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Stadt will Grillen in Parks verbieten

Stadt will Grillen in Parks verbieten

Die Stadt will den Palastgarten mit einer Satzung schützen, die offenes Feuer und auch das beliebte Grillen in Zukunft verbietet. Ob dieses Papier eine Chance auf die Mehrheit im Rat hat, ist nicht sicher. Im Baudezernatsausschuss, in dem die Satzung gestern Abend auf der Tagesordnung der nicht-öffentlichen Sitzung stand, fand das Werk nicht nur Freunde.

Trier. Für Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) ist die Sache klar. "Grillen ist eine Männerdomäne", erklärte sie ihrem Ausschuss. "Frauen sind durchaus mit einem schön gefüllten Picknickkorb zufrieden." Die Satzung, mit der die Verwaltung und die Ratsfraktionen in Zukunft den Party- und Grillmüll aus dem Palastgarten heraushalten wollen, wird für Männer und Frauen gelten - so viel ist sicher.
Wenn es nach der Baudezernentin geht, soll das Grillen in Parks und auf öffentlichen Plätzen ersatzlos gestrichen werden. "Warum sollen wir als Stadt es dulden, dass man im öffentlichen Raum grillt und unangenehme Hinterlassenschaften produziert, die wir dann für viel Geld, das wir nicht haben, entsorgen müssen?", so Kaes-Torchiani. Für die 20 000 Euro, die allein das sonntägliche Aufräumen im Palastgarten pro Jahr kostet, "könnten wir viele Spielplätze in Ordnung bringen".
Die Debatte, in deren Verlauf viel Adrenalin frei wurde, lief dank eines Antrages der SPD im öffentlichen Sitzunsgteil ab. Die Satzung selbst wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert. Das Papier - eine Reaktion auf die Müllberge im Palastgarten (der TV berichtete mehrmals) - untersagt, im öffentlichen Raum Grill- oder Kochgeräte zu nutzen und offenes Feuer zu entzünden. Wer sich nicht daran hält und erwischt wird, zahlt bis zu 5000 Euro.
Doch das Erwischen ist bereits ein Problem. "Wir können viele Verbote aufstellen, aber wer kontrolliert die Einhaltung?", fragte Thomas Albrecht (CDU). Der Vollzugsdienst des Ordnungsamts bestehe nur aus acht Mann. Auch die von Ordnungsdezernent Thomas Egger (FDP) in Aussicht gestellte Zusammenarbeit mit der Polizei werde keine regelmäßige Kontrolle des Palastgartens ermöglichen.
Dominik Heinrich (Die Grünen), Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld, argumentierte gegen das Grillverbot. "Für Studenten, die ohne Garten oder Terrasse in der Innenstadt leben, ist das Grillen ein Stück Lebensqualität." Auch Sven Teuber (SPD) wandte sich gegen ein rigoroses Verbot: "Wenn wir das Grillen im Palastgarten verbieten, müssen wir Alternativflächen anbieten, auf denen es erlaubt ist."
Der Stadtrat wird voraussichtlich am 16. Juni über die Satzung abstimmen und entscheiden, ob Grillen im öffentlichen Raum tatsächlich verboten wird.Meinung

Problem verschlafen
Zu spät. Diese beiden Worte kennzeichnen die Pläne der Verwaltung. Seit Wochen freuen sich die Menschen in der Region - mit Ausnahme der unter der Trockenheit leidenden Winzer und Landwirte - über herrliches Wetter. Seit Jahren gibt es die Partys im Palastgarten, in denen Einweg-Grills eine Rolle spielen. Und jetzt will das Rathaus eine Satzung vorlegen, in der das Grillen als Hauptmüllquelle ersatzlos verboten wird. Dieses Verbot wird, wenn es überhaupt beschlossen wird, nichts bewirken. Mehr als stichprobenartige Kontrollen werden weder Ordnungsamt noch Polizei - die sich wahrhaftig um andere Notfälle kümmern muss und außerdem vor Personalkürzungen steht - leisten können. Die Stadt hat das Problem verschlafen. Was jetzt geschieht, ist nichts als Aktionismus, befeuert durch die öffentliche Empörung angesichts der Müllberge im Palastgarten. Trier braucht ein Konzept, das den Palastgarten und die anderen grünen Flecken als Familien- und Freizeitparadiese schützt. Ein Konzept, das aber auch Raum für diejenigen hat, für die Grillen zum Sommer dazugehört. Ein Konzept, das die Angsträume beseitigt, zu denen gerade der Palastgarten nach Einbruch der Dunkelheit für viele gehört. Dieses Konzept könnte und müsste längst in Arbeit sein. j.pistorius@volksfreund.de