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Stille Andacht und laute Begegnungen - Bilanz der Heilig-Rock-Tage in Trier 2019

Religion : Stille Andacht und laute Begegnungen bei den Heilig-Rock-Tagen 2019

Unter dem Motto „Herausgerufen“ lockten die 20. Heilig-Rock-Tage wieder zahlreiche Besucher nach Trier. Richtig zum Leben erweckt wurde das Fest von etlichen, teils ungewöhnlichen Projekten.

Es ist still in der Heilig-Rock-Kapelle, obwohl die prall gefüllt ist mit Pilgern aus der ganzen Welt. Von ruhiger Klaviermusik begleitet stehen sie in drei Reihen um den Schrein, der das letzte Gewand Christi beherbergen soll.

Zeitgleich in einem Zelt auf dem Domfreihof nimmt Donald Coleman auf der Bühne Platz, vor ihm drei hüfthohe Trommeln und ein halbes Dutzend Mikrofone. Er spielt afro-amerikanische und afro-kubanische Musik aus seiner Kindheit in New York City. Vor ihm klatschen die Menschen, filmen, lachen, während von draußen der Regen gegen die Zeltwände prasselt.

Es ist das letzte Wochenende der Heilig-Rock-Tage 2019. Zehn Tage lang war die Heiltumskapelle offen für Besucher.

Am anderen Ende des Zeltes steht Cheforganisator Wolfgang Meyer. „Wir sind mit den Heilig-Rock-Tagen ziemlich froh, trotz des Wetters“, sagt er. Tatsächlich ist der Beistand von oben in diesem Jahr ausgeblieben, immer wieder war es nass.  Natürlich habe das Auswirkungen auf die Tagesgäste gehabt, sagt Meyer. Dennoch zieht er eine positive Bilanz: „Die Konzerte waren mehr als gut besucht, beim Abendlob war der Dom immer voll.“

Am liebsten erinnere er sich an eine Trommelreise im Dom zurück, bei der rund 700 Förderschüler eine vorgetragene Geschichte musikalisch begleitet haben. „Es war für mich absolut faszinierend zu sehen, wie die Kinder begeistert mitgegangen sind. Ich war für zwei Stunden richtig gebannt“, gerät Meyer ins Schwärmen.

Viele Aktionen haben ihre Spuren in dem Gotteshaus hinterlassen. Auf einer Landkarte haben mehr als 6000 Kinder mit bunten Fähnchen die Orte markiert, aus denen sie nach Trier gereist sind.

Vom Gewölbe des Westchors hängen Banner mit Hunderten gemalten Bildern.

Auch auf dem Hauptmarkt trotzt man dem Wetter. Das Zelt hat die Fachstelle für Kinder- und Jugendschutz des Bistums bezogen. Dort informieren sie Eltern unter dem Motto „Kinder haben Rechte“. Im Zelt sollen die aber vor allem Spaß haben. Dazu sind die Clowns Tomtom und Kiki Kokolores eigens aus Dresden angereist. Auch ihr Stück hat Grenzüberschreitungen zwischen Kindern und Erwachsenen zum Thema.

In einer anderen Ecke des Zeltes verwandelt sich Justus beim Kinderschminken in den Superhelden Batman. Er kommt gerade mit seinen Großeltern Harald und Sigrid Scherer aus dem Dom. „Das musste er sehen“, sagt Sigrid Scherer. Am besten gefallen hätten ihm jedoch „die Edelsteine rundherum“.

Zurück im Hauptzelt auf dem Domfreihof stehen mittlerweile Frauen aus vier südamerikanischen Nationen auf der Bühne und präsentieren Tänze aus ihrer Heimat. „Café International“ heißt die Veranstaltung, die den Besuchern andere Kulturen näherbringen soll.

„Wir haben hier dieses große Fest und wir sollten den Menschen, die zu uns geflohen sind aus Gebieten mit Terror, Krieg, Hungers- und Naturkatastrophen, anbieten, mit uns zu feiern“, sagt Ruth Mareien de Bueno. Sie ist als Geschäftsführerin der katholischen Arbeitnehmerbewegung verantwortlich für die diesjährige Ausrichtung. Einen einzelnen Auftritt möchte sie nicht hervorheben. Doch sie freut sich auf die englischsprachige Gemeinde, deren afrikanische Mitglieder am frühen Abend auftreten. Viele Leute kämen immer extra für diese Aufführung.

Mit ihnen auf der Bühne steht Anthony Antwi-Boasiako. Der gebürtige Ghanaer ist der Pfarrer der englischen Gemeinden in Trier und Saarbrücken. Stolz erzählt er von der Vielfalt unter den Gläubigen. Menschen aus Uganda, Sierra Leone und Ruanda, aber auch von den Philippinen und aus europäischen Ländern seien darunter.

 Donald Coleman mit seiner Begleitung Heike. Der Auftritt des Afroamerikaners ist dem Zufall zu verdanken. Organisatorin Ruth Mareien de Bueno kennt ihn erst seit knapp zwei Wochen.
Donald Coleman mit seiner Begleitung Heike. Der Auftritt des Afroamerikaners ist dem Zufall zu verdanken. Organisatorin Ruth Mareien de Bueno kennt ihn erst seit knapp zwei Wochen. Foto: Noah Drautzburg

Zehn Tage lang war die Heiltumskapelle offen für Besucher, doch das ist nur ein Teil der Geschichte. Der andere sind die vielen Aktionen, die nachdenklich gestimmt, für Begegnungen gesorgt oder auch einfach nur Spaß gemacht haben.