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Stadt Trier plant neue Trasse zur Autobahn

Stadt Trier plant neue Trasse zur Autobahn

Totgesagte leben länger: Die Stadtverwaltung lässt die vor Jahren verworfene Planung einer groß angelegten Umgehungsstraße für die untere Avelsbacher Straße wieder aufleben. Die Tangente soll über den Grüneberg und eine neue Brücke über die Bahngleise ins Gewerbegebiet Nord führen. Vor Ruwer soll eine neue Auffahrt auf die Autobahn entstehen.

Pest oder Cholera? Aveler Tal oder an Olewig vorbei? Das ist die Wahl, vor der Zehntausende Autofahrer täglich stehen. Die eine Route ist zu Stoßzeiten so verstopft wie die andere. Seit Jahren plant die Stadt, die Avelsbacher Straße zu entlasten. Anfang des Jahrtausends war sogar eine Untertunnelung des Wohnquartiers als Option im Spiel - wurde aber als zu teuer ad acta gelegt.

Das städtische Mobilitätskonzept (Moko) 2030, in dem die geplanten Trierer Verkehrsprojekte für mindestens die nächsten 15 Jahre festgeschrieben sind, sieht stattdessen eine kleinere Lösung vor: Unterhalb des Grünebergs soll parallel zur Bergabspur der Avelsbacher Straße hinter der dortigen Häuserzeile eine Mini-Umgehungsstraße gebaut werden (siehe Grafik). Ein weiteres dringendes Projekt im Moko: der Moselbahndurchbruch. Die geplante Trasse zwischen Kürenzer Straße und Avelsbacher Straße/Wasserweg soll den innerstädtischen Verkehr schneller Richtung Metternichstraße und Autobahn bringen und so Schönborn- und Schöndorferstraße entlasten.
Sowohl bei der Umgehung Kürenz als auch beim Moselbahndurchbruch sieht Triers Verkehrsdezernent Andreas Ludwig, seit Mai im Amt, allerdings Probleme: Die kleine Umgehungsstraße hinter der Kürenzer Häuserzeile würde zwar die direkten Anwohner vom Verkehrslärm entlastet - die Zahl der Autos auf der Strecke, und damit die Staugefahr, bliebe aber gleich. "Und durch den Moselbahndurchbruch würden wir nur noch mehr Autos auf die ohnehin schon völlig überlastete Kreuzung Avelsbacher Straße/Metternichstraße/Kürenzer Straße leiten", sagt Ludwig.
Dass das Moko diese Probleme nicht berücksichtige, sei allerdings kein Planungsfehler. "Ein so großes, umfassendes Verkehrskonzept wie das Moko dient der groben Planung, geht es an die konkrete Umsetzung geht, müssen Details eben noch mal grundlegend neu betrachtet werden - und dabei ist uns aufgefallen, dass die bisher vorgesehene Planung nicht optimal ist."

Mit der Detailplanung der Verkehrsführung im nördlichen Trier hatte die Stadt Anfang des Jahres - noch unter Ex-Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani also - das Fachbüro R+T beauftragt, das auch schon das Moko erstellt hat. Bei einer Sitzung Ende September hat R+T sein Zwischenergebnis einer Arbeitsgruppe vorgestellt, zu der auch die Vertreter der Parteien im Stadtrat eingeladen waren. "Bei genauer Betrachtung der Trassenführung und der aktualisierten Verkehrszahlen wurde schnell deutlich, dass wir umdenken sollten", sagt Ludwig.
Noch gibt es keine konkrete Festlegung, aber was Ludwig derzeit mit den politischen Gremien, Verkehrsbehörden und Anliegern - darunter auch die Abfallentsorger ART, die ihren Standort bis 2019 von der Trier-Süd an die Metternichstraße verlegen will - bespricht, sieht so aus:

