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Stadtwerke Trier - Strom- und Gaspreise stärker erhöht als angekündigt​

Energiepreise : Warum Strom und Gas bei den Stadtwerken Trier teurer wird als angekündigt

Die Stadtwerke Trier bezeichnen die Preiserhöhungen als „unterdurchschnittlich“. Die Tarife sollen nicht so teuer werden, dass die Preisbremsen des Bundes relevant sind. So viel müssen Kunden bald zahlen.

Für Kunden der Stadtwerke Trier (SWT) wartet in diesen Tagen im Briefkasten eine schlechte Nachricht: Die Gas- und Strompreise werden erhöht. Das war zu erwarten und angekündigt. Bei manchen liegt die Preissteigerung allerdings deutlich über der mehrfach angekündigten Marge von 30 Prozent beim Strom und 50 Prozent beim Erdgas.

„Wir haben diese Ansagen in den Tarifen der Grundversorgung mit 34 Prozent Erhöhung beim Strom und 56 Prozent beim Gas nahezu einhalten können“, sagt SWT-Vorstand Arndt Müller im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Bei den Tarifen Römerstrom und Römergas ist die Erhöhung allerdings deutlich höher – je nach Alttarif. Beim Strom aus erneuerbaren Energiequellen sind es zwischen 41 und 66 Prozent mehr. Bei Erdgas sogar bis zu 80 Prozent.

Warum wird es bei der SWT so viel teurer als erwartet?

„Das liegt daran, dass wir hier bei der notwendigen Erhöhung von einem deutlich niedrigeren Niveau kommen“, begründet Müller die Steigerung. Zudem seien einige Altverträge bereinigt worden. Er verweist auf die aktuell schwierige Marktlage und die Problematik ständig neuer politischer Entscheidungen, mit der das Unternehmen umgehen müsse. Vorwürfen, die Stadtwerke wollten die angespannte Lage ausnutzen und Verluste der Vergangenheit ausgleichen oder gar die angekündigten staatlichen Hilfen vorab abgreifen, widerspricht er vehement.

„Wir kaufen den Strom, den wir zusätzlich zu unserem eigenen benötigen, zu einem bestimmten Zeitpunkt für ein komplettes Jahr ein, mit dem Ziel, unseren Kunden einen verlässlichen Preis anzubieten. Billiganbieter haben an der Börse immer nur kurzfristig eingekauft. Die gibt es jetzt aber nicht mehr.“

Thomas Speckter, Kaufmännischer SWT-Prokurist, verweist als Beispiel auf die Marktpreise vom 1. November. „Da lag der Grundpreis für Strom auf dem Weltmarkt bei über 40 Cent.“ Er vergleicht die Situation dort mit einem Tsunami, bei dem das Wasser zunächst zurückweicht, bevor die hohe Flutwelle kommt: „Wenn der Preis kurzfristig fällt, folgt derzeit immer ein großer Anstieg.“

Maik Girmendonk ist Vertriebsprokurist der Stadtwerke und kennt die Bewegungen auch auf dem deutschen Energiemarkt ebenfalls genau. „Der Durchschnittspreis für Strom liegt derzeit bundesweit bei 46 Cent pro Kilowattstunde und 21 Cent bei Gas. Wir liegen in den neuen Tarifen mit 35,21 Cent in der Grundversorgung und 12 Cent beim Gas deutlich darunter.“ Mit Blick auf die aktuelle politische Diskussion über Preisbremsen im Energiesektor für private Verbraucher spricht er von einem guten Zeichen.

„Wir agieren kostenbewusst“, sagt Girmendonk und verweist auf die beabsichtigte Deckelung des Strompreises von 40 Cent beim Strom und 12 Cent beim Erdgas. „Für unsere Kunden werden diese Bremsen nicht relevant sein.“ Mit einer Reduzierung der Tarife in den kommenden Jahren rechnet er allerdings nicht. „Letztlich kann natürlich jeder Kunde durch sein eigenes Verhalten dazu beitragen, Energie zu sparen.“

Stadtwerke Trier: Laufende Verträge mit Preisgarantie bleiben bestehen

Wie unsicher die Gesamtlage ist, zeigt der Vermerk in allen Anpassungsverträgen, dass es keine Preisgarantie mehr gebe. Glück hat, wer noch über einen laufenden Vertrag mit Preisgarantie verfügt. Eindeutige Aussage der Stadtwerke dazu: „Verträge mit laufender Preisgarantie bleiben bestehen.“

Wie groß die Unwägbarkeiten bei den Energieversorgern angesichts der aktuellen politischen Diskussion sind, zeigt auch der Blick auf die Erstattung der Kosten für Erdgaskunden im Dezember. Dafür gibt es noch keine gesetzliche Reglung, mit der die Abrechnung vorbereitet werden könnte. „Voraussichtlich müssen die Kunden im letzten Monat des Jahres keine Abschlagszahlung leisten“, sagt Thomas Speckter. Weil der Verbrauch im September als Referenz für die Entlastung gelten werde, sei das aber noch nicht ganz sicher.

SWT-Strategie: Bis 2030 Grüne Energie für alle Kunden

Ungeachtet aller Irrungen und Wirrungen blickt SWT-Vorstand Arndt Müller positiv in die Zukunft: „Unsere nachhaltige Strategie, im Jahr 2030 alle Stromkunden mit erneuerbarer Energie versorgen zu können, ist die richtige. Unsere Kunden haben beim Blick auf die Preise und die Versorgung eine große Sicherheit. Die Preisanpassungen sind unterdurchschnittlich.“ Der Anteil des selbst nachhaltig produzierten Stroms (derzeitig 40 Prozent) und Bio-Erdgases werde kontinuierlich steigen.

Die Verunsicherung der Stadtwerke-Kunden ist dennoch groß. Das zeigt die Zahl der aktuellen Anfragen, die das SWT-Kundencenter seit Tagen an die Grenze bringen. „Wir entschuldigen uns für die derzeit langen Wartezeiten“, sagt Arndt Müller. „Das entspricht nicht unserem Anspruch.“