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Stadtarchiv gedenkt jüdischer Opfer

Stadtarchiv gedenkt jüdischer Opfer

Es war eine "Pflichtaufgabe der Stadt Trier", wie Oberbürgermeister Klaus Jensen betonte. Das Stadtarchiv legt nun nach akribischer und mühevoller Arbeit das Gedenkbuch "Trier vergisst nicht" vor, das die Namen von jüdischen Opfern aus Trier und dem Trierer Land enthält.

Trier. Mehr als 600 Juden aus Trier und dem Trierer Land wurden zwischen Oktober 1941 und Juni 1943 in den Osten deportiert. Sie starben infolge Entkräftung, Hunger, Krankheiten oder wurden vergast. Dazu kommen 40 Menschen, die den Freitod wählten oder in sogenannten Judenhäusern in Trier starben, wo sie in drangvoller Enge zusammengepfercht ihrer Deportation entgegensahen. Im Sommer 1943 war Trier nach damaligem Sprachgebrauch "judenfrei". Nur 29 Menschen überlebten die Deportationen.

Mehr als 70 Jahre seit der Reichspogromnacht 1938 hat es gedauert, bis ein Gedenkbuch in Trier erstellt wurde. Bundesweit erst Verdrängung, dann Aufarbeitung, seit den 80er Jahren vorläufige Erfassungen auch des Trierer Stadtarchivs, erklärt Oberbürgermeister Klaus Jensen vor knapp 100 Besuchern in der Stadtbibliothek. Was der Leiter des Stadtarchivs, Reiner Nolden, und die eigens dafür bereitgestellte Fachkraft Angelika Wilke in mehrjähriger Arbeit zusammengetragen haben, sei ein Dokument, das die menschlichen Schicksale über Zahlenmaterial stelle.

Menschliche Schicksale wichtiger als Zahlen



"Der Arbeitskollege, Freund, Nachbar, ein Mensch wie du und ich", erinnert Benz Botmann, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde Trier, der dem Gedenkbuch auch ein wichtiges Nachschlagewerk für Nachkommen bescheinigt, die auf der Suche nach ihren Wurzeln sind.

Namen, Geburtsdaten, Zeitpunkte der Deportationen haben Nolden und Wilke zusammengetragen. Als Quellen dienten ihnen "Judenlisten", die nach 1938 von der Polizei geführt werden mussten, sagt Nolden. Dazu kamen Deportationslisten der jüdischen Gemeinde, Kennkarten, Standesamtsregister und Meldekarten des Einwohnermeldeamtes. "Dann versiegen die Quellen", sagt Nolden, der seine weiteren Recherchen auf Gedenkbücher des Bundesarchivs, von Konzentrationslagern und Datenbanken im Internet stützt. 1700 Namen von jüdischen Mitbürgern aus Trier und Umgebung wurden insgesamt erfasst, deren Spuren sich beispielsweise durch Auswanderung verloren haben.

Musikalisch wurde die Veranstaltung vom Swing-Sextett des FWG begleitet, dem Anlass angemessen arrangiert von Bernhard und Johannes Nink.

Das Gedenkbuch "Trier vergisst nicht" mit einleitendem und begleitendem Textmaterial ist im Buchhandel für 15 Euro erhältlich.