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Stadtführung von und für behinderte Schüler

Stadtführung von und für behinderte Schüler

Dank der Unterstützung der Europäischen Union realisiert die Levana-Schule in Schweich ein Vorzeigeprojekt: Die Förderschule mit dem Schwerpunkt ganzheitliche Entwicklung organisiert ein Treffen mit vier Partnerschulen aus Belgien, Polen und Tschechien.

Trier. Am Dienstag machten die einheimischen Schüler für ihre ebenfalls geistig beeinträchtigten Partner eine Führung durch die Trierer Innenstadt.

"Hier hat Karl Marx gewohnt!", erklärt Jasmin den Jungen und Mädchen gleich zu Beginn der Führung in der Simeonstraße. Eben noch waren die 35 Schülerinnen und Schüler in der Porta Nigra bei einer Erlebnisführung. Jetzt wollen Oberstufenschüler der Levana-Schule mit fremdsprachlicher Unterstützung der Lehrer ihre Partnerschüler aus Rudolstadt in Thüringen, der Tschechei, Polen und Belgien in mehreren Kleingruppen selbst durch die Stadt führen. Im Unterricht haben sich die 13- bis 15-Jährigen wochenlang vorbereitet und geschichtliches Wissen erworben.

Disco, Schifffahrt und ein Besuch im Weinkeller



Wie es bei Führungen eben so ist, eilen Jasmin und Nina von der Levana-Schule bei ihrer ersten eigenen Stadtführung der Gruppe voraus und steuern zielgerichtet die Sehenswürdigkeiten wie die Judengasse oder den Hauptmarkt an. Jasmin erklärt die Steipe, spricht über die Fachwerkhäuser, den Markt, die lateinische Inschrift, nach der Trier vor Rom stand - selbstbewusst und konzen triert, trotz ihrer ungewohnten Aufgabe und verschiedenen auf sie gerichteten Kameras. Die Stadtführung ist nur einer von mehreren gemeinsamen Aktionstagen, mit denen die Levana-Schule die Partnerschaft zu den anderen 70 Schülerinnen und Schülern pflegt.

Untergebracht sind die Gäste in der Jugendherberge. Disco am Abend, eine Schifffahrt und der Besuch eines Weinkellers sind weitere Programmpunkte. Außerdem der Besuch der Ausstellung "Jüdisches Leben in Schweich" in der Synagoge Schweich. Damit sollen die Themen Diskriminierung und Gewalt aufgegriffen werden. "Ob behindert oder nicht: Sie sollen erfahren, dass sie vollwertige Angehörige des europäischen Hauses sind", erklärt Schulleiter Hans-Josef Plein und berichtet von einem "Schlüsselerlebnis" im Unterricht. Ein Schüler sei zu der schlimmen Erkenntnis gekommen, dass er in der Nazi-Zeit wohl vergast worden wäre.

Mit dem Ansatz, den die Levana-Schule verfolgt, will sie ihren Schülern Bildungsinhalte erschließen und sie so aufarbeiten, dass die geistig Benachteiligten sie verstehen. Und das scheint zu klappen: Vor dem Dom erzählt Jasmin von den steinernen Kirchenmäusen und dem Heiligen Rock und fordert ihre Thüringer Partner zum Vorlesen der Sage vom Domstein auf. "Auf ihm hinunter zu rutschen, bringt Glück", ermuntert Plein. Er muss nicht zweimal bitten: Mit Gelächter krabbeln die jungen Leute auf den Domstein und rutschen hinunter. Sie sei stolz, den Gästen ihre Heimat zu erklären, freut sich Jasmin genauso wie ihr Schulleiter über das Erfolgserlebnis. Extra Das "Comenius-Projekt" wird von der EU mit 20 000 Euro für zwei Jahre gefördert. Im Rahmen des Themas "Wir bauen das Haus Europa" haben sich die beteiligten Schulen das Ziel gesetzt, das interkulturelle Bewusstsein der behinderten und benachteiligten Schüler zu stärken. Die Levana-Schule war bereits zu Besuch bei ihren Partnerschulen und besichtigte zwei ehemalige Konzentrationslager. Ein Abschlusstreffen gibt es im Mai in Belgien. Bei dem Projekt ist die ganze Schule auf verschiedenen Ebenen einbezogen, um davon zu profitieren. Die Schule hat sich um ein Nachfolgeprojekt beworben. Nach Angaben von Schulleiter Plein ist die Levana-Schule in der Region die einzige Einrichtung ihrer Art, die an dem EU-Projekt teilnimmt. (gsb)