Stadt Trier verbessert Schutzkonzept für Hochwasser und Starkregen

Kostenpflichtiger Inhalt: Katastrophenschutz : Stadt Trier rüstet sich gegen Hochwasser und Starkregen – „Bei Extrem-Ereignissen geht es aber nur noch um Schadensbegrenzung“

Hochwasser und Starkregen – zuletzt am 8. Juli – verursachen immer wieder große Schäden in Trier. Mit einem umfassenden Schutzkonzept will die Stadt Trier besser auf den Ernstfall vorbereitet sein. Doch im Extremfall geht es nur noch darum, den Schaden zu begrenzen.

Jener Abend im Juli, an dem in einigen Stadtteilen von Trier die Welt unterzugehen schien, ist noch frisch im Gedächtnis. 56 Liter Regen pro Quadratmeter wurden auf dem Petrisberg innerhalb von 15 Minuten gemessen. Der Hagel verstopfte die Gullys zur Kanalisation und zerhackte nicht nur in den Weinbergen die Pflanzen. Schlammlawinen auf den Straßen und meterhohe dreckige Brühe in den Kellern verursachten enormen Schaden.

„Wenn so viel Regen fällt oder die Mosel über 11,80 Meter steigt, hilft nichts mehr“, sagt Feuerwehrdezernent Thomas Schmitt. „Dann kann es nur noch darum gehen, die Schäden so gering wie möglich zu halten.“ Gemeinsam mit Baudezernent Andreas Ludwig und den Katastrophenschutzexperten der Berufsfeuerwehr und anderer Ämter der Stadt hat er am Montag das aktualisierte Schutzkonzept der Stadt gegen Hochwasser und Starkregen der Öffentlichkeit vorgestellt. 14,5 Millionen Euro sind demnach in den vergangenen zehn Jahren in Schutzmaßnahmen wie den Moseldeich am Zurlaubener Ufer, die neue Flutmulde im Bereich vor dem Nordbad sowie die Renaturierung von Bächen und die Optimierung der Regenrückhaltebecken geflossen. Noch viel sei zu tun für einen wirklich guten Hochwasserschutz, steckt Baudezernent Ludwig das Ziel neu.

Szenario Jahrhunderthochwasser Trier

Hochwasser Zu den anstehenden Investition gehören neben dem zweiten Bauabschnitt für den Moseldamm unter anderem zusätzliche Hochwasserschutzelemente und eine Sandsackbefüllmaschine für die Feuerwehr. Damit kann zum Beispiel der höchste Pegel vor einer Überflutung der Innenstadt von der Dammkrone in Zurlauben noch einmal um 50 Zentimeter erhöht werden. „Danach hilft nichts mehr, weil das Wasser von unten hoch drücken würde, aber selbst dann bringt der höhere Wall eine Zeitgewinn.“ Zum Beispiel für die dann notwendige Evakuierung der Krankenhäuser, eines der schwierigsten Szenarien in dem komplexen Warn- und Evakuierungsplan der Feuerwehr Trier.

Starkregen Noch häufiger als Hochwasser- sind Katastropheneinsätze bei Starkregen. Mario Marx, Abteilungsleiter „Einsatz und Organisation“ bei der Berufsfeuerwehr Trier, beschreibt die dramatische Entwicklung: „Unwetter gab es schon immer, aber nicht in dieser Heftigkeit wie zuletzt.“ Neue Hochwasser- und Starkregenkarten wurden erarbeitet, um die Bevölkerung darüber zu informieren, welche Gefahren in der Straße drohen, in der sie wohnen.

Auch für Trier-Nord und das Maarviertel sind die Szenarien dort beschrieben. Die Aussage von Jörg Hähner, Stabsstellenleiter bei den Stadtwerken Trier, stimmt die Hausbesitzer aber wenig hoffnungsvoll: „Starkregenereignisse wie am 11. Juli kann keine Kanalisation bewältigen.“ Grundsätzlich sei das SWT-Kanalnetz ausreichend groß ausgelegt und gut gepflegt. Das Problem: Das Wasser schießt bei extrem starken Niederschlägen einfach über die Gullys hinweg und gelangt gar nicht erst in die großen Kanalrohre. Feuerwehrdezernent Thomas Schmitt warnt vor einem Trugschluss: „Ab einer gewissen Wassermenge wäre es leichtfertig zu sagen, bauliche Maßnahmen oder Retentionsflächen würden helfen.“

Bevölkerung Doch natürlich seien in vielen Bereichen noch Verbesserungen zum Schutz vor Hochwasser und Starkregen möglich, betonen die Verantwortlichen des Konzepts. „Dazu brauchen wir den Dialog mit den Menschen“, sagt Andreas Ludwig. In zehn Bürgerversammlungen und Workshops sollen ab dem Herbst die sehr unterschiedlichen örtlichen Situationen in den Stadtteilen mit ihren 85 Warn- und 542 Evakuierungsbereichen analysiert und in die Aktionspläne der Rettungskräfte eingearbeitet werden.

Jeder Hausbesitzer will sein Eigentum vor Schaden bewahren. Die Grafik der Stadtverwaltung Trier zeigt, was zu tun ist. Foto: Stadtverwaltung Trier/Amt für Presse und Kommunikation

Die Stadtverwaltung startet zudem die Kampagne Wasserwächter, mit einer eigenen Hompage (siehe Info), Infobroschüren und Sonderveröffentlichungen. Ludwig: „Wir müssen den Leuten die Gefahren bewusst machen. Dabei geht es aber nicht darum, die Illusion zu verbreiten, dass vor extremen Wetterlagen sicher geschützt werden kann.“

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