Fastenzeit Strampeln für das Klima

Trier · Mit dem Start der Fastenzeit rufen die christlichen Kirchen zur Aktion Autofasten auf.

 Zu Fuß, per Bahn oder mit dem Fahrrad: Jörg Weber,  Judith Rupp,  Gregor Schäfer  und  Andreas Ludwig (von links)  stellen das Autofasten 2020 vor.

Zu Fuß, per Bahn oder mit dem Fahrrad: Jörg Weber, Judith Rupp, Gregor Schäfer und  Andreas Ludwig (von links) stellen das Autofasten 2020 vor.

Foto: Julia Nemesheimer

Die tollen Tage sind vorbei. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. 40 Tage lang üben sich viele Menschen in Verzicht. Meist geht es dabei um Alkohol, Nikotin oder Fleisch. Seit 23 Jahren rufen die katholische und evangelische Kirche im Südwesten Deutschlands mit einer groß angelegten Aktion zu einer anderen Abstinenz auf: zum Autofasten.

Vom 4. März bis zum 4. April ist der offizielle Aktionszeitraum, in dem Menschen ihr Auto auch mal stehen lassen sollen. Die Alternativen sind vielfältig: sei es zu Fuß, mit dem Rad oder die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.

„Jeder Einzelne sollte sein Mobilitätsverhalten genau unter die Lupe nehmen“, sagt die Pressesprecherin des Bistums Trier, Judith Rupp. Nicht zur Selbstkasteiung oder zur Selbstoptimierung sei das Fasten gedacht, sondern um sich dabei leichter und freier zu fühlen.

Passend zum Anliegen wurde für die Pressekonferenz der Hauptbahnhof in Trier gewählt. Nicht nur die Züge fahren hier „in die große weite Welt“, wie der Beigeordnete der Stadt Trier,  Andreas Ludwig, betont man könne direkt daneben in der Fahrradgarage das Zweirad geschützt vor Wind, Wetter und Dieben abstellen und so problemlos von einem Verkehrsmittel ins andere wechseln, ohne das eigene Auto zu bemühen. Ihm sei bewusst, dass es dabei nicht nur auf das Engagement jedes Einzelnen ankomme. Auch die Stadt müsse dafür etwas tun und die passende Infrastruktur bieten.

Dafür werde momentan einiges getan: In der Luxemburger Straße werden – sobald das Wetter es zulässt – beidseitig Markierungen für die Fahrradspuren angebracht. In Trier-Süd gibt es seit gut einem Jahr eine Fahrradstraße. Auf mehreren Straßen gibt es Piktogramme, die Autofahrer auf Radfahrer aufmerksam machen und zu mehr Rücksicht aufrufen sollen. Für die Innenstadt sind weitere Lösungen geplant, die in naher Zukunft umgesetzt werden sollen, genauso wie die baldige Eröffnung des Ruwer-Radweges.

Es ist einiges in Bewegung. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, Jörg Weber, geht mit gutem Beispiel voran: „Mit meinem E-Mountainbike pendle ich seit zwei Jahren so oft wie möglich die 30 Kilometer zur Arbeit nach Trier – und lasse das Auto stehen. Dank Elektro-Unterstützung sind auch die Anstiege keine große Herausforderung und ich tue zudem noch etwas für meine Gesundheit.“ Dass dies nicht immer umsetzbar sei, sei selbstverständlich. Gerade auf dem Land sei der Verzicht auf das Auto nicht leicht. Doch insbesondere dort gehe es um Kurzstrecken etwa zum Bäcker – oder eben mit dem Abfall zur Biotonne, wie Weber augenzwinkernd vorschlägt.

Auch der Bürgerservice beteiligt sich an der Aktion, wie Geschäftsführer Gregor Schäfer ausführt. Bis zum 20. März kann bei der Fahrradstation Gleis 11 des Bürgerservices direkt am Hauptbahnhof ein kostenloser Sicherheitscheck am Fahrrad gemacht werden. Außerdem können hier E-Bikes für zwei Stunden ausgeliehen werden. Beides geht nur nach vorheriger Anmeldung unter Telefon 0651/999 890 58.

Um bei der Aktion mitzumachen, können sich Bürgerinnen und Bürger auf der Internetseite
www.autofasten.de anmelden, weiter informieren und den persönlichen CO2-Fußabdruck errechnen.

Vor allem aber empfehlen die Ini­tiatoren, die Fastenzeit zu nutzen, und sich selbst, seine Gewohnheiten und Bequemlichkeiten zu reflektieren.

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