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Steipe am Trierer Hauptmarkt erstrahlt zum Jubiläum in frischem Glanz

Historisches Trier : Doppelte „Schwarz-Arbeit“ für frischen Glanz

Die Steipe am Trierer Hauptmarkt soll zum Jubiläum ihren Glanz zurückerhalten. Ein Fall für Peter Schwarz und seinen Cousin Stefan Schwarz.

Um eventuelle Missverständnisse gleich auszuschließen: „Schwarz-Arbeit“ ist in Trier ein alter Branchen-Scherz, wenn die Malerfirma Peter Schwarz & Sohn zu Werke geht. Inhaber Peter Schwarz (55), Enkel des gleichnamigen Gründers und Sohn des Sohns (Werner) aus dem Firmennamen führt den Betrieb in der dritten Generation und kann mit dem Wortspiel gut leben: „In unserem Fall steht es ja für Qualität.“ Die stellt der Malermeister aktuell an exponierter Stelle unter Beweis: am Steipenbering direkt am Hauptmarkt. Der Auftrag: die ursprüngliche Optik des illustren Gebäudeensembles mit Spezialfarben zu rekonstruieren. Ursprünglich bedeutet hier: den Glanz von anno 1970 wiederherstellen. Denn Steipe & Co., wie man sie heute kennt, gibt es erst seit 1970. Die Originale gingen im Bombenhagel der 1944er Dezember-Angriffe verloren. Fortan prägte eine schmerzhaft klaffende Baulücke den Hauptmarkt. Erst seit 50 Jahren ist „ons Steip’’“ wieder da – als äußerlich originalgetreuer Neubau. Damit ist sie eines der jüngsten Baudenkmäler der ältesten Stadt Deutschlands, doch an ihr nagt der Zahn der Zeit. Die auf Forschungen von Friedrich Kutzbach in den 1930er Jahren basierende und zwischenzeitlich aufgefrischte Farbgebung war verwittert. Zum Jubiläum stiftet die Günther-und-Käthi-Reh-Stiftung, per Erbpachtvertrag mit der Stadt Hausherr, dem Steipenbering eine farbliche Runderneuerung. Peter Schwarz hat dazu seinen Cousin Stefan Schwarz (61) mit ins Boot genommen. Der international tätige freischaffende Restaurator und Maler ließ sich nicht zweimal zur doppelten „Schwarz-Arbeit“ bitten: „Für mich als Trierer ist dieses ,Heimspiel’ an der Steipe ein Traum.“ Sein Job sind die Filigranarbeiten vor allem am Figurenschmuck: Die Kopien (Originale im Stadtmuseum) der Heiligen Petrus, Paulus, Jakobus und Helena strahlen wieder, ebenso die beiden geharnischten Ritter. Die Lettern des „Vor Rom stand Trier ...“-Spruchs am Roten Haus, der auf die sagenhafte Stadtgründung anspielt, wurde mit Blattgold nachgearbeitet. Außerdem waren fehlende Teile wie eine Ritterhand zu rekonstruieren und zu ergänzen. An der Steipe und dem Roten Haus ist die Arbeit fast abgeschlossen, bis Mitte Mai folgen noch kleinere Aufhübschungsaktionen bis hin zum Spielzeugmuseum.

Insgesamt rund 200 000 Euro (einschließlich Arbeiten an Kellern und Dächern) lässt sich die Reh-Stiftung nach Worten ihres Prokuristen Klaus Frank (61) die Runderneuerung des Steipenberings kosten.

 Ansichtskartenidylle noch voraussichtlich zwei Wochen außer Betrieb: Seit März verbirgt sich die Steipe (rechts) hinter einem Gerüst, seit zwei Wochen auch das benachbarte Rote Haus.
Ansichtskartenidylle noch voraussichtlich zwei Wochen außer Betrieb: Seit März verbirgt sich die Steipe (rechts) hinter einem Gerüst, seit zwei Wochen auch das benachbarte Rote Haus. Foto: Roland Morgen

Peter Ahlhelm (61) von der städtischen Denkmalpflege lobt das Projekt: „Es basiert auf einer angenehmen und fruchtbaren Zusammenarbeit. Ich bin sicher, das Ergebnis wird den Trierern gefallen.“