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Straßenstrich? Nicht vor meiner Haustür!

Straßenstrich? Nicht vor meiner Haustür!

Mit seinem Vorschlag, Straßenprostitution in Trier in Teilen von Gottbill- und Metternichstraße sowie in der Nähe der Hochschule Schneidershof zuzulassen, ist Thomas Egger an den Einsprüchen von Anliegern und Ortsbeiräten gescheitert. Nun muss der Dezernent seinen Vorschlag für die Änderung des Sperrgebiets überarbeiten.

Trier. Wohin mit den Straßenprostituierten? In einer Sache sind sich da offenbar alle einig: Nicht vor meine Haustür!
Mit seinem Vorschlag, Teile von Gottbill- und Metternichstraße sowie eine Zufahrt zum Gillenbachtal in Nähe der Hochschule Schneidershof für den Straßenstrich freizugeben , hat der städtische Beigeordnete Thomas Egger denn auch eine Bruchlandung hingelegt: Am Dienstagabend schlugen die Ortsbeiräte West, Ruwer, Euren und Zewen dem Dezernenten seine Vorlage um die Ohren.

Und auch die Anlieger gehen auf die Barrikaden. So sehr, dass Egger kurzfristig seinen festen Vorsatz aufgab, über seinen Vorschlag für die Änderung des Sperrgebiets den Stadtrat am Mittwochabend abstimmen zu lassen und die Beschlussvorlage von der Tagesordnung zurückzog.

Für die Erarbeitung einer anderen, möglichst konsensfähigen, Sperrgebietsverordnung gibt es mehrere Anregungen seitens der Ortsbeiräte: "Wir sollten prüfen, ob Köln für uns Vorbild sein könnte", sagte Thorsten Kretzer (Grüne, Ortsbeirat Nord). Köln hat ein städtisches Gelände für Straßenprostituierte hergerichtet. Freier und Prostituierte fahren dort in garagenartige, sogenannte Verrichtungsboxen. Diese sind ausgerüstet mit Alarmknöpfen, es gibt einen Sicherheitsdienst, sanitäre Anlagen und soziale Beratungsangebote für die Frauen. "Wenn wir eine solche Infrastruktur schaffen, wird diese auch genutzt, und die Straßenprostitution verstetigt sich, außerdem würde so ein Gelände Geld kosten", hielt Egger dagegen. Christiane Probst (FWG, Ortsbeirat Ruwer) schlug vor zu prüfen, ob ein Straßenstrich zeitlich begrenzt werden könnte, etwa von 20 Uhr bis 6 Uhr am Morgen. "Wir können das versuchen - aber juristisch ist das schwierig, es könnte jemand etwa wegen einer Einschränkung der Berufsausübung klagen, denn Prostitution ist in Deutschland nunmal ein legale Tätigkeit."

Monika Thenot (CDU, Ortsvorsteherin Ruwer) machte den radikalsten Vorschlag: "Vielleicht sollten wir trotz der gesetzlichen Vorgabe, Straßenprostitution zulassen zu müssen, die ganze Stadt zum Sperrgebiet erklären. Und dann abwarten, ob tatsächlich jemand dagegen klagt." Auf solche Tricks will der gelernte Jurist Egger sich allerdings nicht einlassen: "Ich kann auf gar keinen Fall den Stadtrat etwas beschließen lassen, das ganz offensichtlich rechtswidrig wäre!"Anlieger erheben Einspruch


Dass die Stadtverwaltung ihnen den Straßenstrich vor die Haustür setzen will, haben die Anlieger von Gottbillstraße, Metternichstraße und der Bitburger Straße aus der Zeitung erfahren. Aber nicht nur deswegen hagelte es Kritik. Hier eine Auswahl:
Norbert Kuhn, Präsident der Hochschule Trier: "7500 Studenten studieren an der Hochschule, ihnen muss mit einer gewissen Vorbildfunktion begegnet werden. Die 40 Kinder der Kindertagesstätte Schneidershof unternehmen Ausflüge in den Weißhauswald und sollen nicht mit Unrat der Straßenprostitution konfrontiert werden. Durch Straßenprostitution im unmittelbaren Umfeld der Hochschule verliert der Standort Schneidershof an Attraktivität. Bildung und Prostitution können nicht auf engstem Raum nebeneinander existieren."
Markus Schröder, Stadtwaldhotel Schroeders, Gillenbachtal: "Wir sind ein Familienhotel, unsere Gäste unternehmen viele Spaziergänge, wir haben viele Familienfeiern wie Kommunionen und Hochzeiten. Die für die Straßenprostitution vorgesehene Stelle liegt auf dem Weg zur Bushaltestelle, die viele unserer Mitarbeiterinnen nutzen."
Gregor Reichert, Maschinenbau Leppin, Metternichstraße: "Ich habe in den letzten Jahren 600 000 Euro in meine Firma investiert. Die Metternichstraße hat sich auch insgesamt in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Und jetzt will uns die Stadt einen Straßenstrich direkt vor die Tür setzen. Wie soll ich das unseren Kunden erklären? Es gibt auch keine Toiletten - und auch ihre übrigen Geschäfte werden die Damen wohl auch auf unserem Parkplatz erledigen."
Vorab Einspruch eingelegt haben auch: Personalrat Hochschule Trier; Manfred Sorge für die Anlieger im Gillenbachtal; aus der Rudolf-Diesel-Straße die Sektkellerei Herres und die Autohäuser Porsche und Audi; aus der Metternichstraße die Fitnessstudios Bodystyle und Smilefit, der Gesundheits- und Rehasport-Verein BS, die Pferdepraxis, die Firmen Glas Bär, Metallbau Rösinger und die Reichert Grundstück GmbH.Meinung

Schwache Leistung, Herr Egger!
Inhaltlich dünn, schlecht durchdacht und noch schlechter kommuniziert ist der Vorschlag, den Thomas Egger für die Änderung des Trierer Sperrgebiets gemacht hat. Und das nach zwei Jahren Bearbeitungszeit! Ob eine Begrenzung des Straßenstrichs auf die Nachtstunden rechtlich möglich ist, hätte längst geprüft sein müssen. Auch bei der Frage, ob das Hafengebiet in Trier-Nord eventuell für Straßenprostitution infrage kommt, musste Egger passen - der gar nicht so unplausible Standort wurde nicht geprüft. Einen solch unausgegorenen Vorschlag den Ortsbeiräten vorzulegen und einen Tag später im Stadtrat beschließen lassen zu wollen - und das alles, ohne auch nur ein Wort mit den betroffenen Anliegern gesprochen zu haben - zeugt auch von einem Mangel an politischem Geschick. c.wolff@volksfreund.de