Stadtentwicklung Trier: Ein Neubau für Theater und Tufa

Kultur : Stadtentwicklung Trier: Ein Neubau für Theater und Tufa

Die Sanierungspläne konkretisieren sich: In der Kunstakademie soll eine Studiobühne entstehen, der Theaterbetrieb möglichst schon 2020 an einen Interimsstandort umziehen.

Die Kunstakademie in Trier-West als zweiter Standort, ein Neubau neben der Tufa als Interimsunterkunft und die Auslagerung der technischen Werkstätten nach Kürenz: Das sollen die Eckpfeiler bei der Generalsanierung des Trierer Stadttheaters sein. Nach jahrelangem Zickzackkurs ist das Ziel für Thomas Schmitt, der im April 2017 das städtische Kulturdezernat übernommen hat, klar: „Wir wollen bei einer Sanierung im Bestand möglichst auf eine zusätzliche Etage oder riesige Anbauten verzichten und so die Kosten weiter senken.“ Bis 2015 hatte Schmitts Vorgänger Thomas Egger noch einen kompletten, riesigen Neubau ins Auge gefasst – der wohl weit mehr als 75 Millionen Euro gekostet hätte. Eine angesichts dieser Summe in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie war anschließend zu dem Ergebnis gekommen, dass die Statik des alten Gebäudes durchaus einer Generalsanierung standhalten würde. Ohne zusätzliches Geschoss oder einen großen L-förmigen Anbau an Stirn- und Längsseite sei das benötigte Raumprogramm allerdings nicht unterzubringen. Kosten für Sanierung und Aufstockung, je nach Variante: 50 bis 55 Millionen Euro.

Schmitt ließ die Machbarkeitsstudie auf weiteres Sparpotenzial abklopfen. Die wichtigsten Ergebnisse:

Auslagerung der Werkstätten: Statt Schreinerei, Schlosserei und weitere Werkstätten bei einer Generalsanierung am Hauptstandort mitunterzubringen, könnten diese ausgelagert werden. Und zwar in den neuen Energie- und Technikpark, den die Stadtwerke derzeit am Grüneberg in Trier-Kürenz bauen. „Wir könnten dort eine 1800 Quadratmeter große, komplett mit allen Maschinen eingerichtete Halle anmieten“, erklärt Dezernent Schmitt. Auch Lagerflächen, etwa für Requisiten, für  die die Stadt derzeit über ganz Trier verteilt Räumlichkeiten angemietet hat, könnten dort unterkommen. Für Bau und Einrichtung der Werkstätten am Augustinerhof hatte die Machbarkeitsstudie 4,8 Millionen Euro kalkuliert. „Diese könnten wir sparen – andererseits kostet uns die Hallenmiete am Grüneberg 84 000 Euro Miete pro Jahr – da müssen wir noch rechnen, ob sich das lohnt“, sagt Schmitt.

Auslagerung der Verwaltungsbüros: Auch Büros, die nicht direkt mit der künstlerischen Arbeit zu tun haben – zum Beispiel die Buchhaltung – müssen nicht zwangsläufig im Theater am Augustinerhof untergebracht werden. „Alle Verwaltungsbüros zusammen haben immerhin eine Fläche von rund 250 Quadratmetern. Müssen wir diese bei der Generalsanierung nicht herrichten, spart das Geld“, erklärt Schmitt. Gratis seien die anderen Lösungen – Anmietung von Büros in Nähe des Augustinerhofs oder Unterbringung in anderen städtischen Liegenschaften – natürlich ebenfalls nicht. „Wir müssen das prüfen“, sagt Schmitt.

