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Startrampe in ein selbstbestimmtes Leben

Startrampe in ein selbstbestimmtes Leben

Die Idee war damals, vor 30 Jahren, in einer Zeit mit hoher Jugendarbeitslosigkeit beinahe revolutionär: Mädchen und junge Frauen mit Lernbeeinträchtigungen und Behinderungen sollten durch ein besonderes Angebot beruflich qualifiziert und ausgebildet werden. Seitdem ist das Berufsbildungszentrum Haus Elisabeth in Mehring an der Mosel für 173 junge Mädchen zur Pforte in ein selbstständiges Leben geworden.

Mehring. Bei der großen Jubiläumsfeier zum 30. Geburtstag mit vielen Kooperationspartnern des Hauses wurde in den unterschiedlichen Aufführungen der jungen Leute deutlich, was Caritasdirektorin Sandra Bartmann als "Kernaufgabe" ihres Verbandes bezeichnete: Menschen zu unterstützen, die aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, ihre Ziele zu erreichen.
Und das bedeutet, einen sicheren Arbeitsplatz zu bekommen, der die Existenzgrundlage sichert, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und das eigene Leben sinnvoll zu gestalten.
Abteilungsleiterin Monika Berger ließ die Erfolgsgeschichte des Hauses Revue passieren. Alles begann 1981 im "Haus Timpert" in der Gemeinde Kasel im Ruwertal, als 14 junge Frauen "mit besonderem Förderbedarf" ihre Ausbildung aufnahmen. Träger war der Caritasverband für die Diözese Trier in Kooperation mit dem Landesarbeitsamt Rheinland-Pfalz/Saarland und dem Berufsbildungswerk Neuwied der Josefsgesellschaft. In der damals noch zweijährigen Ausbildung zur "Hauswirtschaftstechnischen Betriebshelferin" wurden die Auszubildenden in den drei Bereichen Küche, Haus- und Wäschepflege sowie Textiles Gestalten auf ihr Berufsleben in Großbetrieben und Familienhaushalten vorbereitet. Fünf Jahre später wurde die Ausbildung um ein Jahr verlängert, das Berufsbild in "Hauswirtschaftshelferin" umbenannt. 1988 ging die Trägerschaft der Einrichtung an den Caritasverband Trier über. Gleichzeitig intensivierte man die Kooperation mit der Agentur für Arbeit in Trier. Noch im gleichen Jahr zog man von Kasel nach Mehring um. Aus dem "Haus Timpert" wurde das "Haus Elisabeth" mit derzeit 28 Hauswirtschaftshelferinnen in der Ausbildung, einer Beiköchin und einer Teilnehmerin einer individuellen Qualifizierungsmaßnahme. Im angegliederten Jugendwohnheim sind die jungen Leute untergebracht, die weiter entfernt wohnen und nicht täglich pendeln können.
"Ausgebildet werden wir in den Bereichen Hausreinigung, -gestaltung und Service, Textilpflege sowie Küche und Service", erzählt Praktikantin Jenny. "Ich finde alles am Haus Elisabeth gut, und am besten, dass ich eine zweite Chance bekomme, meine Ausbildung eventuell wieder aufzunehmen und zu beenden." Auch Tanja aus der Mittelstufe schätzt die Förderung, vor allem vor einer Zwischen- oder Abschlussprüfung. "Der Förderunterricht hilft sehr weiter." Nadine freut sich, dass sie mit "so vielen Mädchen gemeinsam die Ausbildung macht und nicht allein in einem Betrieb arbeitet."
Judith Weber, die von 2005 bis 2008 im Haus Elisabeth war, arbeitet seitdem in Festanstellung im Seniorenzentrum der Barmherzigen Brüder. "Ohne diese Ausbildung hätte ich meine Stelle nicht bekommen." Auch Victoria Voigt, die von 2007 bis 2010 in Mehring ausgebildet wurde und heute in Festanstellung im Hotel Casa Verde arbeitet, sagt: "Es war eine tolle Erfahrung mit so vielen Mädels in einem Haus zu sein. Es gab aber auch Zickenkrieg."
Den Auszubildenden im Haus Elisabeth stehen während ihrer dreijährigen Ausbildung feste Bezugspersonen zur Seite. Dabei bilden jeweils eine Ausbilderin und eine Pädagogin ein Betreuungsteam. Dieses Team unterstützt die jungen Leute bei Schwierigkeiten in der Ausbildung, hält aber auch Kontakt zu den Eltern und bindet sie in die Förderung ein. Projekteinheiten zu gesellschaftspolitischen und altersspezifischen Themen begleiten die Ausbildung, abgerundet von kreativen und sportlichen Angeboten.