Stationen marode, Pfad zugewachsen, Mauer baufällig: Kreuzweg strahlt Charme des Verfalls aus

Stationen marode, Pfad zugewachsen, Mauer baufällig: Kreuzweg strahlt Charme des Verfalls aus

Gern pilgern Einheimische und Touristen den pittoresken Kreuzweg zum Trierer Petrisberg hinauf. Und wundern sich. Die Kreuzwegstationen sind in einem beklagenswerten Zustand, der Weg halb zugewachsen, die Weinbergsmauer bröckelt. Den Eigentümern ist das Problem bekannt, sie denken über Lösungen nach.

Trier. Noch im Herbst wühlten Wildschweine voller Wonne am Wegesrand und schoben oben an der Kapelle Zum Kreuzchen reichlich Erde auf den mit Natursteinen gepflasterten Weg. Der ist ohnehin in einem miserablen Zustand, denn Unkraut, Gras und Moos erobern sich immer mehr Fläche zurück. Der Stadt Trier, zuständig für den Kreuzweg, ist das Problem bekannt. "Der Weg soll mindestens zweimal im Jahr vom Stadtreinigungsamt gereinigt und gesäubert werden", sagt Ralf Frühauf vom städtischen Presseamt.

"Doch leider wachsen hier sehr stark Gras und Unkraut, was nicht gut im Zaun zu halten ist." 2016 war der Trupp vom Stadtreinigungsamt gleich viermal im Einsatz, um Treppe, Fußweg und Rinne wieder präsentabel zu machen. Ein Teil der Treppenanlage sei bereits einmal saniert worden, vor der Landesgartenschau im Jahr 2004 - der mittlere Teil des Pfades soll in den nächsten Jahren drankommen, erklärt Frühauf. Der genaue Termin dafür stehe noch nicht fest.

Lange her ist auch die Kompletterneuerung der Kreuzwegstationen. 1998 war das und hat 21 000 D-Mark gekostet. Mit Graffiti besprüht, bemoost und verschmutzt, modern die Reliefs entlang des Kreuzwegs vor sich hin. Eine bedauerliche Tatsache, die dem Bischöflichen Konvikt als Eigentümer nur zu gut bekannt ist. Einst errichtet von der Marianischen Bürgersodalität unter Bischof Josef von Hommer (1824-1836), wurden sie zuletzt zwischen 1925 und 1930 vom Trie rer Bildhauer Anton Nagel neu erschaffen. Doch die Nähe zum Wald, verbunden mit Feuchtigkeit und sprühwütigen Zeitgenossen, fordert seinen Tribut. "Immer wieder stand das Thema Sanierung oder Erneuerung auf der Agenda", sagt Judith Rupp, stellvertretende Pressesprecherin des Bistums Trier. Auf der nächsten Sitzung im März wolle der Verwaltungsrat des Konviktes über eine erneute Sanierung reden. Ein entsprechendes Angebot werde eingeholt.

Als der TV bei den Vereinigten Hospitien wegen der maroden Wingertsmauer anruft, reagieren die Verantwortlichen schnell. Nach einer Ortsbegehung stellen sie fest: Hier müssen wir was tun. Im Frühjahr will Weingutsleiter Joachim Arns ohnehin die drei Hektar unterhalb von Mauer und Zaun mit Riesling (zwei Hektar) und Weißburgunder (ein Hektar) neu bepflanzen. Ein Jahr lang lag die Fläche der Lage St. Maximiner Kreuzberg brach, der Boden hatte Zeit, sich zu regenerieren. Zur Gründüngung wurden die Pflanzen Phacelia, Ölrettich und Raps eingesät und später abgemulcht. "Wir wollen künftig möglichst wenig Chemie einsetzen und immer mehr biologisch arbeiten", sagt Arns. Da passt es den Hospitien ganz gut ins Konzept, wenn sie in einem die Wingertsmauer renovieren müssen, die immerhin ein Biotop für Pflanzen, Insekten und Zauneidechsen bildet. "Sobald die Witterung es zulässt, werden wir die Stellen ausbessern, von denen Gefahr ausgeht."

Bei angenehmeren Temperaturen werden auch öfter wieder Touristen und Einheimische den Kreuzweg hinauf oder hinunter spazieren. Und sich vielleicht freuen. Über den Pfad mit seinem wunderbar weiten Ausblick auf die Stadt Trier, der jede Sanierung verdient hat.

Ein Video finden Sie unter www.volksfreund.de/videosExtra

Foto: (h_st )
Foto: (h_st )
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Der Kreuzweg beginnt an der Kurfürstenstraße in Trier-Ost und führt über Kürenz zur Kapelle Zum Kreuzchen bis hinauf auf den Petrisberg. Angelegt wurde er von der Marianischen Bürgersodalität im 19. Jahrhundert. Besonders in der Fastenzeit, aber auch in der Karwoche pilgern viele Katholiken den Kreuzweg hinauf. vk

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