1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Stadtvorstand gegen Moselaufstieg

Stadtvorstand gegen Moselaufstieg

Ein Gutachten von 2008 zeigt: Der Moselaufstieg würde Bitburger und Bonner Straße nur marginal entlasten. Der Landesbetrieb Mobilität hatte die Studie in Auftrag gegeben. Auch der Stadtvorstand beruft sich unter anderem auf diese Zahlen bei seiner Empfehlung an den Stadtrat: Der soll in seiner Sitzung am nächsten Donnerstag den Moselaufstieg endgültig begraben.

Trier. "Verkehrsuntersuchung Raum Trier-Luxemburg" ist das Gutachten überschrieben, das der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Trier beim Ulmer Verkehrsplanungsbüro Modus Consult 2007 in Auftrag gegeben hatte. Im Dezember 2008 war die Analyse mit mehr als 130 Seiten, etlichen Tabellen und Karten sowie Hunderten Zahlen fertig.
Das Gutachten dürfte einigen Befürwortern des Moselaufstiegs - zu denen auch LBM-Leiterin Edeltrud Bayer gehört - die rund 50 Millionen teure Umgehungsstraße in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Denn laut Prognose des Fachbüros Modus Consult würde der Moselaufstieg die Bitburger und die Bonner Straße in Trier-Pallien nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich vom Verkehrsstau entlasten: Statt wie bislang täglich 20 000 würden über die Bonner Straße noch 19 100 Fahrzeuge rollen, nur 900 weniger als bislang (siehe Tabelle) nutzen. Auf der Bitburger Straße wären statt täglich 26 000 Autos und LKW noch 25 200, also nur 800 weniger, unterwegs.
Und auch die Akzeptanz der Grenzgänger nach Luxemburg würde geringer ausfallen, als viele sich das vorstellen: Nur rund 2400 Pendler würden täglich den zwischen Zewen und Igel geplanten Moselaufstieg hoch zur A 64 und weiter Richtung Ländchen nutzen. Deutlich mehr Auto- und LKW-Fahrer - nämlich 9500 pro Tag - würden den Moselaufstieg dagegen nutzen, um anschließend auf der A 64 nach Norden in Richtung Sirzenich zu fahren.
Stimmen die Prognosen des Gutachtens, würde der Moselaufstieg demnach nicht so stark, wie gemeinhin erwartet, von Luxemburgpendlern genutzt und wäre ergo keine so attraktive Anbindung ans Ländchen wie gehofft.
Deutlich profitieren vom Moselaufstieg würden dagegen die Moseluferstraßen Triers: Am Pacelliufer, ab Konrad-Adenauer-Brücke Richtung Stadtmitte, zum Beispiel wären täglich 3200 Fahrzeuge weniger unterwegs.
Allerdings gäbe es auch Straßen, die durch den Moselaufstieg stärker belastet würden: Für eine Ortsstraße im Stadtteil Zewen, die parallel zur B 49 zum Moselaufstieg führen würde, prognostiziert das Gutachten 3500 Fahrzeuge mehr pro Tag. Und auch das Umland wäre belastet: Die Gemeinden Temmels, Oberbillig und Wasserliesch an der B 419 würden täglich rund 1400 zusätzliche Fahrzeuge auf dem Weg zum Moselaufstieg passieren.

Edeltrud Bayer, Leiterin des Landesbetriebs Mobilität, ist für den Bau des Moselaufstiegs. Der Verkehr in Trier würde dadurch deutlich vermindert. Dazu, dass das Modus Consult Gutachten nur geringe Entlastungen für Bitburger und Bonner Straße prognostiziert, erklärt Bayer: "Die Aussagen für einzelne Straßenzüge liegen in Unschärfebereichen und können nicht für sich isoliert betrachtet werden." Dass laut Modus Consult nur 2400 Fahrzeuge täglich den Moselaufstieg nach Luxemburg nutzen würden, lasse zudem nicht den Schluss zu, dass der Moselaufstieg "unattraktiv" wäre. Vielmehr würde er vorrangig dem überregionalen Verkehr zwischen Konz/Saarburg und Süddeutschland beziehungsweise in Richtung Nord-Rhein-Main dienen.

Extra

Das Modus-Consult-Gutachten prognostiziert Verkehrszahlen für 2025, basierend auf der Annahme, dass die Umgehung Konz-Könen bis dahin gebaut ist. Neben den Auswirkungen des Moselaufstiegs haben die Gutachter weitere potenzielle Verkehrsprojekte geprüft: Nordumfahrung ("Meulenwaldtrasse"), Moselaufstieg in Kombination mit Meulenwaldtrasse (Verkehrsentwicklung siehe Tabelle), Moselbrücke zwischen Oberbillig und Mertert, Brücke bei Mertert in Kombination mit Moselaufstieg.

Link auf das Gutachten als PDF