Sticheln, bis der Saal tobt

TRIER. Seit mehr als 20 Jahren bilden Eva "Elfi" Schmitz und Inge Scherrer ein Gesangsduo – zumeist bei Karnevalsveranstaltungen der "Biewener Hoahnen". Der Grund: ihre pure Freude am Singen und Gitarrespielen.

Die erste Gitarre ist immer etwas Besonderes. Inge Scherrer hat ihre als Kind bekommen. Aus einer Mappe mit etlichen Fotos und Artikeln holt sie ein altes Schwarz-Weiß-Bild hervor; es zeigt ein kleines Mädchen mit umgehängter Klampfe. Ein anderes Foto zeigt sie mit zwei Freundinnen auf einer Karnevalsbühne. "Das war unsere Band, ,Die Sternchen‘", erinnert sich die heute 59-jährige Ehrangerin.Die Band gibt es längst nicht mehr, aber Scherrer ist der Gitarre treu geblieben. Und sie tritt noch immer auf, allerdings nicht alleine. Seit 23 Jahren bildet Scherrer ein musikalisches Gesangsduo mit der "Elfi", Eva Schmitz aus Biewer - auf Karnevalssitzungen, Liederabenden und Familienfesten. Ihre Texte behandeln Gott und die Welt - Hauptsache, es macht Spaß und ist flott. Wenn es sein muss, weichen sie auch vom Text ab und improvisieren.

Kennen gelernt haben sich die beiden im Kirchenchor. "Wir könnten doch was zusammen spielen, allein ist langweilig", hätten sie damals gedacht. Auf einer Weiberfastnacht gab es den ersten Auftritt. "Wir haben das locker gesehen", erinnert sich Schmitz, von Lampenfieber keine Spur. Auch nicht auf den Kappensitzungen der "Biewener Hoahnen", bei denen das Duo vorwiegend auftritt. Fünfmal die Woche hätten sie seit vergangenem Dezember für die acht Stücke der jüngsten Kappensitzung geprobt, sagt Scherrer. Das Ergebnis ist eine Art kurzweiliger Kaffeeklatsch auf der Bühne, bei dem moderne Popmelodien (beispielsweise von Robbie Williams) mit alten Hits kombiniert werden.

Sie hätten sich immer nur als Laien gesehen, nicht als Profimusiker, sagt die 53-jährige Schmitz, Wirtin des "Alle Neun" in Biewer. Scherrer, beruflich beim Trierer Standesamt tätig, wundert sich jedesmal über die Reaktion des Publikums: "Ich bin hinsichtlich unserer Stücke eher zurückhaltend und nie komplett überzeugt, aber erstaunlicherweise kommt es bei den Leuten an." Dass sie ihr Handwerk beherrschen, zeigt das Repertoire von rund 50 Liedern. Manches textet Scherrer selbst um oder neu. "Früher waren wir diesbezüglich eher steif, heute legen wir nicht so viel Wert auf die Musik alleine, sondern auch auf das Gespräch zwischen uns, wir verkörpern uns in unseren eigenen Texten", erklärt Scherrer.

Verschieden, doch harmonisch

Im Gespräch wandern freundschaftlich gemeinte Sticheleien hin und zurück. "Wir sind total verschieden", sagt Schmitz mit einem Augenzwinkern, "aber wir ergänzen uns": sie, die Biewerer Ex-Karnevalsprinzessin, der die Narrenzeit die "schönste Epoche im Jahr" ist - dort ihre Gesangskollegin, die gerne malt, näht und die Akkorde schlägt. "Ich finde es gut, dass es den Karneval gibt", sagt Scherrer. Auch ihre Lieblingslieder sind unterschiedlich. Scherrer bevorzugt das "Warum, warum nur?" von Udo Jürgens, Schmitz verweist auf sich selbst: "Das ,Schokoladenlied‘ von Trude Herr. Damit identifiziere ich mich." Immerhin: Mit dem Beatles-Klassiker "Let it be" haben die beiden einen gemeinsamen Favoriten.

"Solange es Spaß macht, machen wir das hier mit", sagen beide. Auf der Bühne hätten sie früher frei aus dem Gedächtnis gesungen, sagt Scherrer. "Das klappt heute nicht mehr." Zudem müssen die Schriften der Liedtexte größer sein - der Augen wegen. Doch selbst wenn beide sich irgendwann doch zu alt für die "Narrhalla" fühlen würden - der Kirchenchor, in dem alles begann, steht ihnen weiterhin offen. Schmitz: "Da kann man auch als 80-Jährige noch mitsingen."

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