Stadtwerke erhalten Konzession für Betrieb der Touristenbahn in Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Tourismus : Römerexpress: Bisheriger Betreiber bekommt keine Konzession mehr

Der bisherige Römer-Express-Betreiber erhält nach 25 Jahren keine Betriebserlaubnis mehr. Die neue Ära steht im Zeichen des Elektroantriebs und zahlreicher anderer Änderungen.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) hat den Stadtwerken (SWT) die Lizenz zum Betrieb einer sogenannten touristischen Wegebahn erteilt, wie sie in Trier als Römer-Express verkehrt. Die bis Ende Oktober verlängerte Frist, um zusätzliche Unterlagen zum Konzessionsantrag nachzureichen (TV vom 12. September), musste nicht ausgeschöpft werden. „Es handelte sich nur um Formalien, die unsererseits schnell erledigt waren“, erläutert SWT-Verkehrschef Michael Schröder (49). Dabei habe es sich um Unterlagen im Zusammenhang mit dem Dienstantritt des neuen kaufmännischen Stadtwerke-Vorstands Steffen Maiwald am 1. Juli gehandelt.

Somit bleibt es bei dem, was sich bereits im Sommer angedeutet hat. Der LBM ging und geht nur von einem einzigen genehmigungsfähigen Konzessionsantrag aus – dem der Stadtwerke, die nun den Zuschlag erhalten haben. Georg von Kowalkowski (58), der am 5. Mai 1994 mit seinem Römer-Express an den Start ging, geht leer aus. Sein Antrag wurde als nicht vollständig abgelehnt und sein Widerspruch dagegen als unbegründet abgewiesen, ebenso sein Vorgehen gegen den SWT-Antrag.

Grund zur Freude bei den Stadtwerken? „Über das Resultat: ja, zumal wir die Lizenz für zehn Jahre bekommen haben. Aber nicht über die Art und Weise, wie es zustande gekommen ist“, sagt Verkehrschef Schröder: „Wir haben den Ring als Sieger verlassen, weil der Gegner wegen seiner handwerklichen Fehler gar nicht erst reingelassen wurde. Lieber wäre es uns gewesen, wir hätten zeigen können, dass unser Konzessionsantrag der qualitativ eindeutig bessere ist.“

In der Tat planen die Stadtwerke kein „weiter so“, sondern sie wollen am 1. Mai 2020 eine neue Ära der Stadtrundfahrten per emissionsfreier Wegebahn einläuten. Mit erweiterter Fahrstrecke, die auch das Amphitheater mit einbezieht, mit zwei Ein- und Ausstiegshalten, mit GPS-gesteuerten Audio-Informationen zu den Sehenswürdigkeiten unterwegs in acht Sprachen plus kindgerechter und einfacher Sprache, bequeme Plätze und Barrierefreiheit und Gratis-WLAN.

Die drei Wegebahnen (elektrische Zugmaschinen plus jeweils zwei Fahrgastanhänger) sollen komplett neu angeschafft werden. Die Ausschreibungen sind frisch veröffentlicht. Wie die SWT-Touribahn aussehen wird – ob im bekannten Nostalgie-Look mit Schornstein auf der Lok  oder „neuartig anders“ (Schröder) – ist also noch offen. Ebenso der Name. Auf den bisher kursierenden Arbeitstitel Römerstrom-Express sei man nicht festgelegt. Klarheit soll ein Ideenwettbewerb bringen.

Derweil laufen auch bei Trier Toursimus und Marketing GmbH, die für die touristischen Themen wie die Informationsvermittlung an Bord sowie die Werbung zuständig ist, die Vorbereitungen auf Hochtouren. TTM-Chef Norbert Käthler (54): „Momentan sind wir unter anderem dabei, die Texte zu erstellen, die dann professionell eingesprochen werden.“

Trotz „erheblicher Qualitäts- und Komfortsteigerungen“ (Schröder) soll es bei den derzeit gültigen Fahrpreisen bleiben. Das Einzelticket kostet 9 Euro, für Sechs- bis 14-Jährige vier Euro.

Schröder geht davon aus, dass die neue Touri-Bahn ein „Renner“ wird und sich die 1,8 Millionen-Euro-Investition binnen zwei Jahren amortisiert haben wird. Die SWT können Mehreinnamen gut brauchen, da sie trotz steigender Fahrgastzahlen unterm Strich weniger in der Kasse hat. Schröder führt das auf die Erlösverteilung im Verkehrsverbund Region Trier (VRT) zurück, „die der Realität in keinster Weise gerecht wird“.

Römer-Express-Betreiber Georg von Kowalkowski. Foto: Roland Morgen
Michael Schröder, Geschäftsführer der Verkehrs-GmbH der Stadtwerke. Foto: Roland Morgen

Georg von Kowalkowski zeigt sich „sehr enttäuscht“ von der Konzessionserteilung an die Stadtwerke und kündigt weitere juristische Schritte an: „Ich werde weiterkämpfen und Widerspruch einlegen.“ Sollte am 1. Mai 2020 nach dann 26 Jahren die Römer-Express-Ära zu Ende gehen, dann sie er seiner Existenzgrundlage beraubt, sagt der 58-Jährige. Der ebenfalls von ihm betriebene Gutenberg-Express in Mainz trage sich „gerade so. Davon kann ich nicht leben“.

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