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Stadt Trier stellt ab Dezember ehemalige Geschwister-Scholl-Schule für Asylbewerber zur Verfügung

Stadt Trier stellt ab Dezember ehemalige Geschwister-Scholl-Schule für Asylbewerber zur Verfügung

Die Stadt Trier wird Asylbewerber in den Klassenräumen und dem Verwaltungstrakt der Geschwister-Scholl-Schule in Trier-Nord unterbringen. Die ehemalige Hauptschule wurde 2009 wegen Schülermangels geschlossen.

Trier. Seit August nimmt Trier Asylbewerber bis zur Klärung ihres Verfahrens dauerhaft im Stadtgebiet auf. Das geschieht auf mehreren Ebenen: Die Stadt hat mehr als 50 Privatwohnungen angemietet, in denen sie die Menschen unterbringt. Mitte Oktober haben erste Belegungen im Burgunderviertel in Kürenz begonnen, ab Anfang November wird die Jägerkaserne in Trier-West zur Unterkunft (der TV berichtete). Ab Dezember will die Stadt auch die Räume der ehemaligen Geschwister-Scholl-Schule im Maarviertel in Trier-Nord für Asylbewerber nutzen, die nach ihrer Erstaufnahme in einer der beiden Einrichtungen in Trier-Nord und Euren von der Stadt dauerhaft untergebracht werden.

"Wegen der stetig steigenden Zahl aufzunehmender Flüchtlinge in der Stadt Trier sucht das Amt für Soziales und Wohnen intensiv nach weiterem Wohnraum", sagt Ralf Frühauf vom Presseamt der Stadt Trier. "Die Asylbegehrenden werden nicht in der Turnhalle untergebracht, die weiterhin für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung steht."
Ein notwendiger Hinweis, denn Mitte Juli sah die Lage noch anders aus. Der Stadtvorstand hatte entschieden, dem Hilferuf der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) zu folgen und die bislang für Schul- und Vereinssport genutzte Turnhalle der Geschwister-Scholl-Schule kurzfristig als Übernachtungsquartier für bis zu 70 Flüchtlinge bereitzustellen.

Die Feldbetten standen schon. Doch bereits einen Tag später widerrief die Landesbehörde diese Entscheidung, weil zwei Großraumzelte auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Bitburg bezugsfertig waren und die Sporthalle deshalb nicht mehr als Notunterkunft benötigt wurde.
Die Stadt will die leerstehenden Klassenräume und den Verwaltungstrakt ab Dezember für die Flüchtlinge nutzen. "Größere bauliche Veränderungen sind nicht notwendig", sagt Ralf Frühauf.
Die ehemalige Schule soll keine Dauerlösung werden. "Das Gebäude wird nur dann als Unterkunft eingesetzt, wenn die Flüchtlinge nicht sofort in Wohnungen vermittelt werden können und keine anderen Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen."

Bürgermeisterin Angelika Birk will in den Räumen der Schule in der St. Mergener Straße am Mittwoch, 4. November, von 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr über den aktuellen Stand der Flüchtlingsarbeit sowie die Betreuung der Asylbegehrenden informieren und Fragen beantworten.
Die Geschwister-Scholl-Schule musste am Ende des Schuljahres 2009 schließen - nach fast einem halben Jahrhundert Schulgeschichte. Im Jahr 2000 hatten noch 230 Kinder die Schule besucht, einen Monat vor der Schließung waren es noch 63.

Die damalige Ampelkoalition aus SPD, FDP und den Grünen im Stadtrat präsentierte ein Jahr nach dieser Schließung den Plan, die Realschule plus im Pestalozzi-Gebäude solle in die Geschwister-Scholl-Schule umziehen. Damit löste die Ampel einen Sturm der Entrüstung aus (siehe Extra).Extra

Als Standort einer Realschule plus tauchte das Gebäude der Geschwister-Scholl-Schule in vielen Plänen auf. Nach der Kommunalwahl 2009 hatte kurzzeitig ein rot-gelb-grünes Bündnis die Mehrheit im Stadtrat, das den ersten Antrag stellte. Es gab dann tatsächlich einen Stadtratsbeschluss, Triers erste Realschule plus mit dem Namen Nelson Mandela von Trier-Süd ins Scholl-Gebäude umziehen zu lassen. Doch dessen Sanierung hätte laut einer Analyse des Baudezernats im Jahr 2013 mehr als 14 Millionen Euro gekostet. Deshalb hatte dieses Modell keine Zukunft. jp