Stelzenlaufen stärkt das Selbstvertrauen

Ein körperbetontes, künstlerisch-kreatives Anti-Langeweile-Programm: Die Jugendpflege der Verbandsgemeinde Ruwer und der Trierer Verein "Transcultur e.V." stellten Jugendliche auf Stelzen - und denen machte es viel Spaß.

Stelzenlauf in der Gruppe: Es geht um Teamgeist und das eigene Selbstvertrauen. TV-Foto: Anja Fait

Waldrach. (anf) Vielfalt tut gut. So heißt das im Januar 2007 gestartete Bundesprojekt mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche möglichst früh für die grundlegenden Regeln eines friedlichen und demokratischen Zusammenlebens zu gewinnen. Das Projekt "Blickwechsel" ist ein vom Land Rheinland-Pfalz, dem Landkreis Trier-Saarburg und der Stadt Trier geförderter Teil davon, den der Trierer Verein "Transcultur e.V." gemeinsam mit der Jugendpflege der Verbandsgemeinde Ruwer (VG) nutzt, um Langeweile und Extremismus mit Stelzenlauf und weiteren Zirkuskünsten entgegenzuwirken.

Für die Kinder ist es auch eine Herausforderung: Bumm! Ein lauter Knall in der Turnhalle der Grund- und Regionalschule Waldrach. Eins der Kinder ist gerade mit seinen Stelzen umgefallen. "Kein Problem, das gehört dazu", sagt Jean-Martin Solt vom "Transcultur" ruhig. "Das Erste, was sie hier lernen, ist richtig zu fallen." Und die Kinder wissen genau, wovon er redet: "Wichtig ist, sich nach vorne auf die Knie- und Handgelenkschützer fallen zu lassen", weiß die zwölfjährige Lena. Das mache sogar richtig Spaß. Das Gefühl, wenn man sich extra fallen lasse, sei besser als auf der Achterbahn. "Das kribbele noch mehr", berichtet sie begeistert. Bereits am Morgen des zweiten Ferien-Workshoptages läuft das ganze Dutzend der teilnehmenden Kinder ohne Hilfestellung sicher auf den vier mal vier Zentimeter schmalen Profistelzen.

"Das Gefühl, einmal so groß zu sein"



Einige der teilnehmenden Kinder nutzen das Angebot nicht nur in den Ferien. In Waldrach wurde bereits vor knapp zwei Jahren eine Stelzengruppe gegründet. Und zwar mit Erfolg. Dass man etwas kann, was "nicht so leicht ist" und "das Gefühl, einfach mal so groß zu sein", hat die meisten trotz anfänglicher Angst weitermachen lassen.

Mittlerweile jongliert Johanna in schwindelerregender Höhe mit Bällen, andere Kinder lassen bunte Plastikteller in der Luft tanzen oder versuchen sich draußen im "Stelzen-Fußball". Lena und Philipp springen mit ihren gefederten Exemplaren sogar schon von Bänken und Bühnen. "Hier geht es nicht nur um das Erlernen des Stelzenlaufens", sagt Jean-Martin Solt. Es gehe vor allem um Selbstwertgefühl und Toleranz. Die Kinder brauchen sich gegenseitig. Entweder man akzeptiere den Anderen, oder man habe Mühe. Jugendpflegerin Julia Eiter: "Durch die Förderung haben wir die Möglichkeit mit echten Fachleuten vom Verein "Transcultur" zusammenarbeiten zu dürfen."

Fazit: Wer weiß, was er kann, und sich gut fühlt, verleiht weder der Langeweile noch dem Extremismus Macht. Ein Projekt mit positiven Nebenwirkungen. EXTRA Noch bis 2010 investiert der Bund jährlich 19 Millionen Euro in das Projekt "Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie". Unterstützt werden insgesamt 90 Städte, Gemeinden und Kreise sowie zahlreiche Modellprojekte mit dem Ziel Vielfalt, Toleranz und Demokratie als zentrale Werte der gesamten Gesellschaft zu festigen. Kinder und Jugendliche sollen hierdurch unter anderem immun gegen die Lockangebote extremistischer Verführer gemacht werden. In Waldrach werden in diesem Rahmen seit knapp zwei Jahren sowohl Stelzenlauf als auch Cajon-Trommeln angeboten. Interessenten für künftige Projekte sind jederzeit willkommen. Infos und Anmeldung bei der Jugendpflege oder direkt unter: www.transcultur.de