Ständig auf der Suche nach Futter

Ständig auf der Suche nach Futter

TRIER. Seit einem Jahr gibt es die Förderklasse für hochbegabte Kinder am Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasium. Im Leben der Fünftklässler hat sich im letzten Schuljahr viel verändert.

"Früher habe ich mindestens sechs bis sieben Bücher im Jahr gelesen. Dafür habe ich jetzt leider keine Zeit mehr", sagt Marvin Reiff. Kein Wunder bei dem Tagesprogramm des Elfjährigen. Seit einem Jahr besucht er die Förderklasse für hoch begabte Kinder am Auguste-Viktoria-Gymnasium. Der Schultag beginnt für ihn und seine Klassenkameraden um acht Uhr. Erst um vier Uhr nachmittags läutet die Schulklingel das Ende des Unterrichts ein. Der Ganztagsbetrieb fiel nicht jedem der Fünftklässler leicht. Viele Schüler mussten ein Hobby aufgeben

"Für viele dieser Kinder ist es ein Problem, dass sie auch außerschulisch bisher enorm aktiv waren. Viele mussten sich während des letzten Schuljahrs von dem ein oder anderen Verein oder Hobby verabschieden", erklärt Schulleiter Bernhard Hügle. Nach einem achtstündigen Schultag bleibt eben nicht mehr viel Zeit für andere Dinge. "Durch die Arbeitsgemeinschaften versuchen wir dieses Problem aufzufangen", ergänzt Elfriede Mommenthal-Aymanns, die den Hochbegabtenzweig leitet. Der Liebe zur Musik oder zum Theater können die Schüler auch im Schulchor oder der Theater-AG nachgehen. Gemeinsam mit den anderen Fünft- und Sechstklässlern aus den Parallelklassen etwas auf die Beine zu stellen, fördert schließlich auch die Integration der Förderklasse für Hochbegabte an der Schule. "Wir wollen diese Klasse nicht isolieren, sondern sie fest einbinden", betont Mommenthal-Aymanns. Im letzten Schuljahr haben die Fünftklässler viel gelernt. Lateinische Vokabeln pauken sie genauso wie die englische Sprache. Im nächsten Schuljahr kommt noch Französisch dazu. Beim geschichtlichen Stadtprojekt entdeckte die zwanzigköpfige Schulklasse die Spuren der Römer in Trier. Für die Schüler der Förderklasse war der straffe Lehrplan gar kein Problem. "Niemand musste die Klasse verlassen, weil das Lernpensum die Kinder überfordert hätte", sagt Elfriede Mommenthal-Aymanns. Ganz im Gegenteil - die Fünftklässler seien "ständig auf der Suche nach neuem Futter". Bis zur neunten Klasse sollen die Schüler der Förderklasse für Hochbegabte so viel gelernt haben, dass sie das neunte Schuljahr überspringen können. In einer wöchentlichen Unterrichtseinheit haben sich die Schüler der Förderklasse mit der Methodenlehre beschäftigt: Wie bereite ich mich auf eine Klassenarbeit vor? Wie gestalte ich eine Hausaufgabe? Fragen, die auch bei den hochbegabten Schülern wichtig sind. Viele der Schüler hatten in der Grundschule keine Lernprobleme und mussten nie etwas wiederholen. In der Förderklasse werden die Schüler gefordert. Es ist nicht mehr so einfach wie in der Grundschule. Eine Erfahrung, die auch Marvin Reiff gemacht hat: "Man muss sich viel mehr ins Zeug legen. Und jeder von uns hat erlebt, dass man auch schon mal nur eine Drei schreibt." Die Förderklasse am AVG ist im Laufe des Schuljahrs zusammengewachsen. Viele neue Freundschaften sind entstanden. Der Ganztagsbetrieb hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Klassengemeinschaft gut funktioniert. "Man ist den ganzen Tag mit seinen Freunden zusammen. Da macht es mir nichts aus, wenn der Unterricht etwas länger dauert", erklärt Schüler Christoph Görres. Wie für alle anderen Schüler liegen vor der Hochbegabten-Klasse nun sechs Wochen Sommerferien. Bei so viel freier Zeit bleibt Marvin Reiff bestimmt auch Zeit für das ein oder andere Buch.

Mehr von Volksfreund