Tangente Grüneberg: Für Fahrer, die im Aveler Tal bergab unterwegs sind und in Richtung Gewerbegebiet Nord, Ruwer oder Autobahn wollen, wird ab der Straße Am Grüneberg eine neue Trasse Richtung Metternichstraße ausgebaut (siehe Grafik). Um die Bahnlinie zu queren, wird eine neue Brücke errichtet, etwa auf Höhe der Dasbachstraße. Die noch bestehenden Pfeiler der 2010 abgerissenen Zementbrücke weiter östlich zu nutzen, ist laut Ludwig nicht möglich. "Erstens sind die Pfeiler marode, zweitens ist die Bahnanlage dort breiter, so dass wir eine längere - und damit teurere - Brücke bauen müssten." Hinter dem Brückenschlag auf Höhe der Dasbachstraße können die Autos über Dasbach-, Metternich- und Ohmstraße stadtauswärts fahren. Kurz vor der Ruwerer Bahnbrücke soll eine neue Auffahrt auf die Autobahn entstehen.

Bahnhaltepunkt Nord: Im Zuge des Trassenbaus sollen an den Bahngleisen unterhalb der neuen Brücke der - schon lange geplante - Haltepunkt Nord für die Regionalbahn entstehen. Erste Gespräche mit dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr sind bereits geführt. "Wir setzen für diese Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs mit einer guten Zuschussquote", sagt Ludwig.

Kleine Umgehung Kürenz: Die im Moko vorgesehene Trasse hinter der Häuserzeile an der Bergabspur der Avelsbacher Straße wird nicht gebaut. "Die Grüneberg-Tangente wird den unteren Straßenabschnitt so entlasten, dass diese Umgehung nicht mehr nötig sein wird", sagt Ludwig.

Moselbahndurchbruch: Erst, wenn die Grüneberg-Tangente samt Brücke und Autobahnauffahrt fertig ist, soll der bislang auf der Prioritätenliste ganz vorne stehende Moselbahndurchbruch gebaut werden. "Der dann - wenn die Kreuzung Metternichstraße/Avelsbacher Straße entlastet ist - auch erst Sinn macht", sagt Ludwig.

Wasserwegdurchbruch: Noch weiter nach hinten auf der Prioritätenliste rutscht die geplante Verbindung zwischen Wasserweg und der Straße Am Stadion (siehe Grafik). Über den Wasserwegdurchbruch soll der Verkehr schneller Richtung Moseluferstraße abgeleitet werden - und so Paulinstraße, Reichsabtei und Zeughausstraße entlasten.

Bauzeiten: Ende 2016 soll das Verkehrskonzept für Trier-Nord abgeschlossen - also geplant und mit den politischen Gremien und der Öffentlichkeit abgestimmt sein. Läuft alles ganz glatt, könnte 2017 mit dem Bau der Grüneberg-Tangente begonnen werden. Ludwig schwebt dabei vor, zuerst die Autobahnauffahrt zu errichten, dann die Brücke, dann den Ausbau am Grüneberg entlang. Das Mega-Projekt in mehreren Bauabschnitten wird sich über mehrere Jahre ziehen.

Finanzierung: Nicht nur wegen der Synergieeffekte für die Regionalbahn hofft Ludwig auf eine hohe Zuschussquote. Auch, dass die Grüneberg-Tangente eine Hauptroute zur Autobahn sein wird, erhöht die Chancen auf eine gute öffentliche Förderung. Beziffert werden können die Kosten allerdings noch nicht - werden aber sicherlich in einem mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen.

Neu ist der Idee, den Verkehr aus dem Aveler Tal über den Grüneberg gen Autobahn zu leiten, nicht: Schon Peter Dietze, Triers Baudezernent von 1991 bis 2007, hatte die Trasse über Grüneberg und Bahngleise bis hin zur neuen Autobahnauffahrt bei Ruwer Anfang des neuen Jahrtausends einst in der Planung. Damals angekündigter Termin für die Fertigstellung: pünktlich zur Eröffnung der Landesgartenschau 2004. Auch aus finanziellen Gründen wurde daraus nichts.