STADTGESPRÄCH

Wer sind die ärmsten Schweine im Straßenverkehr? Die Benzinpreis- gebeutelten Kraftfahrer? Die mit Spar-Fahrplänen gepiesackten Stadtbus-Kunden? Die in Triers rudimentärem Radwege-Netz Umherstrampelnden?

Alles falsch! Es sind die Fußgänger. Die leiden unter kurzen Ampel-Grünphasen, sind für Straßenverkehrsordnungs-ignorante Automobilisten selbst auf Bürgersteigen Freiwild und werden in der Fußgängerzone von gnadenlosen Radfahrern und motorisiertem Lieferverkehr aus dem Weg gemobbt. Der Platz der Fußgänger am unteren Ende der Verdrängungs-Hierarchie scheint dauerhaft zementiert. Es kommt sogar noch schlimmer: Zunehmend erweist sich der öffentliche Straßenraum als Haupttummelplatz des mobilen Quasselstrippentums der illegalen Art. Es ist wie im Horrorfilm: Sie werden immer mehr! Und dann tun sie auch noch so unschuldig, die "Straßenverkehr mach ich doch mit links"-Einhand-Steuerer. Genau genommen sind es Einhand-Steuererinnen, denn der gepeinigte Fußgänger beobachtet vorwiegend Damen, die während der Fahrt am Handy quatschen und dabei fast alles um sich herum vergessen, vor allem aber die Mitmenschen, die sich per Pedes fortbewegen. Um so glücklicher ist der Verfasser dieser Zeilen, schon mehrfach nicht auf einem Zebrastreifen von einem jener bedauernswerten Geschöpfe, die sich offenbar keine Freisprechanlage leisten können, über den Haufen gefahren worden zu sein. Etwa von einer (sorry!) etwas betagteren Mercedes-Fahrerin, die immerhin den erstaunten Fußgänger-Blick mit einem huldvollen Lächeln erwiderte. Oder von der "Mieze" am Steuer eines Kleinwagens, der zum gesponserten Fuhrpark eines bekannten Trierer Damenhandball-Bundesligisten gehört (Ich hab' mir Dein Kennzeichen gemerkt, Baby!). Den krönenden Höhepunkt lieferten zwei Blondinen (kein Scherz!) in einem Kölner Auto in der Konstantinstraße: Die Fahrerin beim Telefonieren wild gestikulierend (also teilweise freihändig fahrend), die Beifahrerin frönte ihrem Mitteilungsbedürfnis mit eher gelangweilter Miene (falsch verbunden?). Ein besonders putziges Beispiel, wie man es nicht macht, ereignete sich am Dienstag in der Moselstraße. Fußgänger auf dem Zebrastreifen, Fahrerin nähert sich und bremst ab. Fußgänger staunt trotzdem, weil die Frau ein Handy am Ohr hat - und plötzlich den bösen "Das geht dich gar nix an, Blödmann!"-Blick aufsetzt. Darüber könnte man ja großzügig hinwegsehen. Aber: Die Dame ist Fahrlehrerin . . . Roland Morgen