Stadtrat Schweich Alt-Schweich

Infrastruktur : Ursprünglichkeit soll bewahrt werden

Der Stadtrat bringt einen Bebauungsplan für Alt-Schweich auf den Weg, der Richtlinien für die Gebäude und das Wohnumfeld vorschreibt. An Fehlentwicklungen hat es in den vergangenen Jahren nicht gemangelt.

Zur Erläuterung des Bebauungsplans „Alt-Schweich” reiste der Seniorchef persönlich an. Geschäftsführer Friedrich Hachenberg vom Planungsbüro Stadt-Land-plus (Boppard) machte am Donnerstagabend im Schweicher Stadtrat deutlich, warum das älteste Viertel von Schweich neue bauliche Richtlinien erhalten soll: „Es gab hier Fehl­entwicklungen in letzter Zeit. Wir wollen ein zeitgemäßes Wohnen ermöglichen und gleichzeitig den ursprünglichen Charakter von Alt-Schweich bewahren. Es geht auch um die Erhaltung des nachbarschaftlichen Friedens.”

Mit Fehlentwicklungen meint Hachenberg unter anderem die großen Wohnblöcke, die in den vergangenen Jahren in der Sommergasse, der Corneliuspforte und anderswo hochgezogen wurden. Solche massiven „Klötze” sollen künftig nicht mehr erlaubt sein. So sind in den urbanen Sektoren höchstens vier bis sechs Wohnungen je Gebäude zulässig, in allgemeinen Wohngebieten zwei bis vier Wohnungen. Bestimmte Firsthöhen dürfen nicht überschritten werden – je nach Wohnbereich liegen die Höchstwerte zwischen zehn und 14 Meter.

Die einzelnen Festsetzungen im Bebauungsplan sollen auf Wunsch des Stadtrats noch in diesem Jahr den Bürgern in einer öffentlichen Versammlung vorgestellt werden. Hier einige grundsätzliche Festlegungen: Grün- und Gartenflächen sollen erhalten werden, zum Föhrenbach muss bei Neubauvorhaben ein Mindestabstand von zehn Metern eingehalten werden, bei Umbauten im Bestand von fünf Metern.

Weiterhin sollen nur geneigte Dächer und dunkle Dacheindeckungen aus Schiefer erlaubt sein. Flachdächer dürfen nur ein Ausmaß von bis zu einem Viertel des Gebäudes haben, in Nebenanlagen sind sie erlaubt. Ferner sollen zu große Dachüberstände vermieden werden. Dach­aufbauten dürfen nur maximal ein Drittel der Trauflänge einnehmen. Der Mindestabstand zwischen Gauben muss 1,50 Meter betragen. Als störend für das Ortsbild werden auch Photovoltaikanlagen angesehen, die aufgeständert sind. Die Module müssen ins Dach eingelassen sein. Großformatige Werbe- und Hinweistafeln sind ebenfalls verboten. Unerwünscht sind Steingärten und grelle Farben auf Hausfassaden. Mauern, Zäune und Hecken sollen die Höhe von 1,20 Meter nicht überschreiten.

Sprecher aller Stadtratsfraktionen lobten die Festsetzungen im Bebauungsplan (Plangebiet siehe Info). Johannes Lehnert (FWG) sagte, man schaffe eine gute Grundlage für ein gesundes Miteinander in Alt-Schweich. Nächste Schritte sind nun eine vorgezogene Bürger- und Behördenbeteiligung. Voraussichtlich im Oktober oder November werde es eine Versammlung geben, in der den Bürgern die Eckpunkte des Bebauungsplans erläutert werden, kündigte Stadtbürgermeister Lars Rieger an.

Weitere Beschlüsse des Stadtrats: Einstimmig hat der Rat dem Bebauungsplan „Neue Mitte” zugestimmt. Damit hat er einer Empfehlung des Bauausschusses entsprochen, der die überarbeitete Planung für den sogenannten Wiedemann-Wohnkomplex für gut befunden hatte (der TV berichtete). Im Bereich Brückenstraße/Bernhard-Becker-Straße/Pöhlen sollen etwa 27 Wohneinheiten in der Größenordnung von 80 bis 140 Quadratmetern entstehen.

Um Mängel in bestehenden, alten Bebauungsplänen zu beheben und die Möglichkeit einzuräumen, dass auf großen Grundstücken in zweiter Reihe gebaut werden darf, hat der Stadtrat einhellig beschlossen, den Bebauungsplan „Schweich Nord” aufzustellen. Thomas Lang vom Planungsbüro BKS sagte, es gehe hier um eine verträgliche Nachverdichtung. Voraussetzungen seien eine Bautiefe von mindestens 25 Metern und ein Mindestabstand von zehn Metern zwischen zwei Häusern.

Das Plangebiet umfasst Flächen nördlich der Bahnhofstraße, in Madell und Madell I, in Langfuhr, Bertradastraße und Ludwig-Uhland-Straße. Da auch in der Siedlung die Grundstücke überwiegend mehr als 40 Meter tief sind, könnte auch sie in den Bebauungsplan einbezogen werden. Ob das möglich ist, soll eine Machbarkeitsstudie zeigen. Das gleiche gilt für einen Bereich links der Bahnhofstraße.

Bei zwei Neinstimmen und einer Enthaltung hat der Stadtrat mehrheitlich der Planung für den Ausbau des provisorischen Ermesgraben-Kreisels zugestimmt. Die Kosten sollen rund 700 000 Euro betragen, wobei die Stadt Schweich nur 31 Prozent davon übernehmen muss. Der Bund beteiligt sich mit 37 Prozent, der Kreis mit 32 Prozent. Der Ausbau soll im kommenden Jahr erfolgen.

Wie Stadtbürgermeister Rieger mitteilte, werden die Aufzüge am Schweicher Bahnhof ab 1. Oktober eingebaut. Ende des Jahres soll die Liftanlage in Betrieb gehen.

Das ehemalige Readymix-Gelände an der Mathenstraße wird laut Rieger nun auch offiziell zu einem Mitfahrerparkplatz ausgebaut. Das habe ihm der Landesbetrieb Mobilität (LBM) bestätigt.

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