Stadtwerke drosseln Planung für Mosel-Kraftwerk

Ensch/Trier · Die Stadtwerke Trier und ihr Partner Juwi schalten bei den Planungen für das Pumpspeicherkraftwerk an der Mosel einen Gang zurück. Stadtwerke-Chef Olaf Hornfeck vermisst Investitionsanreize und ein klares Bekenntnis zur Speichertechnologie.

Ensch/Trier. Nein, das Pumpspeicherkraftwerk (PSKW) an der Mosel sei nicht tot, versichert Olaf Hornfeck. Man verfolge es nur derzeit nicht mehr mit dem ursprünglichen Tempo weiter. Der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Trier (SWT) vermisst ein "positives Signal aus der Politik". Es fehle an Investitionsanreizen, um das Pumpspeicher-Potenzial voranzutreiben.
Für den SWT-Chef ist diese Technologie ein wichtiger Bestandteil der angestrebten Energiewende. "Wir brauchen vom Gesetzgeber eine Rückmeldung, wie Energiespeicher grundsätzlich in die Energiewende integriert werden sollen und wie sich Energiespeicher in Zukunft rechnen." Ein Anreiz für die weitere Projektentwicklung wäre für Hornfeck beispielsweise ein Zusammenschluss der handelnden Akteure von Stadt, Land und Bund mit dem Ziel, "die Idee der regionalen Energiewabe mit dem PSKW als Herzstück zur Modellregion zu erklären und zu fördern". Auch eine Kooperation mit Luxemburg könne ein Anreiz für die Weiterentwicklung des Projekts sein.
Die Einschätzungen, wie zukunftsfähig Wasserspeicher-Kraftwerke sind, klaffen weit auseinander. PSKW seien nicht rentabel zu betreiben, lautete das Fazit eines Gutachtens vom Herbst 2014, das die bayerische Landesregierung in Auftrag gegeben hatte. In Bayern steht in den nächsten Jahren die Abschaltung von vier Atomkraftwerken bevor. Mittlerweile gab es eine Kehrtwende im Haus von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Für Speicherkraftwerke gebe es riesige Potenziale, meldet nun eine weitere Studie. 16 Standorte werden derzeit in Bayern untersucht, wobei der Umweltaspekt eine große Rolle spielt.
Um den Untergrund für das geplante Moselkraftwerk bei Ensch zu testen, waren im Jahr 2013 jeweils sechs Bohrungen im Bereich des Oberbeckens auf dem Hummelsberg bei Bekond und am Unterbecken im Kautenbachtal bei Ensch gemacht worden (der TV berichtete am 19. Februar 2013). Im vergangenen Jahr herrschte dann allerdings Funkstille, obwohl geplant war, die Bohrungen und das Sammeln von Wetter- und Klimadaten über einen Zeitraum von einem halben Jahr fortzusetzen. "Im ersten Halbjahr 2015 werden wir über das weitere Vorgehen entscheiden", sagt Hornfeck.
SWT und die Juwi-Gruppe (Wörrstadt), die für den Bau des Mosel-Speicherwerks eine Projektentwicklungsgesellschaft gegründet hatten, haben zwischenzeitlich ihren Zeitplan und die Kostenkalkulation korrigiert. In den Jahren 2016/2017 sollte ursprünglich das Planfeststellungsverfahren über die Bühne gehen. "2016 geht wohl nicht mehr", sagt der SWT-Chef. Auch die Kosten setzt er mittlerweile höher an. Statt sechs Millionen Euro Entwicklungskosten werden es wohl acht Millionen Euro werden, und auch die Investitionssumme steigt: Statt der ursprünglich genannten 450 Millionen Euro könnte das Projekt bis zu 600 Millionen Euro kosten - inklusive Grundstückskosten.
Unterdessen liegt das Flurbereinigungsverfahren, mit dessen Hilfe sich die Investoren den Grund und Boden für das Kraftwerk und die Ausgleichsflächen sichern wollen, im Zeitplan (siehe Extra).Meinung

Steiniger Weg bis zum Bau
Der Hilferuf der Stadtwerke an den Bund ist nachvollziehbar. Berlin will die Energiewende, setzt aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nur halbherzig um. Wer Ja zur Energiewende sagt, also Atomkraftwerke abschalten und klimaschädliche Kohlekraftwerke zurückfahren möchte, sollte konsequenterweise auch eine sinnvolle Alternative fördern - und das ist die Speichertechnologie. Das Pumpspeicherkraftwerk Rio wäre zwar energietechnisch ein Minusgeschäft, - das Hochpumpen des Wassers kostet mehr Energie als beim Ablassen erzeugt wird - aber es wäre ideal, um den in der Region produzierten grünen Strom aus Sonne und Windkraft auszupegeln und Verbrauchsspitzen abzufangen. Außerdem könnten Kabelleitungen eingespart werden. Ob das Moselkraftwerk tatsächlich gebaut wird, darüber kann man nur spekulieren. Es gibt noch hohe Hürden: Die Untergrundbeschaffenheit an den Becken und im Berg ist noch nicht ausreichend untersucht, die 600 Millionen Euro Baukosten müssen erst einmal aufgebracht werden, und wer weiß schon, wie sich eine neue Bundesregierung in der Energiewirtschaft positionieren wird? a.follmann@volksfreund.deExtra

Das geplante Mosel-Pumpspeicherkraftwerk "Rio", benannt nach der UN-Klimaschutzkonferenz 1992 in Rio de Janeiro, nutzt die Wasserkraft zweier Speicherbecken, die einen Höhenunterschied von 200 Metern aufweisen. Wird viel Energie gebraucht, kann aus dem sechs Millionen Kubikmeter fassenden Oberbecken auf dem Hummelsberg bei Bekond Wasser über Turbinen abgelassen werden. Wird wenig Energie benötigt, beispielsweise nachts, wird das Wasser vom Unter- ins Oberbecken gepumpt. Dazu dient dann unter anderem der Strom, den Windräder produzieren. Das Kraftwerk mit einer 60 Meter hohen Staumauer soll 300 Megawatt leisten und den Strombedarf von rund 500 000 Menschen in der Region sichern. Nach derzeitigem Stand könnte das Baurecht im Jahr 2017 vorliegen. Inbetriebnahme wäre dann voraussichtlich 2022 oder 2023.alfExtra

Laut Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) haben die im Flurbereinigungsareal liegenden Landbesitzer bisher Abtretungserklärungen für rund 60 Hektar gezeichnet. Bis 30. April 2015 gibt es das Dreifache des Bodenwerts, danach weniger. Für das PSKW werden 150 Hektar benötigt, weitere 150 Hektar für Ausgleichsflächen. Die Grundstücksverkäufe werden erst mit Umsetzung des Projekts wirksam. alf

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