Stillstand am Hauptbahnhof

TRIER. Verwirrspiel um den Hauptbahnhof: Die seit Wochen angekündigten Umbaumaßnahmen verzögern sich weiter. Derweil verzeichnet der Presseshop nach seinem "vorübergehenden" Umzug ins Nebengebäude einen drastischen Umsatzeinbruch.

Verheerender hätte die Bewertung nicht ausfallen können: Als die Bahn AG Mitte vergangenen Jahres ihre 397 rheinland-pfälzischen Bahnhöfe untersuchte, bildete der Trierer Hauptbahnhof das einsame Schlusslicht. In allen acht untersuchten Kategorien hatten die bahninternen Prüfer einen "hohen Handlungsbedarf" festgestellt. Ob Erscheinungsbild oder Sicherheit, Kundeninformation oder Gesamtzustand - Triers größter Bahnstation mangelt es an allem. Vor einem Monat nun schien Bewegung in den Bahnhof zu kommen: Der Presse- und Buchhandel war "vorübergehend" ins Nebengebäude umgezogen, wo fast zeitgleich auch ein neuer Friseursalon eröffnet hatte. Auf Plakaten wirbt die Bahn AG seither um Verständnis für die Umbaumaßnahmen im Nordflügel des Hauptgebäudes. Doch mehr hat sich erkennbar noch nicht getan. Zudem gibt es widersprüchliche Auskünfte der Bahn AG: So erklärte Triers Bahnhofsmanager Werner Feld am Freitag gegenüber dem Trierischen Volksfreund , das Projekt befinde sich noch in der Konzern-internen Genehmigungsphase. Mithin sei auch die Finanzierung noch nicht gesichert. Am selben Morgen jedoch hatte ein Konzernbevollmächtigter dem Trierer Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster (CDU) versichert, dass die Bahn AG rund drei Millionen Euro in den Trierer Hauptbahnhof investieren werde.Geeigneter Pächter fehlt

Auch der behindertengerechte Ausbau der Gleisanlagen mit Personenaufzügen sei in trockenen Tüchern, so Bernhard Kasters Kenntnisstand nach zahlreichen Gesprächen mit Bahn-Verantwortlichen. Zumindest der Stillstand im Nordflügel dürfte denn auch andere Gründe haben als die vermeintlich ungesicherte Finanzierung: Nach Informationen des Trierischen Volksfreunds fehlt es der Bahn noch immer an einem geeigneten Pächter für die geplante Kleingastronomie. Ein stadtbekanntes Unternehmen aus dem Raum Saarburg steht in Verhandlungen mit der Bahn AG, doch noch ist nichts entschieden - geschweige denn unterschrieben. Verärgert über das Planungschaos am Hauptbahnhof ist derweil Thomas Bergmann, Inhaber des Presse- und Buchladens. "Am 15. Dezember mussten wir schnellstmöglich ins Nebengebäude umziehen", berichtet er. Am Tag darauf hätten er und seine Mitarbeiter dann erfahren, dass sich alles verzögere. "Wir mussten das Baufeld frei räumen", begründet Bahnhofsmanager Feld die offenkundig überstürzte Umzugsanweisung, die Pressehändler Bergmann bereits "mit einem drastischen Umsatzeinbruch" bezahlt hat. Wann der Umbau des Nordflügels beginnen wird, kann oder will Feld nicht sagen. "Ich verspreche nichts", hält sich der Bahnhofsmanager bedeckt. Thomas Bergmann scheint derweil Kummer mit der Bahn gewöhnt: "In Kaiserslautern sollten wir mit unserer Filiale für ein halbes Jahr umziehen. Daraus wurden dann zwei Jahre."Zweierlei Zeitgefühl

Ohnehin scheint das Zeitgefühl der Bahnmanager ein wenig von dem der Allgemeinheit abzuweichen. So wurde schon vor Jahren die "vorübergehende" Schließung der Bahnhofsgaststätte plakatiert. Ehrlicher waren da die Inhaber des Tabaklädchens im Hauptgebäude: Mit einem "Guten Rutsch" und "Tschüss" verabschiedete sich das Team an Silvester.