Stadt und Land stellen Weichen für Westtrasse

Stadt und Land stellen Weichen für Westtrasse

Es geht voran mit der Westtrasse: Der Entwurf einer Machbarkeitsstudie der Personenbahn durch den Trierer Westen nach Luxemburg liegt seit einigen Tagen vor und soll im Sommer dem Stadtrat präsentiert werden.

Trier. Die Wiederbelebung der Trierer Westtrasse basiert offenbar nicht nur auf der Absichtserklärung der Landesregierung, 19 Millionen Euro in das Verkehrsprojekt zu investieren (der TV berichtete). Die Stadtverwaltung bestätigt auf Anfrage des TV, dass die Planer bereits konkret am Werk sind. "Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Nord und das Land Rheinland-Pfalz haben eine Machbarkeitsstudie für die Reaktivierung der Westtrasse erstellen lassen", meldet Ralf Frühauf vom Trierer Presseamt. "Die Stadt Trier war in diesen Erarbeitungsprozess regelmäßig eingebunden."
Ein mit allen Beteiligten abgestimmter Entwurf dieser Studie liege seit ein paar Tagen vor und soll dem Stadtrat Mitte des Jahres vorgelegt werden. In diesem Papier werden auch die Kosten und die Potenziale der einzelnen Haltepunkte genau dargestellt, betont Frühauf.
Die rot-grüne Landesregierung hat sich entschieden, die Straßenbauprojekte West- und Nordumfahrung fallen zu lassen und stattdessen auf die Schiene zu setzen. Über fünf neue Haltepunkte Biewer, Pallien, Trier-West/Euren, Messepark und Zewen sollen wieder Passagiere auf der Bahntrasse fahren, die seit 1983 nur Güterzüge trägt.
Irritationen um Anmeldung


Das Finanzierungskonzept steht offenbar noch nicht: Laut Mitteilung des Presseamts planen das Mainzer Innenministerium und der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr ein Modell, an dem die Stadt "ganz am Rande" involviert ist. Näheres solle in den nächsten Monaten besprochen werden. "Ein erster Abstimmungstermin ist bereits vereinbart", sagt Frühauf. Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani werde die Stadt dabei vertreten.
Parallel zu diesen Abstimmungen und unabhängig von der Westtrasse mit ihren fünf Haltepunkten laufen zurzeit laut Mitteilung der Stadtverwaltung auch Planungen für den Haltepunkt Hafenstraße/Mäusheckerweg, dessen Realisierung der Stadtrat bereits im Juni 2011 gefordert hat. "Auch hier soll in den nächsten Wochen eine konkrete Abstimmung mit der Stadt stattfinden", sagt Ralf Frühauf.
Unterdessen herrscht dicke Luft zwischen dem Mainzer Innenministerium und Bernhard Kaster. Der Trierer CDU-Bundestagsabgeordnete hatte verkündet, er habe die Reaktivierung der Westtrasse für den Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2025 angemeldet.
Christoph Gehring, Sprecher des Mainzer Innenministeriums, kontert: Mit dieser Anmeldung habe Kaster das Unmögliche geschafft. "Die schwarz-gelbe Bundesregierung lehnt es derzeit ab, Nahverkehrsprojekte als solche in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen." Vielmehr akzeptiere das Haus von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nur Projekte des Fern- und Güterverkehrs. Kaster erwidert: "Ich kenne keine solche Beschränkung auf den Fern- und Güterverkehr. Ich halte die Westtrasse für unverzichtbar und mache deshalb selbstverständlich von meinem Recht der Anmeldung Gebrauch."Meinung

Trier braucht eine Umgehung
Die Westtrasse ist ein starkes und wichtiges Projekt für die Stadt und auch die Region Trier - das steht außer Frage. Eine Personenbahn zwischen Ehrang und Luxemburg ist eine enorme Erleichterung für viele Pendler. Außerdem wäre die Westtrasse eine dringend nötige Attraktivitätssteigerung für die gerade in Trier wegen katastrophal schlechter Anbindungen hart in der Kritik stehenden Bahn. Trotzdem versinkt die Trierer Talstadt täglich im Verkehr - ein gewaltiges Problem, das auch der Grundsatz "Runter von der Straße, rauf auf die Schiene" niemals lösen kann. Auch die Westtrasse wird nichts daran ändern, dass täglich Tausende Fahrer durch viel zu enge Trie rer Straßen rollen, obwohl ihre Ziele ganz woanders liegen. Dieser Durchgangsverkehr ist eines der Hauptprobleme der Römerstadt. Es ist zwar sehr gut, dass das Land 19 Millionen Euro in die Westtrasse investieren will, anstatt die Steuermittel in eine Katastrophe wie den Nürburgring zu stecken. Doch das Hauptproblem bleibt: Trier braucht eine Umgehung. Daran führt kein Weg vorbei. j.pistorius@volksfreund.de

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