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Stimmen zur Landratswahl Trier-Saarburg 2021

Landratswahl Trier-Saarburg 2021 : Schartz-Niederlage: „Denkwürdiger Abend“ für CDU, „historischer Tag“ für SPD

Stefan Metzdorf ist glücklich, Günther Schartz zeigt sich zerknirscht. So haben die beiden Kontrahenten der Landrats-Stichwahl den Sonntagabend erlebt und das Ergebnis kommentiert.

Große Spannung liegt am Wahlabend im Kreishaus in der Luft. Schließlich war die Entscheidung vor zwei Wochen beim ersten Wahldurchgang um das Amt des Landrates im Kreis Trier-Saarburg denkbar knapp. Damals hatte sich Herausforderer Stefan Metzdorf (SPD) mit nur 1,07 Prozentpunkten gegen Amtsinhaber Günther Schartz (CDU) durchgesetzt. Wird die Stichwahl zum Kopf-an-Kopf-Rennen?

Beide Kontrahenten treffen gegen 18.30 Uhr im Sitzungssaal der Kreisverwaltung aufeinander. Verfolgen die Ergebnisse, die nach und nach aus den Wahlbezirken eintreffen, live auf der Leinwand. Als die ersten Zahlen auftauchen, herrscht angespannte Stille im Raum.

Metzdorf und Schartz haben Familie und Parteifreunde um sich geschart. Als gegen 18.11 Uhr nach Auszählung der ersten kleineren Bezirke der rote Balken von Metzdorf bei  71,13 Prozent steht und der von Schartz bei 28,87 Prozent, sind bei den CDU-Anhängern erste sorgenvolle Blicke zu erkennen. Der Amtsinhaber hat die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Auf der anderen Seite flüstert der SPD-Landtagsabgeodnete Lothar Rommelfanger: „Ich habe im Moment ein gutes Gefühl.“

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Auch nach 88 von 175 ausgezählten Bezirken liegt Metzdorf weiter deutlich vorn. Viele Parteikollegen, darunter die frisch in den Bundestag gewählte Verena Hubertz, haben ihre Smartphones gezückt und checken Einzelergebnisse aus den Wahlbezirken. Metzdorf gönnt sich etwas von dem bereitgestellten Gebäck, hinter dem Mundschutz ist ein Lächeln zu erahnen.

Schon lange, bevor das Endergebnis feststeht, kommt Schartz zu Metzdorf und gratuliert ihm zum Sieg. Um kurz vor 19 Uhr ist allen im Saal klar – da tut sich nichts mehr. Metzdorf hat es diesmal mit deutlichem Vorsprung geschafft: 68,29 Prozent zu 31,71 Prozent. Weitere Gratulanten reichen ihm die Hand, er umarmt seine Frau und seine SPD-Mitstreiter.

„Ich bin total glücklich. Das Ergebnis zeigt, dass ein Wechsel gewollt war“, sagt der 58-jährige Gusterather in einer ersten Reaktion. „Das ist für mich ein ganz klarer Auftrag der Bürgerinnen und Bürger hier im Kreis und ich freue mich darauf, die Aufgaben der Zukunft hier wahrnehmen zu können.“ Er werde jetzt auf jeden Fall erst einmal feiern, sagt Metzdorf.

Zerknirscht reagiert der unterlegene Amtsinhaber: „Das Ergebnis ist schon hart. Es ist ein denkwürdiger Abend für mich und eine Abwahl meiner Person, das kann man nicht anders umschreiben. Wobei da sicherlich noch andere Dinge mitgeschwungen haben“, sagt Schartz.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Hubertz jubelt: „Heute ist wirklich ein historischer Tag. Zum ersten Mal wird der Landkreis Trier-Saarburg durch einen SPD-Landrat regiert.“

 Wer macht das Rennen? Amtsinhaber Günther Schartz (CDU) und Herausforderer Stefan Metzdorf standen sich am Sonntag, 10. Oktober, in der Stichwahl um das Amt des Landrats im Kreis Trier-Saarburg gegenüber.
Wer macht das Rennen? Amtsinhaber Günther Schartz (CDU) und Herausforderer Stefan Metzdorf standen sich am Sonntag, 10. Oktober, in der Stichwahl um das Amt des Landrats im Kreis Trier-Saarburg gegenüber. Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

Auch zwei Fraktionsvorsitzende aus dem Kreistag sind im Saal. „Wir sind schon sehr enttäuscht“, sagt Matthias Daleiden, dessen Freie Wählervereinigung (FWG) sich im Wahlkampf für Schartz ausgesprochen hatte. „Aber Gratulation an den Gewinner. Als gute Demokraten werden wir mit ihm eine gute Zusammenarbeit anstreben.“ Boris Bulitta (Grüne) sagt: „Im Kreistag wird es für Metzdorf eine schwierige Konstellation, die Mehrheit hat er nummerisch ja nicht.“ Man habe im Vorfeld aber einige Projekte ausgemacht, die man zusammen angehen könne.