Stärke durch den Glauben

TRIER. Franz Kenèz feiert sein eisernes Priesterjubiläum. Vor 65 Jahren erhielt er in Ungarn seine Weihe. Seit 1965 lebt Kenèz in Deutschland. Vor zwei Wochen wurde er 90 Jahre alt. Die Ungarisch-Deutsche Gesellschaft richtet darum am Sonntag eine Feier für den Pastor aus.

"Schon früh wurde mir der Wunsch, Priester zu werden, in die Seele gepflanzt", sagt Franz Kenèz. Obwohl er aus einer Handwerkerfamilie stammt, sein Vater war Schuhmachermeister, ermöglichten seine Eltern ihm und seinen vier Geschwistern eine freie Berufswahl und ein Studium. In seiner Geburtsstadt Veszprèm in Ungarn besuchte er das vom Piaristen-Orden geführte Gymnasium, machte das Abitur. Der Kontakt zu den Patres prägte Kenèz, und er entschloss sich, sein Theologiestudium aufzunehmen. Das Leben im Priesterseminar, "mit Gleichgesinnten zusammen zu sein, war die Stärkung, dort bleiben zu wollen". 1941 erhielt Kenèz die Priesterweihe. 1942, während des Zweiten Weltkrieges, wurde Kenèz als Soldatenseelsorger einer Division, die in Russland stationiert war, zugeteilt und kam schließlich in russische Gefangenschaft. "Das waren sehr schwere Zeiten. Aber auch in der Gefangenschaft habe ich die Menschen nicht alleine gelassen, konnte geistliche Hilfe leisten. Anfangs durften wir keinen Gottesdienst feiern. Ich habe mich dafür eingesetzt, und nach zwei Jahren konnte ich die Heilige Messe halten. Heute denke ich, dass ich nicht umsonst dort gewesen bin." Nach seiner Rückkehr nahm er sein Studium im kanonischen Recht in Budapest wieder auf und erhielt 1949 seinen Doktortitel. Er war anschließend als Kaplan und Pfarrer in verschiedenen Orten tätig, obwohl das Leben mit und für den Glauben während der kommunistischen Ära stark eingeschränkt war. Aus gesundheitlichen Gründen war es Kenèz erlaubt, 1965 zu einem Kuraufenthalt nach Deutschland zu reisen. Er nahm Kontakt zu einem deutschen Geistlichen auf, den er während des Krieges kennen gelernt hatte. Der verhalf ihm zu Gesprächen mit dem Generalvikar im Bistum Trier, und schließlich entschied sich Kenèz, in Deutschland bleiben zu wollen. "Die Entscheidung war nicht leicht, aber als Priester konnte ich hier mehr nach meinem Herzen leben." Er übernahm zunächst Pfarrstellen in Wershofen und Hümmel, später in Leiwen, Köwerich, Thörnich und Detzem. "Es war mir immer ein Anliegen, viel Kontakt zu den Menschen zu haben und einen guten Zugang zu jungen Menschen zu finden." Seine ungarische Heimat sah Kenèz bis 1991 nicht wieder. Seither reist er einmal pro Jahr nach Ungarn. Als er an seinem 75. Geburtstag in den Ruhestand verabschiedet wurde, blieb er dennoch aktiv. Nicht nur sportlich. "Vor sieben Jahren habe ich sogar noch Skilanglauf gemacht." Der Pastor leistete Hilfe, wo sie nötig war. "Die Seelsorge hat immer meine Gedanken und mein Leben ausgefüllt." Außerdem feiert er seither bis heute die tägliche Morgenmesse für die Schwestern im Mutter-Rosa-Altenzentrum, wo er selbst seit zwei Jahren lebt. Als er damals nach Trier kam, nahm er Kontakt mit der Ungarisch-Deutschen Gesellschaft auf, "und ich habe zugesagt, einmal im Monat die Messe zu halten. Dort ist Begegnung und ich bin überzeugt davon, dass das die Bindung der Mitglieder stärkt". In seinen ehemaligen Pfarreien wurden für Kenèz Feiern zu seinem 65. Priesterjubiläum und dem 90. Geburtstag am 1. August organisiert. Auch die Ungarisch-Deutsche Gesellschaft richtet nach der Messe am Sonntag, die vom Kirchenchor Hümmel und Tenor Ferry Seidel gestaltet wird, ein kleines Fest für Kenèz aus. Bei der Feier wird die Präsidentin der Gesellschaft, Margit Zeimet, die Laudatio halten und Professor Nikolaus Buzàsi ungarische Melodien auf der Geige spielen.