1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Stadt Trier saniert für mehr als 1,2 Millionen Euro marode Sporthallen

Betroffene verärgert : Trierer Sporthallen: Undichte Dächer, müdes Material und viel Wasser

Zahlreiche Sportler in Trier müssen nicht nur durch Corona Einschränkungen hinnehmen. Für mehr als 1,2 Millionen Euro saniert die Stadt derzeit marode Hallen. Und das sind längst nicht alle Reparaturen und Kosten, die anstehen. Betroffene ärgern sich.

Das Wasser tropft durchs undichte Dach in die Halle, es läuft durch gerissene Fugen in den Fußboden oder dringt über eine defekte Abdichtung von unten ins Gebäude: Zahlreiche Hallen in Trier sind marode, viele Schüler und Sportler können nur eingeschränkt oder gar nicht trainieren. Und das liegt nicht an den Corona-Einschränkungen, sondern daran, dass Hallen teilweise oder ganz gesperrt sind.

Nach unserem Bericht über das defekte Dach der Halle der Bezirkssportanlage in Heiligkreuz (TV vom 6. März) haben uns Hinweise auf Mängel an anderen Hallen im Stadtgebiet erreicht. Wir haben bei der Stadt nachgefragt. Und tatsächlich: Trier steckt derzeit mehr als 1,2 Millionen Euro in die Sanierung von Sporthallen. Darin sind noch nicht alle Kosten und nicht alle aktuell anstehenden Reparaturen eingerechnet.

Viele der Hallen seien in die Jahre gekommen und müssten eben jetzt saniert werden, sagt Johannes Wallrich vom Amt für Gebäudewirtschaft in Trier, der einige der Projekte betreut. „Ich mache das jetzt lieber richtig und nehme mehr Geld in die Hand, bevor ich in zehn Jahren wieder hier stehe und dieselben Probleme habe.“ Hier heißt in diesem Fall auf dem Dach der Gymnastikhalle der Moseltal-Realschule plus in Trier-Ehrang, die derzeit saniert wird – und wohl eines der teuersten Projekte wird.

Ein Leser hatte dem TV mitgeteilt, dass das Dach dieser Halle ebenfalls undicht sei. Sein Vorwurf: „Die Stadt wartet immer, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, und reagiert dann erst.“ Der Zustand der Halle sei der Stadtverwaltung schon monatelang bekannt, die Reparatur immer wieder verschoben worden. Dadurch vergrößere sich vermutlich wie in Heiligkreuz durch monatelanges Eindringen von Wasser das Schadensvolumen und damit auch die Kosten für die Sanierung, befürchtet der Leser.

Die Schadensmeldung Eine Nachfrage bei der Stadt ergibt: Der Schaden war ihr seit dem 10. September 2018 bekannt. „Damals ging man noch davon aus, dass nach einer Schadensanalyse lediglich die Reparatur der undichten Abdichtung zu veranlassen sei“, teilt Pressesprecher Björn Gutheil mit.

Die Reparaturversuche Sämtliche Ortungsversuche der undichten Stellen, die sich von November 2018 bis März 2019 hinzogen, hätten jedoch kein Ergebnis gebracht. Die Ortung sei sehr schwierig gewesen, weil die komplette Dachfläche, die an die Lokale Agenda 21 Trier verpachtet sei, mit Solarmodulen bedeckt sei. Diese hätten stückweise zurückgebaut werden müssen. Aber auch das habe kein Ergebnis gebracht. Das Wasser suche sich seinen Weg. Und da, wo es austrete, sei meist nicht die verursachende Schadensstelle.

Das sieht auch der Leser so, der sich an den TV gewandt hatte: „Wenn Wasser durch tropft, ist der Schaden schon viel länger da.“ Er sagt, die Stadt habe in den vergangenen Jahrzehnten viel zu wenig in die Instandhaltung von Hallen und Schulgebäuden investiert.

Die Entscheidung Weil die Ursache nicht zu finden war, blieb laut Gutheil nur eine Lösung: die komplette Dachfläche von den Solarzellen räumen zu lassen und das Dach zu erneuern. Im April 2019 fiel die Entscheidung: Der komplette Dachaufbau wird abgerissen und neu aufgebaut. Das Dach sei etwa 43 Jahre alt und die Lebenserwartung weit überschritten. Vermutlich wäre es sinnvoll gewesen, das Dach bereits vor zehn Jahren neu zu machen, als die Solarzellen montiert wurden, sagt Johannes Wallrich vom Amt für Gebäudewirtschaft.

Die Arbeiten Bis mit der Sanierung begonnen wurde, sollte es allerdings ein weiteres Jahr dauern. Eigentlich sollte die Reparatur im Sommer 2019 erledigt werden, erklärt Wallrich. Das habe aus zeitlichen Gründen nicht geklappt. Derzeit werde wegen Corona vieles vorgezogen, da ohnehin in den Hallen nicht viel stattfinden dürfe. Auch an der Ehranger Halle haben die Bauarbeiten am Dach im April begonnen. Sie sollen laut Stadt bis Ende Juli abgeschlossen sein. Dann müssten die Solarzellen wieder drauf und die Folgeschäden im Gebäude behoben werden: Durch das hereintropfende Wasser seien Wände, Decken und Böden durchfeuchtet worden. Die gesamte Sanierung werde voraussichtlich bis Ende 2020 dauern.

Die Kosten Ursprünglich sollte die Sanierung 550 000 Euro brutto kosten. Die Bauarbeiter fanden bei den Arbeiten allerdings alte Gasbetonplatten, die überprüft werden mussten. Das Ergebnis: Die Gasbetonplatten werden ausgebaut und eine neue Tragkonstruktion der Decke eingebracht. Wie teuer die Sanierung nun endgültig wird, kann die Stadt noch nicht sagen.

Die Schließung Bis Mai konnten die rund 360 Schüler der Moseltal-Realschule plus, die wöchentlich in der Halle trainieren, 80 Prozent der Fläche weiterhin nutzen. Zunächst hieß es, das sei trotz der Arbeiten weiterhin möglich.

Zwischenzeitlich habe die Gymnastikhalle allerdings komplett geschlossen werden müssen, hat Gutheil Ende Mai mitgeteilt. Anders hätte die Deckenkonstruktion nicht statisch untersucht werden können. Die Halle bliebe bis zum Abschluss der Prüfungen und der Folgearbeiten gesperrt. Vorbehaltlich weiterer Untersuchungen gehe die städtische Gebäudewirtschaft davon aus, dass die Halle Anfang 2021 wieder vollständig genutzt werden könne.

Die Schüler bekommen laut Stadt nun verstärkt theoretischen Sportunterricht. Zudem stocke die Schule die Hauptfächer auf. Die fünften und sechsten Klassen nutzten bei schönem Wetter die Pausenhalle für den Sportunterricht, die Klassen sieben bis zehn das Basketballfeld.

Die Reaktion Der Leser, der sich an den TV gewandt hatte, ist verärgert über die neue Entwicklung. Das bedeute weitere Einschränkungen für den Schulsport, und die Kosten für die Sanierung gingen in die Höhe. „Auch als Steuer- und Gebührenzahler ist nicht nachzuvollziehen, dass man einen solchen Schaden nicht direkt bei Auftreten repariert. Es müssen immer Jahre verstreichen, bis etwas unternommen wird!“