Stadtentwicklung in Trier-Kürenz: Walzwerk, Verkehr und die Angst vor Chaos

Kostenpflichtiger Inhalt: Kommunalpolitik : Stadtentwicklung in Trier-Kürenz – Walzwerk, Verkehr und die Angst vor Chaos (Aktualisierung)

Das ehemalige Walzwerk Kürenz ist ein Grundstück mit viel Potenzial. Für den Bebauungsplan muss aber noch viel getan werden. Größtes Problem ist der Verkehr. Deshalb rückt auch ein anderes Projekt stärker in den Fokus.

Wenn alles gut läuft, werden ab dem Jahr 2021 auf dem Geländes des ehemaligen Walzwerks in Trier-Kürenz nicht nur 400 Wohnungen entstehen. Vom Investor Triwo geplant ist auch eine kombinierte Sporthalle für Skater und den Basketballnachwuchs. Zudem gehören Büros, Geschäfte und Gastronomie zum Wunschpaket für die Quartiers­entwicklung.

Dass die Sache mit der Bebauung des 4,1 Hektar großen Areals östlich der Bahngleise und westlich der Domänenstraße aber komplizierter ist als gewünscht, zeigte sich bei der Vorstellung des Projekts im Bauausschuss. Sorgen machen vor allem die wenig leistungsfähigen Straßen (Brühlstraße und Nellstraße), über die das einstige Industriegelände erschlossen werden soll (siehe Grafik). Besser gelöst wäre das über die nahen Bahngleise. „Das ist allerdings jenseits jeder zeitlichen und finanziellen Machbarkeit“, stellt Baudezernent Andreas Ludwig klar und erinnert an die komplizierte Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn.

Foto: TV/Schramm, Johannes

So bleiben die beiden Aus- und Zufahrten in das enge Kürenzer Straßennetz, ergänzt um zwei neue Wege für Fußgänger und Radfahrer. Wie über Einbahnstraßen- und andere Regelungen die Verkehrsströme geregelt werden könnten, haben Christiane Schwarz und Stefan Leist vom Stadtplanungsamt in vier Varian­ten vorgestellt. Sie werden Grundlage für die weitere Diskussion sein, an deren Ende der Bebauungsplan stehen soll. Eine wichtige Rolle wird dabei auch das nur wenige Hundert Meter entfernte Areal (BK 24) an der Schönbornstraße spielen, wo das neue Nahversorgungszentrum für Kürenz realisiert werden soll.

„Bei der Bürgerinformation dazu sind Bedenken geäußert worden, dass hier geplant wird, ohne die Entwicklungen des Walzwerks zu beachten“, berichtet Stefan Leist. Dass BK 24 zusätzlichen Verkehr im Bereich Güter-/Schönborn-/Domänenstraße produziert, steht außer Frage. Und so rückt – auch nach den Äußerungen von Thomas Albrecht (CDU), Christiane Probst (UBT), Rainer Lehnart (SPD) und Ole Seidel (Bündnis 90/Die Grünen) – dieser Bebauungsplan wieder stärker in den Fokus bei der Diskussion über die städtebauliche Entwicklung von Kürenz. Besonders das Thema Verkehr soll ab sofort mit Blick auf beide Gebiete diskutiert werden.

„Unser Verkehrsgutachter hat bereits die KFZ-Verkehrsmengen von BK 24 und Walzwerk untersucht“, sagt Stadtplanerin Christiane Schwarz. „In allen Bereichen kann Qualitätsstufe D erreicht werden.“ Konkret bedeutet das: Es wird in den Hauptverkehrszeiten eng, insgesamt aber beherrschbar. Eine wirkliche Entlastung für Kürenz, so ihr Kollege Stefan Leist, werde aber nur die langfristig geplante Umfahrung Avelsbacher Straße/Grüneberg bringen.

Ortsvorsteher Ole Seidel, noch neu im Amt, ist mit dem Vorgehen der Stadtverwaltung einverstanden. „Es freut mich, dass es mit der Planung weitergeht. Den neuen Fußwegen stimme ich ausdrücklich zu. Insgesamt müssen wir die Dinge aber größer denken und über beste Lösung für Walzwerk und BK 24 gemeinsam diskutieren.“ Das weitere Vorgehen, bei dem auch die Bevölkerung intensiv beteiligt werden soll – die erste Bürgerinformation beginnt am Donnerstag, 19. September, 19 Uhr, im Pfarrsaal St. Bonifatius, Domänenstraße 92 –, begrüße er ausdrücklich. Und noch etwas findet seine Zustimmung: Auf dem Walzwerkgelände wird die neue Sozialquote von 33 Prozent für Geschosswohnungsbau gelten.

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