Stadtviertel als Durchgangsstation
Trier · Wie viel Verkehr fließt durch den Stadtteil Trier-Ost und das Gartenfeld, und wie groß ist die Parknot der Anwohner? Das Büro R+T aus Darmstadt hat im Auftrag der Stadt Trier dazu ausführliche Informationen gesammelt und in einem Planungscafé den Bewohnern des Viertels vorgestellt. Bürgerdiskussion und Beteiligung inklusive.
Trier. Wen in den vergangenen Monaten das unheimliche Gefühl beschlich, ihm folge bei seinen täglichen Autofahrten durch Trier-Ost ein Wagen, der lag damit goldrichtig. Um festzustellen, wohin die Autos fahren, die durch den Stadtteil Trier-Ost/Gartenfeld rollen, haben Mitarbeiter des Verkehrsplanungsbüros R+T Darmstadt wochenlang etwa 400 Fahrzeugen nachgestellt. Die Zahlen und Fakten, die die Verkehrsplaner nun etwa 50 Anwohnern des Viertels im Pfarrsaal St. Agritius präsentierten, basieren auf Verkehrszählungen, Parkraumkartierungen und Befragungen von Fußgängern und Radfahrern zwischen September und November 2013 sowie im Februar 2014. Dass nun Bewegung in die jahrelange Diskussion um die Verkehrssituation in Trier-Ost/Gartenfeld kommt, freut nicht nur die Anwohner, sondern auch den Ortsbeirat, der das immer wieder bei der Verwaltung angestoßen hatte. Denn das Viertel ist der letzte innenstadtnahe Bereich, in dem kostenlos geparkt werden kann. Und so folgt der Präsentation eine angeregte Diskussion, an deren Ende die Verkehrsplaner jede Menge Kritik- und Wunschpunkte für die Erstellung eines Konzeptes sammeln. Ein Entwurf soll im Frühherbst vorliegen, dem sich ein zweiter Workshop anschließt.Motorisierter Individualverkehr: Mit Hilfe von Seitenradargeräten, die die Planer an Knotenpunkten installierten, wurde mehrere Wochen der Verkehr gezählt. Ergebnis: Das Autoaufkommen ist so hoch, wie in einem Wohngebiet üblich, es gibt aber eine große Zahl Durchgangsverkehr. Jedes zweite in das Gebiet einfahrende Fahrzeug, ist diesem zuzuordnen. Hauptdurchgangsstrecke ist der Weg von der Sickingenstraße über die Berg- und Agritiusstraße sowie die Gartenfeldbrücke in die Stadt. Das sagen die Bürger: Anwohner beklagen zu hohe Geschwindigkeiten, viel Durchgangsverkehr, einen schlecht angebundenen Petrisberg, fehlende Kontrollen, kaputte Straßenbeläge. Außerdem würden oft Vorfahrtsregeln nicht beachtet. Der ruhende Verkehr: Insgesamt gibt es im Viertel 650 Parkmöglichkeiten, auf 551 Plätzen dürfen Autos kostenlos parken, 71 Plätze sind kostenpflichtig, zehn Plätze gibt es für Behinderte. Zwischen 6 Uhr morgens und 20 Uhr abends ist das Gebiet bis 80 Prozent zugeparkt. Manche Teilgebiete erreichen sogar eine Quote von 90 bis 100 Prozent. Nutzer sind Bewohner, Beschäftigte, die in der Nähe arbeiten, und Besucher (von Anwohnern oder solche, die zum Einkaufen in die Stadt gehen).Das sagen die Bürger: Es gibt zu wenig Parkplätze für Bewohner, bemängeln die Anwohner. Private Stellplätze seien vorhanden, würden aber nicht genutzt und Gehwege oft zugeparkt, so dass Busse, Müllabfuhr und Rettungsdienste behindert werden. Kontrolle mangelhaft. Fußgänger und Radfahrer: 678 Fußgänger und Radfahrer sind an einem Tag auf den drei Brücken Hermesstraße, Schützenstraße und Gartenfeldstraße nach ihrem Quell- und Zielort befragt worden. 33 Prozent der Befragten wohnten im Viertel, 23 Prozent gingen zur Arbeit, 22 Prozent wollten einkaufen oder ihre Freizeit in der City verbringen. Nur fünf Prozent besuchten touristische Einrichtungen. Auch die Breite von Gehwegen nahmen die Planer unter die Lupe. Dabei sind Bürgersteige, die mehr als 2,50 Meter breit sind, die Ausnahme. Regelmäßig werden sie von parkenden Fahrzeugen zusätzlich verschmälert. Das sagen die Bürger: Die geringe Breite der Bürgersteige ist vielen Anwohnern ein Dorn im Auge. Die meisten Gehwege seien eingeschränkt bis gar nicht nutzbar, Querungen an diversen Kreuzungen notwendig. Einbahnstraßen sollten in beiden Richtungen für den Radverkehr geöffnet werden. Bus und Bahn: Die Stadtbuslinie 4 fährt alle 30 Minuten in der Hauptverkehrszeit (montags bis freitags) und alle 60 Minuten im Nebenverkehr. Insgesamt hält die Linie vier im Viertel an vier Haltepunkten. Das sagen die Bürger: Die Buslinie 4 ist für die meisten Bewohner unattraktiv. Außerdem seien die Straßen im Viertel für die großen Gelenkbusse zu eng. Kritisiert wurde aber auch die Erreichbarkeit des Hauptbahnhofes. Viele wünschen sich von dort eine fußläufige Verbindung zur Güterstraße. Allgemeine Wünsche: Sorgen machen sich viele um das Erscheinungsbild ihres Viertels. Viele Vorgärten seien bereits zu Parkplätzen umgewandelt worden. Manche fordern Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer und Benutzer von Rollatoren.Meinung
Der Ball liegt bei der StadtDie Leute vom Darmstädter Planungsbüro zeigten sich überrascht: Mit so vielen Anwohnern hatten sie nicht gerechnet, was zeigt, wie wichtig es den Menschen ist, dass sich in ihrem Viertel in Sachen Verkehr endlich was tut. Die Analyse der Planer hat vielen bestätigt, was sie schon seit Jahren heftig kritisierten: Der Durchgangsverkehr ist zu heftig, die Parkplatzsituation katastrophal. Clever von der Stadt, die Bürger nun in ein Verkehrskonzept miteinzubeziehen. So fordern die Bürger schon seit Jahren Anwohnerparken. Die Stadt darf sie nicht weiter vertrösten. v.kerl@volksfreund.deExtra
"Die Stadt Trier hat jahrelang Höhenstadtteile entwickelt, ohne sich um die Erschließungsstraßen zu kümmern. Wir bezahlen jetzt für die Sünden der Vergangenheit." Gerhard Schwetje, Regierungspräsident Bezirksregierung Trier (1982-1991) und Anwohner. "DHL in die Güterstraße zu lassen ohne eine richtige Verkehrsanbindung, ist ein Schildbürgerstreich ohnegleichen. Der Schwerlastverkehr belastet die Güterstraße noch mehr." Uli Zock, Deimelberg. "Die Kreuzungen sind bis zum Anschlag zugeparkt. Das ist gefährlich für Radfahrer und Fußgänger, besonders für Kinder." Monika Graf, Kurfürstenstraße. "Durch das Chaos in der Güterstraße wegen des DHL-Verkehrs verlagert sich der Verkehr in die Berg- und Sachsenstraße." Ludger Peters, Anwohner der Bergstraße. "Wir warten jetzt schon so lange, dass sich hier was tut. Wir wollen nicht mehr länger warten." Eine Anwohnerin