Stein auf Stein mit Lichterschein

Stein auf Stein mit Lichterschein

Michelle Wamich ist mit vollem Elan dabei: Die 21-Jährige, die bei der Holz & Holz Massivbau GmbH in Feuerscheid im ersten Lehrjahr den Beruf der Maurerin erlernt, ist so begeistert von ihrer Arbeit, dass sie sich ein ganz besonderes Projekt vorgenommen hat. Zusammen mit einem Kollegen schuf sie in ihrer Freizeit einen Weihnachtsbaum aus Stein.

Kenn/Feuerscheid. Der Eingangsbereich des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer (HWK) Trier in Kenn glich vor zwei Wochen einer Baustelle. Am späten Nachmittag fanden sich dort zwei angehende Maurer ein, um aus mehr als 200 Kalksandsteinquadern einen etwa 2,70 Meter hohen Weihnachtsbaum zu errichten. Michelle Wamich hat sich dieses festlich-handwerkliche Projekt vorgenommen. Nach Feierabend fuhr die 21-Jährige, die in Prüm zu Hause ist, nach Kenn, um in ihrer Freizeit den Baum Stein für Stein wachsen zu lassen.
Tatkräftig unterstützt wurde sie dabei von ihrem 17-jährigen Kollegen Domenic Wolf. Am Freitag vor dem dritten Advent sind die zwei Maurer-Auszubildenden im ersten Lehrjahr fertig geworden.
Viel Zeit investiert


Es sei doch etwas zeitaufwendiger gewesen, als sie anfangs gedacht habe, sagt die 21-Jährige, während sie mit einem Fugeisen sorgfältig den Mörtel zwischen den Steinen glattstreicht. Kein Wunder, handelt es sich bei dem Baum aus Stein doch um eine Arbeit mit "immensem Schwierigkeitsgrad", wie Ralf Schmitz, Maurer-Meister und Leiter des Fachbereichs Bau bei der HWK, anerkennend betont. Die besondere Herausforderung bei dem Sichtmauerwerk: Die Steine werden nicht flach, sondern hochkant aufeinander gesetzt, mit der Wasserwaage muss jeder einzelne exakt positioniert werden und die Fugen müssen alle gleich dick sein. Eine weitere Herausforderung: Der Mauerwerksverband geht über acht Ecken. Für welche Stelle sie die Steine wie zuschneiden muss, entnahm die Auszubildende ihrer Konstruktionsskizze, die sie zuvor angefertigt hatte.
Michelle Wamich ist mit Leidenschaft dabei - nicht nur beim Weihnachtsbaum-Mauern. Sie ist rundum zufrieden mit ihrer Berufswahl: "Man arbeitet viel im Freien, powert sich aus und abends kann man sehen, was man geschafft hat." Auch die Berufsschule besucht die 21-Jährige gern. Der Vorteil bei einem Handwerk: Die Theorie lasse sich viel besser und schneller verstehen, weil man sie direkt in der Praxis anwenden kann, sagt sie. Etwa, wenn es bei der Maßordnung im Hochbau um Begriffe wie Achtelmeter- und Baurichtmaß geht.
Weit und breit die einzige Frau


Dass sie sowohl in ihrer Berufsschulklasse wie auch in ihrem Ausbildungsbetrieb, der Holz & Holz Massivbau GmbH in Feuerscheid in der Verbandsgemeinde Prüm, die einzige Frau ist, stört sie nicht - im Gegenteil: Sie findet das Arbeiten mit Männern "viel einfacher, unkomplizierter und lockerer".
Nach ihrer Ausbildung möchte sie unbedingt weiter lernen. Vielleicht macht sie ihren Meister. Oder sie holt ihr Abitur nach, um anschließend zu studieren, Bauingenieurwesen oder Architektur vielleicht. Ihr Baum wird dann wahrscheinlich immer noch in Kenn zu bewundern sein. Aber nur zur Weihnachtszeit. Den Rest des Jahres verbringt er dann verborgen unter einer Art Litfaßsäule.
Extra

Foto: Ariane Arndt-Jakobs (arn) ("TV-Upload Arndt-Jakobs"
Foto: Ariane Arndt-Jakobs (arn) ("TV-Upload Arndt-Jakobs"

Maurer stellen Rohbauten für Wohn- und Geschäftsgebäude her. Zunächst betonieren sie das Fundament, dann mauern beziehungsweise betonieren sie Außen- und Innenwände sowie Geschossdecken oder montieren diese aus Fertigteilen. Für Betonarbeiten fertigen sie Schalungen oder montieren Schalungssysteme. Sie setzen Bewehrungen ein, die sie aus Betonstahl zum Teil selbst anfertigen. Sie mischen Beton oder verarbeiten fertig gelieferten Transportbeton. Den frischen Beton bringen sie in die Schalungen ein und verdichten ihn. Teilweise verputzen sie auch Wände, verlegen Estriche oder bauen Dämm- und Isoliermaterialien ein. Darüber hinaus führen sie Abbruch- und Umbauarbeiten durch. Bei Instandsetzungs- und Sanierungsarbeiten stellen sie Bauschäden und deren Ursachen fest und beheben diese (Quelle: berufenet.arbeitsagentur.de). Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Vergütung beträgt laut Handwerkskammer Trier (HWK) im ersten Lehrjahr 708 Euro, im zweiten 1088 Euro und im dritten 1374 Euro. Gesetzlich ist kein Schulabschluss erforderlich, die Anforderungen der Betriebe können laut HWK vom ordentlichen Hauptschulabschluss über Mittlere Reife bis zum Abitur reichen. Im Kammerbezirk Trier gibt es 111 Ausbildungsbetriebe, für 2016 sind bislang 22 freie Ausbildungsstellen gemeldet. arn Mehr Infos im Internet: <%LINK auto="true" href="http://www.hwk-trier.de" text="www.hwk-trier.de" class="more"%>

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