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Stadtradeln als sinnliches Erlebnis

Stadtradeln als sinnliches Erlebnis

Aus einem Fachpraktikum von Studenten der Geowissenschaften im vergangenen Wintersemester ist im Januar 2007 eine Kampagne für verstärkte Fahrradbenutzung im innerstädtischen Bereich hervorgegangen. Mit ihrem Auftritt auf der Internationalen Fahrradkonferenz (Velo City) in München erregten die Macher von Radlust bundesweites Aufsehen.

Trier. "Worum es geht, ist folgendes: Wir wollen, dass die Menschen wieder Spaß am Fahrradfahren bekommen", erläutert Markus Streng. Er ist, wie die anderen 24 Personen im Radlust-Team, Geografiestudent an der Universität Trier. Begonnen hatte alles als Forschungspraktikum der Abteilung Landesplanung und Raumentwicklung des Faches angewandte Geowissenschaften unter dem Titel "Öffentlichkeitsarbeit im Verkehr". Zusammen mit Professor Heiner Monheim wurden Werbe-strategien analysiert, Systeme verglichen und bestimmte Entwicklungen in der Geschichte und Wahrnehmung des Radverkehrs zurückverfolgt.Dass auf diese Weise letzten Endes eine komplette Imagekampagne mit Internetpräsenz, Plakaten und einer professionellen 80-seitigen Broschüre entstehen würde, hätte zu Beginn des Praktikums niemand geahnt, erinnert sich Markus Streng. Umso begeisterter sind die Initiatoren der Kampagne jetzt, denn sie ernteten nicht nur auf der weltgrößten Fahrradkonferenz "Velo City" in München Standing Ovations, sondern sie sollen auch in Städten wie Frankfurt, Luxemburg und Köln Werbung für das Radeln machen. Auch zum Tag der offenen Tür des Bundestages wurden die Macher von Radlust bereits eingeladen."Ein wichtiger Baustein des Erfolges", meint Radlust-Mitstreiter Michael Öhmann, "ist, dass wir die emotionale und erlebnisorientierte Seite des Radfahrens in den Mittelpunkt dieses Projektes stellen." Diese suche man, erklärt Öhmann weiter, bisher in der Fahrradwerbung vergebens. Hier dominierten eher das Praktische und Unscheinbare, und genau das versucht Radlust nun zu ändern.Das Rad soll in diesem Sinne mehr sein als ein Fortbewegungsmittel, ein Stück Mobilität, eine Möglichkeit der Kommunikation öffnen, den eigenen Lebensraum sprichwörtlich erfahrbar machen und generationenverbindend wirken. Dennoch spielen in der Argumentation der Kampagnenmacher auch Umwelt- und Wirtschaftsaspekte eine große Rolle.80 Prozent aller Haushalte besitzen ein Fahrrad

"Erstens ist das Fahrrad ein Null-Emissions-Verkehrsmittel, zweitens besitzen über 80 Prozent der deutschen Haushalte ein Fahrrad, und drittens ist es auch so, dass gerade bei innerstädtischen Fahrten, die die Hälfte des Autoverkehrs ausmachen, gut auf das Rad umgestiegen werden könnte", gibt Markus Streng zu bedenken. Gerade die 2 Millionen Deutschen, die pro Jahr eine Radreise machen, geben im Durchschnitt mehr Geld aus als Vergleichsgruppen ohne Rad. Ein ähnliches Bild lässt sich auch bei Einzelhandelskunden finden. Der radfahrende Kunde konsumiert etwas kostspieliger als sein autofahrendes Pendant.Nach Ansicht von Markus Streng, Michael Öhmann und den anderen Radlust-Aktivisten wäre Trier dank der kurzen Wege als Fahrradstadt ideal. Allerdings gäbe es hier noch viel zu tun. Zum einen sei das Radwegenetz immer noch sehr lückenhaft, zum anderen sei die Akzeptanz seitens der Autofahrer in Trier sehr gering. So sind beidseitig für Räder befahrbare Einbahnstraßen immer wieder neuralgische Punkte, an denen es häufig zu Beinahe-Unfällen mit PKW im Gegenverkehr kommt. "Vielleicht ist es möglich, auch in Trier den Anteil des Radverkehrs von zurzeit 10 Prozent anzuheben", hofft Michael Öhmann. "Entscheidend dabei ist aber nicht nur die Politik, sondern jeder Einzelne, der sich aufs Rad setzt."