Steine erinnern

TRIER. Der Kölner Künstler Gunter Demning verlegt zum vierten Mal Stolpersteine in den Trierer Straßen, um das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus' wachzuhalten.

Zuerst zeichnet Gunter Demning mit Kreide ein kleines Quadrat auf den Boden, dann greift er zu einer schweren Kreissäge und beginnt unter ohrenbetäubendem Lärm den Asphalt aufzuschneiden. Einige Passanten bleiben neugierig stehen, andere eilen verwundert weiter, während der Kölner Künstler schon das nächste Werkzeug zur Hand nimmt und ansetzt, mit einem großen Schlagbohrer ein Loch für den kleinen Steinquader freizulegen. Man merkt, Demning ist routiniert, hat er doch schon bereits in einigen Städten zahlreiche Stolpersteine verlegt. Angefertigt werden die Steine mit der Messingplatte im Atelier des Künstlers. Neben Namen und Jahrgang der Opfer werden das Jahr der Deportation sowie Datum und Ort ihrer Ermordung in das Metall eingraviert, bevor die kleinen Mahnmale am letzten Wohnort der Opfer ebenerdig ins Straßenpflaster eingelassen werden. 17 Stolpersteine hat Demning in der Paulin-, der Rahnen-, Wechsel-, Zuckerberg, Nikolaus- und Eberhardstraße verlegt. Damit erinnern in Trier inzwischen insgesamt 38 Steine an die Triererinnen und Trierer, die von den Nationalsozialisten aufgrund des Rassenwahns, oder weil sie aus anderen Gründen der Diktatur im Wege standen, deportiert und ermordet wurden. Weitere Steinverlegungen in Trier hat Demning für den Februar geplant. Unterstützt wird das Projekt von der AG Frieden (AGF), dem Kulturverein Kürenz (KKV) und der Universität Trier. Die Biografien der Opfer wurden im Rahmen eines Projektseminars von Studenten des Faches Geschichte gemeinsam mit den Dozenten Thomas Schnitzler, Thomas Grotum und Professor Lutz Raphael erarbeitet. "Wir sind mit diesem Projekt auf eine sehr große Resonanz und auf sehr großes Interesse seitens der Studierenden gestoßen", betont Schnitzler. So hätten die Studenten aus den einzelnen Arbeitsgruppen sich auch gerne dazu bereit erklärt, während der Stolpersteinverlegung anwesend zu sein, um interessierten Passanten Rede und Antwort zu stehen und von ihren Forschungsergebnissen zu berichten.

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