Stelzen gegen Gewalt und Drogen

Stelzen gegen Gewalt und Drogen

TRIER. Mit viel Herz und Engagement hat die Trierer Psychologiestudentin Nahide Pooya Straßenkinder des Elendsviertels im brasilianischen Recife für das Stelzenlaufen begeistert.

Was tun, wenn zwei Auslandssemester an einer Universität in Brasilien geplant sind, diese nach dem ersten Semester aber bestreikt wird? Die Sonne am Strand genießen und denken, was für ein Glückspilz man doch ist? Nein. Nahide Pooya aus Trier ist genau das passiert, doch anstatt sich auf die faule Haut zu legen, hat sie ein Praktikum bei der Organisation "Galpao dos Meninos e Meninas de Santo Amaro" in der Stadt Recife gemacht, einem Zentrum für Jungen und Mädchen im Armenviertel Santo Amaro. "Ich hatte keine Lust, nur am Strand rumzuliegen und fand es viel interessanter, die andere Seite von Brasilien kennen zu lernen", sagt die 24-Jährige. Die Institution ist eine Anlaufstelle für Kinder bis etwa 17 Jahre, die schon von klein auf mit Gewalt und Drogenhandel konfrontiert werden. Vormittags und nachmittags werden Workshops angeboten - Fußball zum Beispiel, Tanzen, Malen oder Radio -, bei denen die Kleinen einfach mal Kind sein können und auch etwas zu essen bekommen. Nicht das für Praktika typische Kaffee kochen oder Akten sortieren gehörte dort zu Nahides Aufgaben, ganz im Gegenteil: Sie wurde direkt gefragt, was sie denn anbieten könne. "Ich habe ihnen von den Stelzen erzählt, da ich in Trier bei dem Stelzentheater Circolo mitmache", erzählt sie. Nachdem die Idee begeistert aufgenommen wurde, begann im Dezember 2005 die Planung mit einem Tanz- und einem Percussionlehrer. Geplant war ein Auftritt mit bunten Kostümen und Akrobatikeinlagen auf den Stelzen beim Karneval Ende Februar 2006. Die Kinder begeisterten sich für das Stelzentheater sofort und gingen mit großer Motivation an die Sache, da es für die meisten etwas völlig Neues war. "Für die Kinder war es ein absolutes Highlight und sehr wichtig, aufzutreten und zu zeigen, dass sie etwas können", berichtet die Studentin. Finanziert wurde das Projekt durch eine Spendenaktion über die Trierer Organisation Casa-Kibera, die immer noch läuft. Für sich selbst nimmt die gebürtige Hessin die Erfahrung mit, dass die Menschen in Brasilien, obwohl sie fast nichts haben, bereit sind, viel zu geben - und dass sie ihre Ideale sehr hoch halten. "Man könnte sich von den Leuten in Brasilien eine dicke Scheibe abschneiden. Wenn jeder hier so handeln würde, dann würde es auf der Welt ganz anders aussehen", resümiert Nahide.

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