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Stolperfallen und unüberwindbares Pflaster für Rollstuhlfahrer: Verbesserungen in Trierer Innenstadt nötig

Stolperfallen und unüberwindbares Pflaster für Rollstuhlfahrer: Verbesserungen in Trierer Innenstadt nötig

Der Behindertenbeauftragte der Stadt Trier und zwei Mitglieder des Behindertenbeirats haben bei einem Rundgang mit dem neuen Baudezernenten Andreas Ludwig auf Barrieren in der Innenstadt aufmerksam gemacht. Ludwig versprach, sich für Verbesserungen einzusetzen.

An der Porta Nigra hat der Behindertenbeauftragte Gerd Dahm etwas vorbereitet: Neben der Treppe an der Sim gibt es zwar eine Rampe, die aber nicht nur sehr stark geneigt ist, sondern auch noch geradewegs auf eine Betonkante zuführt. Dahm hat das schon oft kritisiert - und jetzt wenigstens virtuell verbessert: An der flankierenden Mauer hat er mit Kreide einen sinnvolleren Verlauf skizziert. "Ich übergebe ihnen diese neue Rampe symbolisch", sagt er scherzhaft - und fordert den Baudezernenten Andreas Ludwig auf, zügig für eine Verbesserung zu sorgen. Ludwig macht zwar eifrig Fotos und Notizen, lässt sich aber nicht auf das konkrete Versprechen einer Erledigung bis zum Jahresende ein. Dann steht der Antrittsbesuch beim Behindertenbeirat an.

Begonnen hat der eher informelle Rundgang am Kornmarkt. Da haben die Rollstuhlfahrerinnen Nancy Poser und Heike Unterrainer demonstriert, dass die schöne Fläche rund um den Brunnen für sie nur an wenigen Stellen erreichbar ist. Für Sehbehinderte bedeuteten die umlaufenden flachen und unmarkierten Treppenstufen gefährliche Stolperfallen, sagt Dahm.

Dann geht es Richtung Hauptmarkt. Die Fußgängerzone ist zur Mitte hin abschüssig. "Zu Fuß fällt das kaum auf, aber für uns Rollstuhlfahrer ist es sehr anstrengend", erklärt Unterrainer. Und die Pflastergestaltung erlaube nicht, in der Mitte der Rinne zu fahren. Die rundlichen, groben und von tiefen Fugen umgebenen Pflastersteine auf dem Hauptmarkt bedeuten für die beiden Frauen eine Tortur. Ludwig sieht zwar das Problem, meint aber auch: "Trier ist nun mal eine mittelalterlich geprägte Stadt." Es sei fraglich, ob es eine Lösung gebe, die auch dem Charakter des Platzes gerecht werde. Dahm zeigt auf größere, glattere Steine, die entlang der Häuser verlegt sind, etwa an der Steipe: "Die fallen niemandem auf, lassen sich aber besser befahren." Er schlägt vor, wenigstens entsprechende Fahrstreifen in der Fußgängerzone zu schaffen.Das nächste WC ist weit weg


An der Porta Nigra erkennt der einstige Städteplaner Ludwig eine ganze Reihe an Erschwernissen von selbst: Hat es ein Rollstuhlfahrer etwa die erwähnte Rampe hinunter geschafft, führen nur wenige Stellen wieder auf das höhere Niveau, zu Touristinfo, Stadtmuseum und Brunnenhof. Letzterer wurde erst vor wenigen Jahren renoviert - und dabei mit einem besonders groben Pflaster ausgelegt, das die Frauen in ihren Rollstühlen nun kaum noch bewältigen. Dabei ist ausgerechnet hier der separierte Eingang ins Stadtmuseum für Rollstuhlfahrer - ebenfalls derartig beschaffen.
Im Gegensatz zu den "Rollis" ist Gerd Dahm jetzt in Fahrt: "Ich finde es schon eine Frechheit, dass man überhaupt sagt: Euer Eingang ist da drüben. Aber das dann auch noch so zu gestalten, ist wirklich das Letzte!"

Aber nicht das letzte Ärgernis: Vor dem Stadttor weist ein Schild zu einer Behindertentoilette - in den Brunnenhof. An dessen anderem Ende befindet sich aber wieder eine Treppe ohne Rampe. Der richtige Weg zur Toilette führt zurück über den Brunnenhof und einmal komplett um Porta Nigra und Simeonstift herum. Solche Zustände seien umso schlimmer, sagt Rollstuhlfahrerin Poser, weil die Behinderten-WCs in der Stadt ohnehin so dünn gesät seien.
Der Baudezernent teilt viele der Kritikpunkte und sagt zu, sich entsprechend einzusetzen - auch wenn viele Dinge sicherlich einen langen Atem bräuchten. "Wir sollten diese Treffen regelmäßig wiederholen, um zu sehen, wie weit man gekommen ist", schlägt er vor.

Nach Ende des Rundgangs will Rollstuhlfahrerin Unterrainer ein öffentliches Behinderten-WC am Domfreihof nutzen. Mit einem speziellen Schlüssel kann sie zwar die Tür öffnen, aber der Raum bleibt dunkel. Erst Gerd Dahm gelingt es, im Haus jemanden zu finden, der den Strom einschaltet - nach kurzer Diskussion. Als das Licht angeht, sieht man, dass die Toilette als Lagerraum missbraucht wird: Unter und neben der Kloschüssel stehen Säcke mit Blumenerde und Blaukorn.Meinung

Wie schwer ist es für Rollstuhlfahrer, sich in der Innenstadt frei zu bewegen? Das berichten Nancy Poser (links) und Heike Unterrainer dem Baudezernenten Andreas Ludwig (rechts) und dem Behindertenbeauftragten Gerd Dahm. Das Pflaster im Brunnenhof ist kaum zu bezwingen. Foto: Frank Göbel

Die Zeit ist reif!
Behinderte sind keine Bittsteller, Trier ist kein Disneyland: Rollstuhlfahrer haben ein Recht auf eine zumutbare Infrastruktur - auch, wenn etwa die Mittelalter-Romantik auf dem Domfreihof darunter leidet. Die Zustände rund ums Unesco-Weltkulturerbe Porta Nigra sind aber grotesk: Hier müssen endlich würdigere Zustände her. Nicht nur, aber vor allem für die vielen Gäste der Stadt, die sich auf die verschlungenen Pfade nicht so einstellen können, wie das vielleicht einheimische Rollifahrer schaffen. Der Baudezernent hat sich die Mängel vorbildlich offen angesehen - jetzt müssen er, die Stadtverwaltung und der Stadtrat handeln! trier@volksfreund.de