Stadtrat: Daumen hoch für „Brot und Spiele“

Trier · Das Römerspektakel Brot und Spiele wird 2009 definitiv stattfinden. Der Stadtrat beschloss gestern Abend gegen die Stimmen der Grünen, 362000 Euro zur Verfügung zu stellen und das finanzielle Risiko zu tragen.

Denkmäler werden zu Schauplätzen römischen Lebens und Kämpfens, kulturellen Wirkens und handwerklichen Schaffens. Legionäre exerzieren, Gladiatoren treten im Amphitheater an. Die Partnerschaft zwischen der Stadt Trier als Veranstalter und der Medienfabrik als Organisator feierte 2002 mit 16.000 Besuchern Premiere, und ein Jahr später krachte es endgültig: Mehr als 22.000 Menschen wollten 2003 das Römerspektakel sehen.

Begeisterte Gäste und die steigende überregionale und internationale Resonanz und Anerkennung machten „Brot und Spiele“ zum Erfolg, doch finanziell sah es anders aus. Mit dem inhaltlichen Aufwand stiegen auch die Kosten, während ein verregneter Sommer oder eine gleichzeitig stattfindende ADAC-Deutschland-Rallye auf die Besucherzahlen drückten – die dennoch immer fünfstellig blieben.

Im Dezember 2008 wurde die Partnerschaft zwischen Stadt und Medienfabrik extrem strapaziert. Das Defizit für die Spiele 2008 lag bei 59.000 Euro. Mit knappen 25 gegen 20 Stimmen stimmte der Stadtrat damals dafür, die Hälfte dieses Defizits zusätzlich zuzuschießen. Man sah damals den Geschäftsführer der Medienfabrik, Ronald Frank, mit hochrotem Kopf aus dem Sitzungssaal stürmen. Seine klare Aussage: Ohne diesen Zuschuss hätte es 2009 keine Spiele gegeben.

Auch wenn sich die Gemüter seitdem wieder beruhigt haben, bleibt die Lage angespannt. Gegen die Stimmen der Grünen, die UBM enthielt sich komplett, beschloss der Rat gestern das Finanzierungspaket für „Brot und Spiele“ 2009. Ein positiver Beschluss, doch der Rat ist skeptisch. „Wir stimmen nicht allem und jedem zu, aber heute tun wir es noch, weil das Produkt stimmt“, betonte Peter Spang (SPD).

Die Grünen sehen das anders. „Das Ziel ist es, dass diese Veranstaltung sich selbst trägt“, so Dominik Heinrich. Was Ronald Frank energisch bestreitet: „Wer glaubt, dass eine so große Kulturveranstaltung ohne Zuschüsse auf die Beine zu stellen ist, ist falsch gewickelt. Und wir haben auch nie in Aussicht gestellt, dass sich die Veranstaltung selbst tragen kann.“ Doch mit den Grünen machte auch die UBM klar, dass der finanzielle Nachteil und das Risiko der Stadt Trier zu hoch seien. „Weil wir die Spiele nicht gefährden wollen, stimmen wir nicht dagegen, sondern enthalten uns“, so Hermann Kleber. Die FDP stimmte zu, fühlte sich dabei laut Karl-Josef Gilles aber „unwohl“, und auch die CDU war dafür trotz „vieler offener Fragen“, wie Ignaz Bender betonte.

Ein Satz in der Beschlussvorlage ist unterstrichen: „Alle über den festgelegten Kostenrahmen hinausgehenden Mehraufwendungen werden von der Stadt Trier nicht übernommen.“ Eine Wiederholung des im Dezember knapp beschlossenen Zuschusses ist damit ausgeschlossen.

Meinung

Ein zu harter Schlag

Von Jörg Pistorius

Besuchermassen garantieren keine schwarzen Zahlen. Leider. „Brot und Spiele“ ist seit dem Start 2002 eine sehr erfolgreiche Veranstaltungsreihe. Triers Hotellerie und Gastronomie profitieren von den hohen Zuschauerzahlen, die Stadt steht international im Rampenlicht der Medien. Das in jedem Jahr optimierte und erweiterte inhaltliche Konzept stimmt, das Angebot ist vielseitig und familienfreundlich. Und dennoch kostet das Spektakel bei Weitem mehr als es einbringt.

Der Rat musste eine Grundsatz-Entscheidung treffen, und es war die richtige. Es ist völlig in Ordnung, in eine solche Erfolgsgeschichte zu investieren – in einem kontrollierten und klar definierten Rahmen. Es wäre ein zu harter Schlag für die Stadt Trier gewesen, nach den Antikenfestspielen im Jahr 2009 auch noch „Brot und Spiele“ zu verlieren.

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