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Steggelcher mit Zewener Zungenschlag

Steggelcher mit Zewener Zungenschlag

TRIER-ZEWEN. Sieben Kilometer liegt Zewen von Trier entfernt. Und obwohl das Dorf seit 1969 zur Stadt gehört, sind diese sieben Kilometer ausreichend, um bis heute eine eigene, sich vom Trierischen unterscheidende Mundart zu pflegen. "Ees Mottersproach" – so betitelt der Zewener Reinhold Zimmer sein erstes Buch und meint damit das "Zewena Platt".

In Zewen sind mit Queischreck, Mook und Hinkel Eichhörnchen, Kröte und Küken gemeint. Wem diese sprachlichen Spezialitäten bisher unverständlich waren, findet im Mundartwörterbuch von Zimmers Publikation Aufklärung. Der erste Teil ist - alphabetisch geordnet - den Vokabeln gewidmet. Außerdem erfährt der "Mottersproach"-Interessierte anhand von Geschichten, Redensarten und Gedichten mehr über das Wesen der Zewener, die sich auch "Baknaufen" nennen, seitdem sie damit Lästermäulern aus anderen Dörfern die Grundlage für den Spott nehmen konnten. Das Buch von Reinhold Zimmer ist eine Art kollektives Gedächtnis, denn der 69-Jährige hat bei der Arbeit Wert darauf gelegt, die Zewener selbst zu Wort kommen zu lassen. So gibt es einige Verfasser, die Geschichten und Gedichte beisteuerten und selbst aus dem "Exil" Erinnerungen an ihren Heimatort nach Zewen schickten. Gastautoren sind unter anderem Willibald Trierweiler, Albert Zimmer, Hedy Anderson aus Arizona. "Echte" Zewener durch Fragebögen einbezogen

Auf Fragebögen hatte Zimmer, pensionierter Grund- und Hauptschullehrer, Zewen-typische Ausdrücke und Wendungen bei Einwohnern gesammelt, die den Dialekt beherrschen. Zu lesen sind auf unterhaltsame Weise rührselige Stücke, deftige Erzählungen und "Steggelcher zum Schmunzeln". Garniert sind die Beiträge mit Zeichnungen und Illustrationen des Zeweners Hermann Reinsbach, die Szenen aus dem Dorfleben zeigen. Die Gestaltung des Umschlags und der Majuskeln im alphabetischen Lexikon übernahm Horst Borsch aus Mendig. Als Autor, Herausgeber und Verleger in Personalunion zeichnet Zimmer verantwortlich für das Buch, das auf über 200 Seiten gegen das Vergessen von identifikationsstiftendem und verbindendem Sprachgebrauch wirken soll und ein Geschenk an die Zewener darstellt. Seinen Plan, die eigene Mundart als über Jahrhunderte gewachsenes Kulturgut zu bewahren, hat der gebürtige Zewener Reinhold Zimmer über Monate verfolgt. "Aber Sprache ist etwas Lebendiges, deshalb kann ein Wörterbuch nie fertig sein", sagt er. Um das "Zewena Platt" nicht nur lesen, sondern auch sprechen zu können, ist der nächste Schritt für Neu-Autor Zimmer, einen Mundart-Stammtisch zu initiieren. Das erste Treffen ist für Ende Januar 2006 geplant.