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Stadt Trier setzt bei Integration von Flüchtlingen Akzente

Flüchtlingspolitik : Lernen in der Ex-Jägerkaserne – Die Stadt Trier setzt bei der Integration von Flüchtlingen neue Akzente

Weil die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge weiter sinkt, gibt die Stadt Trier zahlreiche Gebäude und Wohnungen zurück. Im überarbeiteten Betreuungskonzept spielt die ehemalige Jägerkaserne eine entscheidende Rolle.

Spätestens seit der Auflösung der Aufnahmeeinrichtung in der Luxemburger Straße ist es klar: Die Zahl der neu ankommenden Asylbegehrenden ist auch in Trier deutlich geringer geworden. Vor zwei Jahren waren es in jeder Woche zehn bis 15 Menschen, für deren Unterkunft und Betreuung die Stadtverwaltung sorgen musste. Seit einigen Wochen geht deren Zahl gegen null. Dafür kommen immer mehr Flüchtlinge in die Stadt, die in Deutschland ein Bleiberecht genießen.

Doch mit der Anerkennung des Asylantrags ist das Thema Integration nicht erledigt. Das wissen die Verantwortlichen der Stadtverwaltung ebenso wie die Mitglieder des Stadtrates, der mit nur einer Enthaltung einer Fortschreibung des Konzepts für die soziale Betreuung von Asylbegehrenden und Flüchtlingen zugestimmt hat. Wir blicken auf die wichtigsten Details.

SCHWERPUNKTE „Die individuell soziale Betreuung Asylbegehrender sowie bereits anerkannter Flüchtlinge ist Grundvoraussetzung zum Gelingen der gesellschaftlichen Integration.“ Das ist eine der Grundaussagen in dem Konzept, das – unter Federführung der neuen Sozialdezernentin Elvira Garbes – zum fünften Mal fortgeschrieben wird. Es beschreibt auch die Stadtteile, in denen derzeit die Betreuungsintensität derzeit besonders intensiv ist: Biewer, Pfalzel, Ehrang und Quint sowie Trier-Ruwer.

In der ehemaligen Jägerkaserne, die als einziges zentrales Betreuungsangebot eine besondere Bedeutung hat, wohnen derzeit 60 Menschen. Das Gebäude wird darüber hinaus als kurzfristige Unterkunft für neu Zugewiesene und bei Familienzusammenführungen genutzt.

Besonders intensive Betreuung benötigen laut Konzeptpapier die Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die Gruppe der traumatisierten Flüchtlinge, deren Anteil je nach Herkunftsregion von Fachverbänden aus 30 bis 50 Prozent geschätzt wird sowie Frauen. Eine Herausforderung auch für die betreuenden Menschen sind Spannungen, die durch das Asylpaket im Herbst 2015 zwischen Asylbegehrenden mit guten Bleibeperspektiven und Geflüchteten ohne oder mit nur geringen Bleibeperspektiven entstehen. Denn die Leistungen für beide Gruppen unterscheiden sich deutlich.

EHRENAMT Das Ehrenamt nimmt beim Thema soziale Betreuung von Flüchtlingen einen sehr großen Stellenwert ein. „Noch nie gab es in der Stadt Trier ein Thema, an dem Verwaltung, Institutionen, politische Vertreter sowie engagierte Bürger so zahlreich und eng verzahnt zusammengearbeitet haben“, heißt es dazu in dem Bericht. Das Interesse am Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit ist nach wie vor hoch und nach Meinung der Fachleute wichtig. Denn die seit 2015 gemachten Erfahrungen zeigten, dass die Integration der Flüchtlinge ein langfristiger Prozess sei. „Wichtiger Bestandteil dabei ist die mittel- und langfristige ehrenamtliche Begleitung von Geflüchteten, unterstützt von hauptamtlichen Strukturen.“ Die bis Ende 2018 befristeten 1,5 Stellen im Bereich des Ehrenamtes werden bis Mitte 2019 fortgeführt. Weitere Schulungen für die soziale Betreuung von Flüchtlingen sind vorgesehen.

IMMOBILIEN Unter großem Zeitdruck hat die Stadt vor drei Jahren Unterkunftsmöglichkeiten für Flüchtlinge gesucht. Nun werden viele davon wieder aufgegeben und anders genutzt: Der in Trier-Eh­rang vorgesehene Wohnstandort Unter Gerst wurde geschlossen. Er wird in Zukunft als Kindergarten genutzt. Der ursprünglich als Wohnheim geplante Block II der Jägerkaserne wird übergangsweise als Ausweichstandort für die Kinderbetreuung verwandelt. Die Gemeinschaftsunterkunft in der ehemaligen Geschwister-Scholl-Schule in Trier-Nord ist geschlossen worden. Über die zukünftige Verwendung des Areals, möglicherweise für den Wohnungsbau, wird diskutiert (der TV berichtete). Die Alte Villa in Trier-Süd – hier wohnten bis zu 60 Asylbegehrende – wurde von der Stadt ebenso gekündigt wie etwa 120 Gewährleistungswohnungen im gesamten Stadtgebiet. Und auch die Häuser im Burgunderviertel sollen nach und nach zum regulären Wohnungsangebot umgewandelt werden.

Nur noch 155 Gewährleistungswohnungen befinden sich in Verantwortung der Stadt. Tendenz sinkend.

PERSONAL 30 Personalstellen sind bei der Stadtverwaltung und bei den Partnern der freien Verbände (zum Beispiel Caritas) in den vergangenen Monaten abgebaut worden. Damit die Integration der Neubürger nicht stockt, werden allerdings befristete Stellen für die soziale Betreuung asylbegehrender Menschen sowie Flüchtlinge bis zum 30. Juni 2019 verlängert. Konkret sind das vier Sozial­arbeiterstellen und drei Sozialhelfer beziehungsweise Sprachmittlerstellen in Trägerschaft des Caritasverbandes und des Diakonischen Werkes.

Die Jägerkaserne wird vorläufig zum Schwerpunktstandort für die Betreuung von Menschen, die nicht oder noch nicht mit eigenem Wohnraum versorgt werden können. Sie ist auch Schulungsstandort. Dazu sind zehn Planstellen erforderlich, die zunächst bis Mitte 2019 befristet sind.

Die Aufgaben dieser Angestellten beinhaltet auch die Betreuung der noch bestehenden Gewährleistungswohnungen sowie die Organisation von Umzügen, Renovierungen nach Auszügen und kleinere Reparaturarbeiten.

KOSTEN Die Kosten für die Verlängerung der Zeitverträge betragen in diesem Jahr 285 000 Euro.

Für das kommende Jahr entstehen nach Angaben der Stadt Personalkosten in Höhe von 477 000 Euro.