Ein Neubau für Theater und Tufa

Kein Neubau für Studiobühne: Definitiv zu klein ist der Standort am Augustinerhof, um bei einer Sanierung eine zweite, kleinere Bühne unterzubringen. Die Machbarkeitsstudie hatte für einen Neubau an einem anderen, nicht näher bestimmten Standort knapp zehn Millionen Euro veranschlagt – ohne die Kosten für den möglicherweise nötigen Ankauf eines Grundstücks. „Nicht zu realisieren“, kommentiert Schmitt knapp und deutlich. Verzichtet werden soll auf eine zweite Bühne für kleinere oder auch experimentelle Stücke allerdings nicht: „In der Europäischen Kunstakademie in Trier-West könnte das Bildhaueratelier als zweiter Theaterstandort hergerichtet werden“, sagt Schmitt.

Schon in dieser Spielzeit haben dort eine Matinee des Opernchors und zwei Produktionen des Tanztheaters stattgefunden. „Der Raum ist definitiv tauglich, um eine Studiobühne mit etwa 150 Plätzen einzurichten“, sagt Schmitt. Da der Bildhauerraum ohnehin nur drei Monate im Jahr während der Sommerkurse von der Kunstakademie belegt sei und zu dieser Zeit stets Sommerpause im Theater ist, käme man sich auch nicht in die Quere. Die Bestuhlung müsse dafür mobil sein, nichts fest Verschraubtes und keine Tribüne. Kosten für die Herrichtung von Künstlergarderoben, Toiletten und den Umbau: 64 000 Euro. Dazu kämen für die Aufstockung der Technik noch einmal 60 000 Euro.

Wie viel genau durch diese drei grundsätzlichen Änderungen der Renovierungspläne eingespart würde, könne noch nicht beziffert werden. „Aber sollte der Stadtrat grünes Licht für diese Marschrichtung geben, untersuchen wir das umgehend konkreter“, sagt Schmitt.

Insgesamt muss die Sache zügig gehen. Grund: Die Bühnentechnik ist so marode, dass sie jederzeit ausfallen könnte. Die Technik unabhängig von einer späteren Sanierung auszutauschen, sei zwar prinzipiell möglich. „Aber das ist aufwendig, das Theater müsste während der Arbeiten für sechs bis sieben Monate schließen. Und der Aus- und Wiedereinbau der Bühnentechnik bei der späteren Generalsanierung würde zusätzliche Kosten verursachen“, erklärt Schmitt.

Der zeitlich ehrgeizige Plan: In den Theatersommerferien 2020 sollen die Werkstätten an den Grüneberg verlegt werden. Ohne Lastenaufzug – der bei der Generalsanierung fest eingeplant ist – wäre es ab dann äußerst schwierig, größere Kulissen  an- und abzuliefern. Daher soll der gesamte Theaterbetrieb möglichst bereits zur Spielzeit 20/21 in eine Interimsunterkunft ziehen.

Statt eines großen Theaterzelts, das laut Machbarkeitsstudie für den Zeitraum der Generalsanierung für zwei Millionen Euro aufgestellt werden könnte, schwebt Schmitt eine nachhaltige Lösung vor. Und zwar neben der Tufa auf dem Eckgelände Wechsel-/Gervasiusstraße. Dort ist bislang der Tufatopolis-Bauspielplatz heimisch. „Das Gelände würde ausreichen, um einen einfachen Neubau zu errichten mit Bühne, Nebenräumen und etwa 350 Plätzen“, sagt Schmitt.

Der Clou: Zieht das Stadttheater nach der Generalsanierung wieder ins Große Haus am Augustinerhof um, könnte die Tufa – die sich seit Jahren dringend einen neuen großen Saal wünscht – den Neubau weiternutzen. Mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag wäre ein solcher Neubau teurer als das angedachte Theaterzelt – könnte dafür aber dauerhaft weitergenutzt werden. „Wie gesagt: Konkret müssen wir das alles noch planen und rechnen. Aber ich bin sehr guter Dinge, dass wir auf dem richtigen Weg sind!“, sagt Schmitt.

Der Kulturausschuss berät in seiner Sitzung am Donnerstag, 3. Mai, über das Thema. Am Donnerstag, 17. Mai, entscheidet der Stadtrat.
Bereits am heutigen Freitag stellt der neue Intendant Manfred Langner  Spielplan und Team für die Saison 2018/19 vor: Kultur Seite 25

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