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Straßenbau bringt Häuser mächtig in Schieflage

Straßenbau bringt Häuser mächtig in Schieflage

Die Mehrzahl der Ehranger freut sich über die Verkehrsentlastung durch die neue B-422-Umgehung. Einige Anwohner der Oberstraße teilen diese Freude jedoch nicht. Als Folge des B-422-Baus werden ihre Häuser immer rissiger und stehen zusehends schräger. Die Stadt hat Entschädigung zugesagt.

Trier-Ehrang. Bei Familie Mergen aus der Oberstraße in Ehrang hängt seit Monaten der Haussegen schief - allerdings nicht im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinne. Die hintere Hälfte des Gebäudes aus den 50er Jahren kippt langsam nach hinten. Und die Risse, die sich durch den gesamten Bau ziehen, klaffen immer weiter auseinander. Wie den Mergens aus Nummer 49 geht es auch den Bewohnern der Häuser 50, 48, 53 und 52. Ursache ist der Bau der B-422-Umgehung, die fast unmittelbar hinter dem Anwesen vorbeiläuft.
"Im März traten bei uns die ersten Risse auf, danach verschlechterte sich der Zustand unseres Hauses zunehmend", sagt Karl Mergen. Dasselbe beobachten die Nachbarn Gottfried Grohmes zur rechten Seite sowie Marlies und Werner Hess-Strink zur Linken an ihren Gebäuden. Die rückwärtigen Teile der Häuser neigen sich nach hinten in Richtung neue B 422. Im Inneren ist es, als wollten sich die Gebäude teilen. Davon zeugen durchgehende Risse in den Wänden. Mergen: "Die haben 2015 hinter den Häusern den Boden mit einer zig Tonnen schweren Rüttelwalze verdichtet. Nun hat sich das Erdreich dort um etwa drei Zentimeter gesenkt, und die Bauten geraten in Schräglage." Außerdem sei der Untergrund nach der Verdichtung hart wie Beton. Da helfe auch die darübergelegte Schicht Mutterboden mit Rasen nichts. Wasser könne dort nicht versickern, bei Regen bilde sich dort ein See.
Ungewöhnliche Phänomene kann Mergen in seinem Wohnzimmer vorführen, das im hinteren Gebäudeteil liegt. Schon beim Eintreten spürt der Besucher, dass sich hier der Boden neigt, was zu einer Art Rampeneffekt führt. Ein Bürostuhl rollt wie von Geisterhand quer durch den Raum an die Außenwand. Setzt man sich aufs Sofa, werden die Sinne verwirrt: Hängen gegenüber die Wandborde schief, oder stehen die Möbel am Boden schräg? Richtig - die Möbel stehen schräg, die Borde hängen gerade, weil diese Wand sich (noch) nicht geneigt hat. Die hintere Außentür lässt sich nicht mehr ganz öffnen, da sie am schräg ansteigenden Fußboden klemmt, und die Täfelung der abgehängten Decke wölbt sich bedenklich nach unten. Direkt über dem Wohnzimmer liegt das Zimmer von Tochter Michele. Dort waren laut Mergen im März in einer Ecke an der Verbindung von Hinter- und Vorderhaus die ersten Risse erschienen. Die sind inzwischen so weit, dass es hindurch zieht. Abdichtversuche blieben wirkungslos. Inzwischen, so Mergen, sei die Tochter zum Freund gezogen. Sie habe Angst, mit ihrem Zimmer hinunter ins Wohnzimmer zu krachen. Mergen: "Wenn es still im Haus ist, kann man die Wände arbeiten hören. Es klingt manchmal, als würde oben einer herumlaufen."
Haftbar für Schaden wäre die Stadt Trier als Bauherr der B 422. Und diesem Bauherrn standen die Geschädigten zunächst eher ratlos gegenüber. "Wir hatten frühzeitig über die Probleme informiert. Erst im August kam dann der städtische Bauleiter vom Tiefbauamt mit einem Gutachter und hat die Schäden aufgenommen. Die hatten damals noch nicht das Ausmaß wie heute." Danach habe die Stadt über Wochen nicht auf Anrufe, Mails und Schreiben reagiert, obwohl sich der Zustand der Häuser verschlechterte. Am 20. September teilte das Tiefbauamt mit, dass die Sache beim Rechtsamt der Stadt liege. Die Betroffenen erwogen bereits eine Sammelklage. Doch so weit wird es wohl nicht kommen - die Stadt hat Hilfe und Entschädigung zugesagt.Extra

Von der Verwaltung ist bisher noch keine Einschätzung des Schadensfalls zu erhalten. Das Rechtsamt verweist dabei auf das laufende Verfahren. Nach einer Besichtigung der Gebäude durch den Vertreter des Rechtsamts, Joachim Henn, hat die Stadt offenbar einen zweiten Gutachter hinzugezogen. Dazu Hauseigentümer Karl Mergen zum TV: "Herr Henn war sichtlich entsetzt über das Ausmaß der Schäden und entschuldigte sich, nicht früher darauf reagiert zu haben." Er sei zunächst vom ersten Gutachten ausgegangen, in dem von einer leichten Absenkung und geringen Schäden die Rede gewesen sei. Laut Henn soll nun ein zweiter Gutachter feststellen, was noch unternommen werden kann und muss. Vermutlich müssten die Gebäude von den Fundamenten her geschützt und saniert werden. f.k.