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Stahlkoloss für Scharfschützen

Stahlkoloss für Scharfschützen

LONGUICH. Großprojekt für die Longuicher Gerüstbaufirma Spanier&Wiedemann KG: Das Unternehmen konstruiert den Schießstand für den zweiten City-Biathlon im saarländischen Püttlingen am Sonntag. Der Aufbau nimmt drei Tage in Anspruch. An dem Sommer-Biathlon-Wettkampf, der live bei Eurosport übertragen wird, nehmen unter anderem die Olympiasieger Michael Greis und Kati Wilhelm teil.

Bei der Premiere des City-Biathlons im saarländischen Püttlingen im vergangenen Jahr jubelten rund 10 000 Fans den Stars der Szene zu. Ole Einar Björndalen, Kati Wilhelm oder Michael Greis ziehen inzwischen auch im Sommer ihre Kreise, um die Wintersport-Kombination aus Ski-Langlauf und Schießen noch populärer zu machen. Am Sonntag gehen sie zum zweiten Mal in Püttlingen auf Rollskiern über einen Rundkurs auf Trefferjagd. Mit ihren geschulten Augen und Kleinkalibergewehren treffen die Biathleten aus 50 Metern Entfernung oftmals traumwandlerisch sicher die Scheiben, die lediglich 4,5 oder 11,5 Zentimeter Durchmesser haben. Geht doch mal ein Schuss daneben, dann werden in Püttlingen die Projektile von einer Schießstand-Konstruktion abgefangen, für die die Longuicher Gerüstbaufirma Spanier&Wiedemann KG verantwortlich zeichnet. Mit Sattelzügen ins Saarland

Es ist ein Großprojekt für das Unternehmen, das seit 1992 unter der Ägide von Geschäftsführer Hermann Spanier vor allem das Einrüsten kleiner Ein- oder Mehrfamilienhäuser sowie komplexen Gewerbeobjekten und Kirchen im Leistungsangebot hat - aber auch für ungewöhnliche Projekte zu haben ist. Daran erinnerte sich im Vorfeld der ersten Auflage des City-Biathlons im Jahr 2005 auch der baden-württembergische Gerüstsystem-Hersteller Layer, als die Stadt Püttlingen auf der Suche nach einem Konstrukteur für den Schießstand des Sommer-Biathlons war. Spanier zeigte sich aufgeschlossen und investierte erfolgreich Zeit in die Planung. "Mich hat die Herausforderung gereizt, Biathlon-Fan bin ich weniger", sagt der 46-Jährige aus Fell. Im vergangenen Jahr baute die Firma erstmals den Schießstand, nun will sie von der Erfahrung ein zweites Mal profitieren. Der Schießstand, der eine Sommer-Biathlon-Veranstaltung mit den im Winter genutzten Kleinkalibergewehren ermöglicht, wartet mit beeindruckenden Zahlen auf. Er ist 50 Meter lang, 25 Meter breit und bietet damit sieben Schießbahnen. Umbaut ist er mit einem Gerüst, mit dessen Material nach Rechnung von Spanier 320 Einfamilienhäuser eingerüstet werden könnten. Durch Schutz-Platten werden rechts und links sowie an der Stirnseite Wände erzeugt, die eine Fläche von 1200 Quadratmetern haben. Damit die Anlage Windgeschwindigkeiten bis 100 Stundenkilometer standhält, wird die Konstruktion mit 64, jeweils rund 1,5 Tonnen schweren, Steingewichten beschwert. Das macht in der Summe knapp 100 Tonnen. Die Schutz-Platten werden normalerweise bei Asbestsanierung, Sandstrahlarbeiten oder für den Lärmschutz verwendet. Für den Schießstand mussten sie "aufgepeppt" werden. Spanier: "Wir haben sie mit einer zweiten, drei Millimeter dicken, Blechplatte verstärkt." Der Effekt: die Projektile schlagen nicht mehr durch, sondern werden abgefangen - eine Voraussetzung zur Wahrung der notwendigen Sicherheitsstandards. Das ganze Material mit Ausnahme der Schutz-Platten wurde von Longuich aus nach Püttlingen auf Sattelzügen transportiert. Seit Dienstagabend wird aufgebaut, am Freitag um 18 Uhr muss alles stehen für die Abnahme. Trotz Scherenbühnen und Gabelstaplern kommt der Aufbau für die sechs Mitarbeiter einem großen Kraftakt gleich. "Das ist sicher kein großzügiges Zeitfenster", sagt Spanier. Doch der Aufwand soll sich nicht nur finanziell lohnen. Der City-Biathlon wird erstmals live im Fernsehen bei Eurosport übertragen. Spanier: "Dadurch wird sich bei uns sicher keiner aus Norddeutschland melden, um sein Haus einrüsten zu lassen. Aber vielleicht wecken wir bei manchen Interesse, die andere ungewöhnliche Projekte realisieren wollen."