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Statt gekickt Geldautomaten geknackt? Prozess gegen vier Angeklagte fortgesetzt – Zeugen sagen aus

Statt gekickt Geldautomaten geknackt? Prozess gegen vier Angeklagte fortgesetzt – Zeugen sagen aus

Handydaten, Geldtransfers, Mietwagen: Beim dritten Verhandlungstag im Prozess um geknackte Geldautomaten in der Eifel ging es um die Spurenlage nach den Überfällen auf vier Bankfilialen. Unter anderem sagten fünf Polizeibeamte als Zeugen vor dem Landgericht Trier aus. Die vier Angeklagten, die durch die Aussagen belastet wurden, schweigen von Beginn an.

Es war die Nacht vom 4. auf den 5. Januar: Zwei der Angeklagten sollen sich per Handy zum "Fußballspielen" verabredet haben, so sagte es einer der Zeugen, ein 36-jähriger Polizeibeamter, gestern vor dem Landgericht Trier aus. Aber statt zum Kicken sollen die beiden Männer sich aufgemacht haben, um in Badem einen Geldautomaten in der Kreissparkasse (KSK) zu knacken. Auffällig: Laut dem Zeugen gab es bereits vorher eine solche Verabredung, nämlich im Dezember, als die beiden Angeklagten sowie weitere Männer, womöglich die zwei anderen Angeklagten, die Bank in Badem auskundschafteten. Dies war der letzte Coup des Quartetts. Danach wurden die zu diesem Zeitpunkt schon von der Polizei observierten Männer festgenommen.
Die Vier sind wegen schweren Bandendiebstahls angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, zwischen November 2013 und Januar 2014 nicht nur den Geldautomaten in Badem geknackt und dabei 78.000 Euro erbeutet zu haben, sondern diese Masche auch in Wittlich (Beute knapp 70.000 Euro) und in Daun (Beute 32.000 Euro) durchgezogen zu haben. Auch in Gerolstein soll das Quartett versucht haben, den Automaten in einer Bank aufzuhebeln. Dort ist sind die Männer aber von einem Obdachlosen gestört worden, der in dem Vorraum der Bank übernachtete. Den Dauner Automaten sollen die Täter aus der Wand gerissen und mit einem Lieferwagen abtransportiert haben.
Aktenberge und viele Zeugen
Die Angeklagten schweigen seit dem ersten Prozesstag. Deshalb müsse auch dies während des Hauptverfahrens geklärt werden, erklärt Staatsanwalt Benjamin Gehlen. Etwa 50 Zeugen - vom Obdachlosen über Bankmitarbeiter, Polizisten und Bekannte der Angeklagten - werden in den bislang acht angesetzten Verhandlungstagen gehört. "Aber das Verfahren kann auch noch länger dauern", sagt Gehlen. Entsprechend groß ist der Aktenberg, der sich auf den Tischen von Richter, Staatsanwalt und den fünf Verteidigern auftürmt.
Die Polizeibeamten, die am dritten Prozesstag aussagen, scheinen die Anklage zu bestätigen. Dabei ging es um Geldtransfers, die auf mindestens zwei der Angeklagten zurückzuführen sind und für die sie Finanzdienstleister wie Western Union und Money Gram verwendet haben. In den meisten der 47 Fälle ging das Geld - insgesamt fast 36.200 Euro - von Deutschland is Ausland, immer in einzelnen Beträgen zwischen 86 und 6000 Euro (ab dieser Summe werden besondere Sicherheitsprüfungen vorgenommen). Die auffälligsten Transfers datiert der 50-jährige Polizeihauptkommissar, der dazu aussagt, auf den 4. November, den Tag nach der Tat in Wittlich.
Weitere Indizien: Einer der mutmaßlichen Täter soll mit rot eingefärbten Geldscheinen in einem Kasino in Trier gespielt haben. Dazu wurde ein Bekannter von ihm als Zeuge gehört, der für den Angeklagten auch zwei Mal einen Mietwagen besorgt hatte, vermutlich die Tatfahrzeuge. In einem der Autos hat die Polizei rote Farbreste gesichert - es war im Tatzeitraum des Überfalls in Daun gemietet. Der gleiche Angeklagte hatte von einem Bekannten eine Garage gemietet, darin wurde Werkzeug gefunden sowie rot eingefärbte Geldscheine. Auch die Handy- und GPS-daten waren Gegenstand der Hauptverhandlung und deuten auf eine Täterschaft der Angeklagten hin.
Bei den folgenden Terminen sagen weitere Polizeibeamten aus, auch der Obdachlose, der die Täter in Gerolstein gestört hatte, wird dann gehört.