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Corona-Krise: Stark gefragt: Lebensmittel bis vor die Haustür

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Stark gefragt: Lebensmittel bis vor die Haustür

Die einen können keine neuen Kunden mehr annehmen, andere haben einen Lieferservice mit Ehrenamtlern auf die Beine gestellt. Die Supermarktbetreiber in Trier und Umgebung gehen ganz unterschiedlich mit den vielen Lieferanfragen um.

Während der eine mehr Bestellungen annimmt und ausliefert, ist der andere coronabedingt auf einen anderen Kundenstamm umgeschwenkt. Supermarktbetreiber und Lebensmittelhändler haben derzeit mit einer Flut an Bestellungsanfragen zu kämpfen. Wie sie damit umgehen, ist sehr unterschiedlich. „Wir sind am Limit“ oder „Mehr können wir einfach nicht leisten“ – solche Sätze fallen immer wieder bei Gesprächen mit Supermarktinhabern, die einen Lieferservice anbieten.

Der TV hat exemplarisch mit einigen Supermarktbetreibern gesprochen.

Beim Rewe-Markt in Trier-Nord werden der Abholservice und der Lieferdienst laut Marktleiter Tim Schirra stark genutzt. „Die Anzahl der Bestellungen pro Tag ist begrenzt“, erklärt er. Die Kunden können über die Webseite seines Rewe-Marktes bestellen und sehen, wann Liefertermine frei sind. Zwischen sieben und acht Mitarbeiter habe er ausschließlich für den Abhol- und den Lieferservice eingestellt. Für beide Dienste zusammen kämen rund 100 Bestellungen am Tag an, sagt Schirra. Bis vor wenigen Wochen seien nur bis zu 50 möglich gewesen: „Das war zu wenig, die Nachfrage ist stark gestiegen.“

Gerhard Surges (links) und sein Mitarbeiter Simon Roth beladen inzwischen fast täglich das Auto und fahren zu Kunden. Foto: TV/Hannelore Surges

Seit 16 Jahren bietet Nahkauf Surges in Trier-Mitte/Gartenfeld einen Lieferservice an, bis vor wenigen Wochen einmal pro Woche. „Inzwischen liefern wir fast täglich“, sagt Inhaber Gerhard Surges. „Bis zu 50 Bestellungen haben wir am Tag. Das konnten wir fast nicht schaffen.“ Zusätzliches Personal habe er nicht eingestellt. „Wir machen das mit unserem normalen Personal“, sagt Surges. Bisher habe er die Lebensmittel nur zu Menschen im näheren Umfeld des Supermarktes gefahren. Das habe sich inzwischen geändert: „In Ausnahmefällen liefern wir im Moment auch mal nach Kernscheid oder Gusterath.“

Anders ist es in der Edeka-Filiale Haupenthal in Trier-Süd. Sie nimmt keine neuen Lieferkunden an. „Im Moment sind wir am Limit“, sagt Inhaberin Christine Haupenthal. Sie und ihre Mitarbeiter hätten enorm viel zu tun, mehr sei einfach nicht machbar.

Normalerweise beliefert die Firma W. Eifel in Trier-Ehrang vor allem Großkunden mit Lebensmitteln und Getränken. „Wir haben auch schon immer Privatkunden beliefert“, sagt Inhaber Wolfgang Eifel. „Aber unser Hauptgeschäft ist der Großhandel.“ Doch nun haben Hotels geschlossen, und in Restaurants dürfen keine Gäste mehr Platz nehmen. „Das bedeutet auch für uns Ausfälle“, sagt er. Deshalb belieferten sie verstärkt auch einzelne Haushalte: „Wir haben schon jede Menge Bestellungen bekommen.“ Aktuell können Kunden über ein Online-Formular bestellen, per E-Mail, Telefon und Fax. Bald soll eine App das Bestellen noch einfacher machen.

Einen professionellen Lieferdienst hat Frank Krumm in seiner Edeka-Filiale in Konz-Oberemmel nicht. „Das würde uns überfordern“, sagt er. Wegen der derzeitigen Situation hat er stattdessen mit einem Schild vor seinem Supermarkt Ehrenamtler gesucht. „40 Freiwillige haben sich gemeldet“, berichtet er. Wer derzeit nicht selbst einkaufen gehen kann oder will, kann sich telefonisch im Markt von Krumm melden. Dann ruft dieser einen passenden Ehrenamtler an, der in der Nähe des Kunden wohnt.

Foto: TV/Schramm, Johannes

Bei der Verkaufsstelle der Bäckerei Blau in Reinsfeld, die neben Backwaren auch frische Lebensmittel führt, helfe derzeit auch ein Ehrenamtlicher mit, sagt Claudia Blau. Die Filiale habe schon seit Langem einen kleinen Lieferservice, besonders für ältere Menschen im Ort. Bei Bedarf habe ein Mitarbeiter Lebensmittel ausgeliefert. Im Moment gebe es mehr Anfragen. „Ein Mann aus dem Ort hat sich bei uns gemeldet und sich bereit erklärt, ehrenamtlich Einkäufe für ältere Menschen und Risikopatienten auszuliefern“, sagt Claudia Blau.

Im Spezialitätengeschäft Regional Saarburg & die Welt hat Inhaberin Janine Russo dagegen einen professionellen Lieferservice eingerichtet. Drei bis vier Bestellungen bekomme sie zurzeit pro Woche, die sie gemeinsam mit ihrem Mann ausliefere. „Wir haben uns überlegt, dass wir diesen Lieferservice auch nach Corona beibehalten wollen“, sagt sie. Wenn die Krisenzeit überstanden sei, wolle sie aber nicht täglich zu den Kunden fahren: „Wir wollen später feste Tage für die Auslieferung einplanen.“

Aber auch andere Geschäfte wie zum Beispiel Fleischereien bringen ihren Kunden Waren nach Hause. Der Vorsitzende der Fleischerei-Innung Trier-Saarburg, Manfred Schmitt, berichtet davon, dass nicht nur die Kunden im Laden ausbleiben. „Manche Kollegen haben Caterings für Schulen oder Partyservice gemacht“, sagt er. „Doch weil nun Kommunionen und andere Veranstaltungen bis Mitte Mai gecancelt wurden, fehlen vielen Betrieben die Einnahmen“, sagt er. „Jetzt haben sie Ressourcen, um verstärkt Privatkunden zu beliefern.“ Er empfiehlt, einfach beim Metzger seines Vertrauens anzurufen und nachzufragen.

Ebenso wie den Fleischereien bleiben auch bei den Taxi-Unternehmen die Kunden aus. „Unser normaler Taxi-Betrieb ist um 90 Prozent eingebrochen“, sagt Alexander Dahm, Geschäftsführer von Taxi Gauer-Dahm in Trier. Nun habe er Kurzarbeit für seine 152 Mitarbeiter beantragt. „Die Lage ist für uns sehr problematisch“, sagt er. Um die Einbrüche abzufangen, bietet er seit kurzem verstärkt Besorgungsfahrten an. „Früher hatten wir ungefähr fünf Anrufe pro Woche von Leuten, denen wir abends mal einen Kasten Bier von der Tankstelle besorgt haben“, erzählt Dahm. „Im Moment sind es fünf Anrufe am Tag. Die Leute wollen dann wirklich notwendige Dinge haben.“ Dann gingen seine Fahrer für Kunden einkaufen im Supermarkt oder in die Apotheke. In Rechnung stelle er aber nur die Fahrt und die eingekauften Waren, nicht aber seine Dienstleistung als Einkäufer.