Startbahn in den Beruf

WELSCHBILLIG. Jeder zweite Jugendliche der Initiative "Neue Förderstruktur" hat Arbeit bekommen – für ein Pilotprojekt mit jungen Leuten, die aus verschiedenen Gründen ein Handicap aufweisen, eine gute Bilanz, betonten die Agentur für Arbeit und die acht beteiligten Träger aus der Region Trier bei einem Pressegespräch im Jugendzentrum Helenenberg.

"Neue Förderstruktur" nennt sich ein bundesweites Pilotprojekt der Arbeitsverwaltung, das sich zum Ziel gesetzt hat, die berufliche Integration von jungen Arbeitssuchenden durch eine individuelle und flexible Förderung anzustoßen. Teil des Modellversuchs ist das Projekt "Startbahn", das Anfang 2002 von den fünf Trägern Dekra Akademie Gerolstein, Berufsbildungsstätte "Don Bosco" Helenenberg, dem Verein "Lernen Fördern", dem Trierer Bürgerservice und der "Caritas learn factory" Trier-Ehrang ins Leben gerufen wurde. Mehr als 170 Jugendliche haben über "Startbahn" die Hürde in den Arbeitsmarkt überspringen können. Von den 380 Teilnehmern hatten ein Viertel einen Migrationshintergrund, acht Prozent sind behindert. Wie Marina den passenden Job fand

Verfolgen wir den Weg der 18-jährigen Marina, die nach dem Hauptschulabschluss keine Ausbildungsstelle fand: Beim Bürgerservice gibt es zunächst eine intensive Eignungsfeststellung, bei der insbesondere ihre Stärken - sowohl fachlich als auch die Sozialkompetenz betreffend - ermittelt wurden. Nach theoretischen Tests und Schnupperphasen in Ausbildungsstätten macht sie ein Praktikum als Damenschneiderin; beim "Startbahn"-Partner "Lernen Fördern" belegt sie einen Kurs zur Erlangung des "Europäischen Computerführerscheins" und entscheidet sich schließlich, dort ein Praktikum als Mediengestalterin zu absolvieren. Marina wird bald klar, dass dies nicht das Richtige für sie ist und sie beginnt - begleitet von Sozialpädagogen - ein Praktikum in einer Arztpraxis. Marina hat Spaß daran, ihr Arbeitgeber ist zufrieden und sie hat nach neunmonatiger Qualifizierung und Berufsorientierung eine geeignete Ausbildungsstelle gefunden.Eckwerte für künftige Zusammenarbeit festgelegt

Bei Stefan (19) ergab der Kompetenztest, dass er auf gewerblich-technischem Gebiet und im kaufmännischen Bereich Stärken aufweist. Die Metallwerkstatt im Berufsbildungszentrum Helenenberg war die erste Station, die zweite ein Praktikumssplatz im Einzelhandel. Der Betrieb erklärte sich bereit, Stefan auszubilden und nach drei Monaten war die Anlaufstation "Startbahn" erfolgreich absolviert. Dies sind nur zwei Beispiele aus dem Bereich "Konsortium 1" des vom Bundesbildungsministerium finanzierten Projekts. Das zweite Konsortium in der Region Trier setzt sich zusammen aus der Gesellschaft zur Förderung des Handwerks (Handwerkskammer Trier), dem Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Wittlich (ÜAZ) und dem Berufsbildungszentrum Bitburg (Bebiz). Es gab 217 Teilnehmer, die Hälfte davon erreichten Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisse. Kurz vor Ende der vierjährigen Modellzeit tauschten am Freitag die Beteiligten bei einer Fachtagung im Jugendzentrum "Don Bosco" auf dem Helenenberg Ergebnisse und Erfahrungen aus und legten Eckwerte für die künftige Zusammenarbeit fest.