so beschlossen. Es gibt auch schon ein Gebäude, das genutzt werden soll. Das temporäre Schulgebäude namens MobiSkul wird jedoch gerade bei der IGS auf dem Wolfsberg gebraucht. Ab 2019 sollte die MobiSkul dann im Trierer Westen den Schülern und Lehrern zu Verfügung stehen. Mitte 2025 wird nun als frühester Starttermin für die neue Grundschule Trier-West genannt. Der Protest angesichts dieses Trauerspiels ist relativ verhalten. Was möglicherweise auch daran liegt, dass die Schule dort nicht auf eine solch eloquente und meinungsstarke Bürgerschaft bauen kann wie im Trierer Osten.

Diese Beispiele zeigen, dass bei den Schulen Geduld und Langmut gefragt sind. Auch dann, wenn die baulichen Zustände der Gebäude miserabel sind. Man kann das Agieren der für die Schulen Verantwortlichen in Kreis und Stadt jedoch auch mit der Schulnote mangelhaft bewerten: Wenig funktioniert, es gibt gravierende Mängel. Grundsätzlich besteht zumindest die Hoffnung, dass es künftig besser funktioniert. h.jansen@volksfreund.de